Weichmacher
Weichmacher
Das Phthalat DEHP führt zur Gewichtszunahme.

Von Weichmachern wie dem Phthalat DEHP ist bekannt, dass sie wie Hormone im Körper wirken. Bisher war es nur ein Verdacht, dass sie so auch zu Übergewicht beitragen. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas Erkrankungen der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig ist es nun gelungen, den Beweis zu erbringen und die dazugehörigen Stoffwechselprozesse zu entschlüsseln.

Zusammenhang zwischen Weichmacher und Übergewicht

Immer mehr Menschen in den Industrieländern leiden an Übergewicht und den Folgeerkrankungen wie beispielsweise Gelenkschäden oder Herzkreislauferkrankungen. Neben falschen Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel spielen auch genetische Aspekte eine Rolle. Immer mehr rücken zusätzlich Umweltschadstoffe als verursachende Faktoren in den Fokus. So fand man bereits Zusammenhänge zwischen erhöhten Phthalat-Konzentrationen im menschlichen Körper und der Entwicklung von Übergewicht.

Studienergebnisse zeigen nun, wie die Weichmacher dabei in den Stoffwechsel eingreifen. In Tierversuchen nahmen Mäuse, die das Phthalat DEHP mit dem Trinkwasser zu sich nahmen, deutlich an Gewicht zu. Man untersuchte die Stoffwechselprodukte im Blut der Mäuse und stellte fest, dass die Konzentration an ungesättigten Fettsäuren unter Einwirkung des Weichmachers anstieg und es zu Störungen des Glukosestoffwechsels kam. Auch die Zusammensetzung bestimmter Rezeptoren änderte sich, sodass es zu einer generellen Umstellung im Stoffwechsel kam. Weitere Forschungen werden durchgeführt, um zu genaueren Erkenntnissen der Mechanismen bei der Entstehung von Übergewicht unter Weichmachern zu gelangen.

Wie gelangt der Weichmacher DEHP in den Körper?

Der Weichmacher DEHP wird in der Industrie eingesetzt, um Kunststoff flexibel, biegsam und dehnbar zu machen. Nachdem man herausfand, dass der Stoff hormonell wirksam ist und Fortpflanzungsfähigkeit und Entwicklung des Kindes im Mutterleib beeinträchtigt, wurde der Einsatz in Kosmetika und Spielzeug verboten. Seit 2007 darf er auch nicht mehr für die Verpackung fetthaltiger Lebensmittel und seit 2015 nicht ohne Zulassung generell für Verbraucherprodukte verwendet werden. Jedoch wird der Weichmacher weiterhin durch Importprodukte eingeführt. Außerdem ist er bereits weit in der Umwelt verbreitet. So lässt sich nicht ausschließen, dass Spuren davon in Lebensmitteln enthalten sind.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung nehmen Jugendliche und Erwachsene in Deutschland durchschnittlich 13–21 Mikrogramm DEHP je Kilogramm Körpergewicht auf. Die empfohlene Obergrenze liegt bei 50 Mikrogramm. Die Aufnahme bei Kindern pro Kilogramm Körpergewicht ist häufig höher. Weitere Eintragspfade sind hier etwa Hausstaub beim Spielen auf dem Fußboden oder Spielzeug und Gegenstände, die in den Mund genommen werden. Doch auch bei Kindern läge mit 15–44 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag die Menge noch unter der Obergrenze.

Alle Grundnahrungsmittel können DEHP enthalten, wie Fleisch, Fett, Getreide, Obst, Gemüse oder Milch. Lose, unverarbeitete Produkte sind nach Studienergebnissen wohl weniger belastet als fetthaltige oder ölhaltige Fertigprodukte.

Möchte man die DEHP-Aufnahme möglichst gering halten, sollte man frische Lebensmittel abgepackten Fertigprodukten vorziehen. Bei Kindern und Kleinkindern ist außerdem darauf zu achten, dass Böden und Teppiche regelmäßig gereinigt werden und die Kinder nur Spielzeug in den Mund nehmen, das dafür gedacht ist und in der EU hergestellt wurde.

Veröffentlichung der Studie:

 „Di-(2-Ethylhexyl)-Phthalate (DEHP) Causes Impaired Adipocyte Function and Alters Serum Metabolites“: Nora Klöting, Nico Hesselbarth, Martin Gericke, Anne Kunath, Ronald Biemann, Rima Chakaroun, Joanna Kosacka, Peter Kovacs, Matthias Kern, Michael Stumvoll, Bernd Fischer, Ulrike Rolle-Kampczyk, Ralph Feltens, Wolfgang Otto, Dirk K. Wissenbach, Martin von Bergen, Matthias Blüher; PLOS ONE (December 2, 2015). http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0143190

Quellen: 
Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ): Dick durch Weichmacher
Forscher finden verantwortliche Stoffwechselwege. 18. Januar 2016. http://www.ufz.de/index.php?de=38407 (zuletzt aufgerufen: 25. Januar 2016).
Bundesinstitut für Risikobewertung: Weichmacher DEHP wird hauptsächlich über Lebensmittel aufgenommen. BfR und UBA untersuchen gemeinsam die DEHP-Belastung der Bevölkerung. 7. Mai 2013. http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2013/13/weichmacher_dehp_wird_hauptsaechlich_ueber_lebensmittel_aufgenommen-186791.html (zuletzt aufgerufen: 25. Januar 2016).
Bild: Martina Liel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*