Energiegewinnung aus Kompost.

Beim Thema der alternativen Strom- und Energieerzeugung mit geringen negativen Auswirkungen auf die Umwelt werden meist Solar-Energie, Wind- und Wasserkraft erwähnt. Weniger bekannt ist jedoch, dass man auch mit Hackschnitzel und Grünschnitt in der richtigen Kombination und mit dem richtigen Aufbau stetig Energie durch Kompostierung erzeugen kann. Dieses besondere, vom Franzosen Jean Pain entwickelte System, das über längere Zeit dauerhaft Warmwasser produziert, wird Biomeiler bzw. “Kompost Heizung“ genannt.

Es gibt zusätzlich zu der ursprünglichen Form auch eine Erweiterung, die den Ursprungsgedanken der Warmwasserproduktion mit der Gewinnung von Methan-Gas durch Vergährung von Biomasse unter Luftabschluss kombiniert.

Als Abfallprodukt entsteht am Ende des Prozesses wertvolle Komposterde.

Wie funktioniert der Biomeiler?

Grob gesagt ist ein Biomeiler ein riesiger Komposthaufen, in dem schichtweise und spiralförmig Rohre verlegt sind. Durch diese Rohre wird Wasser gepumpt, das durch die hohe Themperatur, die durch die Kompostierung entsteht, erwärmt wird. Dabei kann das Wasser auf bis zu 60°C erhitzt werden. Und das konstant über 12-15 Monate hinweg.

Um auch wirklich eine stabile Temperatur auch über den Winter zu garantieren, sollte dieses Konstrukt mindestens 7-8 m Durchmesser bzw. 50 Kubikmeter Gesamtvolumen besitzen. Außerdem ist eine gut durchdachte Bauanleitung wichtig und auch so gut wie möglich zu beachten, um eine effiziente Energiegewinnung zu fördern.

Biomeiler im Aufbau - Photocredit: Verein "Die LobauerInnen"
Biomeiler im Aufbau – Photocredit: Verein „Die LoBauerInnen“

Erweiterung zum Hybridmeiler

Bei einem Hybridmeiler verbaut man in die Mitte des Biomeilers zusätzlich noch eine Tonne mit biologischem Material, das unter Sauerstoffabschluss zur Methan-Gas-Erzeugung genutzt wird. Durch die Wärme des Biomeilers wird eine ideale Umgebungsthemperatur geschaffen, die den Prozess der Biogasanlage unterstützt. Diese äußerst praktische Symbiose kann also mit sehr wenig Zusatzaufwand leicht ermöglicht werden. Das entstandene Biogas kann zum Kochen, als Treibstoff für Gas-Autos oder auch zur Stromerzeugung verwendet werden.

Was ist zu beachten?

Das System eines Biomeilers ist nicht in sich abgeschlossen wie eine Solaranlage. Je nach Bauform und Lage kann er unterschiedliche potentielle Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dabei muss zum Beispiel beachtet werden, dass jegliche Form eines Komposthaufens keine direkte Verbindung zum Boden und somit zum Grundwasser haben darf. Es ist daher notwendig, zumindest eine Folie oder ähnliches als Trennung zwischen Meiler und Boden mit einzuplanen.

Außerdem besteht bei der Kompostierung immer wieder das Risiko der Geruchsbelästigung. Solange aber auf ein gutes Verhältnis zwischen Hackschnitzel, Grünschnitt und sonstigem organischem Material laut Anleitung geachtet wird, sollte beim Kompostierungsprozess keinerlei zusätzliche Geruchsbelastung entstehen.

Heizschläuche im Biomeiler - Photocredit: Verein "Die LoBauerInnen"
Heizschläuche im Biomeiler – Photocredit: Verein „Die LoBauerInnen“

Vorteile

Das geniale am Biomeiler ist, dass nach einem einmaligem höheren Arbeitsaufwand ein System aufgebaut werden kann, dass konstant über mindestens ein Jahr und meist darüber hinaus Warmwasser erzeugt, und für das Heizen von Gebäuden verwendet werden kann. Beim Heizen ist vor allem von Vorteil, dass ohne Risiko und regelmäßiger Prüfung auch unbeaufsichtigte Gebäude über längere Zeit hinweg frostfrei oder sogar warm gehalten werden können. Nicht nur massive Häuser, sondern auch Gewächshäuser, Ställe oder ähnliches können hiermit geheizt werden.

Nachteile

Der wohl offensichtlichste Nachteil ist der hohe Platzbedarf, der benötigt wird (im Normalfall eine Fläche mit einem Durchmesser von ca. 8m). Zusätzlich kann kann hier ein Problem mit möglichen Nachbarn entstehen, die den Anblick dieses im Grunde riesigen Komposthaufens nicht akzeptieren können.

Weiters ist natürlich auch der Aufwand für den initialen Aufbau nicht zu vernachlässigen, da diese Hackschnitzel und sonstiges Material erst mal in die gewünschte Form gebracht werden muss. Zusätzlich muss dieses Gebilde dann auch ideal zusammengestellt und errichtet werden.

Zu beachten ist weiters, dass durch die benötigten Pumpen und weiteren Geräte zur Heizung der Räume potentiell einiges an Technik hinzukommt, wodurch einerseits jemand benötigt wird, der sich auskennt, und andererseits Gefahr steigt, dass auf Dauer einzelne Teile kaputt werden.

Bewässerung des Biomeiler - Photocredit: Verein "Die LoBauerInnen"
Bewässerung des Biomeiler – Photocredit: Verein „Die LoBauerInnen“

Fazit

Ein Biomeiler ist zwar eine eher außergewöhnliche aber dennoch aus meiner Sicht potentiell spannende Lösung der Energiegewinnung. Vor allem an einem Ort wo Platz kein Thema ist, und wo regelmäßige niedrige Heizenergie benötigt wird, sehe ich das Konzept des Biomeilers als erfrischende Alternative. Der Einsatz benötigt aber sicher auch sehr große Bereitschaft zum Experimentieren, da noch relativ wenige Erfahrungsberichte existieren.

 

weiterführende Quellen

https://www.biomeiler.at/
https://www.lobauerinnen.at/projekte/biomeiler/
http://www.native-power.de/de/native-power/biomeiler
https://www.kompost-tipps.de/biomeiler/

 

Bildquellen

alle Bilder: Verein „Die LoBauerInnen

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