Seit die Menschen das „Paradies“ verlassen haben, denken sie darüber nach, wie sie den „paradiesischen Zustand“ wieder erreichen können. Das Leben in der Fülle der „Natur“, also der Mitwelt, ohne…

Seit die Menschen das „Paradies“ verlassen haben, denken sie darüber nach, wie sie den „paradiesischen Zustand“ wieder erreichen können. Das Leben in der Fülle der „Natur“, also der Mitwelt, ohne große „Sorgen“. Mit Beginn des Ackerbaus, seitdem wir also versuchen, unsere Nahrung an einem Ort in ausreichender Menge selbstbestimmt zu erhalten, entstand das „Problem“. Es galt Aussaat, Aufwuchs der Pflanze und Ernte zu planen, zu gewährleisten. Dieses einfache Problem ist der Ursprung aller folgenden Probleme, bis hin zu dem unübersichtlichen „Chaos“ der Gegenwart. Dieses scheinen wir nicht mehr „ordnen“, also übersehen zu können, und versuchen die Lösung der Knoten Maschinen, also Werkzeugen, erweiterten Organen zu übertragen. Am Ende jedoch – oder auch schon heute – ersetzen wir uns selbst, machen uns zu einem überflüssigen Faktor im Ablauf der Algorithmen.

Die imaginäre Freiheit hat uns gefesselt

Die Idee, mit erweiterten Organen, also technischen Hilfsmitteln, alle Widrigkeiten des Lebens beherrschen zu können, hat uns Menschen zu Sklaven dieser Technologie gemacht. Zuerst hatte die allmächtige Technik den Menschen als Schwachpunkt entlarvt und je mehr wir ihn „ersetzten“ umso mehr erkannten wir, dass die Technologie der Schwachpunkt ist. Der Weg zurück, in die „himmlische Steppe“ – die eigentliche Bedeutung des Wortes „Paradies“ – scheint endgültig verbaut.

Seit fast 1200 Jahren suchen Menschen nach dem evolutionären Algorithmus, dem „Programm“ der natürlichen Auslese, also dem Grundgesetz des Lebens. Im Jahre 825 hat der Perser Mohammed al-Chwarizmi (780-850) das Buch: „Über das Rechnen mit indischen Ziffern“ veröffentlicht. Der Name wurde später als „Algorismi“ lateinisiert (“dixit Algorismi“ – „Algorismi hat gesagt“). Gleichzeitig spüren aber viele Menschen, dass es eine Form der Wahnvorstellung ist, und bringen die Mathematik in die Nähe des Teufels. Der urjüdisch/christliche Dämon Asmodi wird auch als Lehrer von Arithmetik, Astronomie und Geometrie dargestellt. Mathematik gilt – immer noch – als besonders exakte „Wissenschaft“, legt sie sich selbst doch strengste Regeln der Logik auf. Doch im Grunde musste sie, als Versuch „den Stein der Weisen“, die „Weltformel“ zu finden, gerade wegen dieser Regeln scheitern. Sie kann mit dem, was der Physiker Heisenberg „Unschärfe“ nannte und was letztlich „Natürlichkeit“, eben wirkliche unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit meint, mit dem natürlichen Gesetz des „Zufalls“ nicht arbeiten. Die Welt und das auf ihr entstandene Leben passen nicht in die Zwangsjacke von Algorithmen. Am Ende scheitert daher auch die Liebe eines Mannes zu einem Betriebssystem in dem gar nicht einmal so utopischen Film „Her“.

„Berechnend“ ist nicht ohne Grund ein abwertender Begriff

Der so genannte Volksmund spiegelt das Unbehagen der Menschen gegenüber der kalten Kalkulation des Lebens. Fast alle Horrorgeschichten der Science-Fiction Autoren haben sich inzwischen als wahre Geschichten herausgestellt. Im 21. Jahrhundert lassen sich die Menschen durch Maschinen überwachen, überlassen ihnen – algorithmengesteuert – wichtige Entscheidungen, sogar über ihr Leben. Das Berechnen führen also inzwischen Maschinen aus und deklassieren den Menschen endgültig zu ihrem Sklaven. Aldous Huxley (Schöne Neue Welt) und George Orwell (1984) haben somit bereits Geschichte beschrieben und nicht eine unwahrscheinliche, grausame Zukunft.

Ganz, wie es der negative Beigeschmack des Wortes „berechnen“ beschreibt, handelt es sich bei dem Versuch, dem Unberechenbaren ein für Menschen verständliches Muster überzuzwängen in der Tat nur um die Bemühungen, nicht nur die Menschen, sondern eben auch die Natur zu beherrschen. Dabei ist schon eine wesentliche Grundannahme falsch, denn der Mensch ist ein Teil der Natur, welche eben seine Mitwelt ist. Jede Bewegung in dieser Mitwelt und besonders jede Veränderung beeinflusst die „Versuchsanordnung“, also die Bedingungen der Interaktion untereinander, also auch den Auslöser, den Menschen.

Die scheinbare Komplexität ist am Ende undenkbar einfach

Leben ist der Fluss von Energie und diese sucht immer den Ausgleich, das Gleichgewicht. Dann ist der Zustand nachhaltig. Der Versuch, die Waage im Gleichgewicht zu halten, obwohl man nur auf einer Seite etwas verändert, muss fehlschlagen. Emotional haben Menschen das immer verstanden und daher automatisch ein Unbehagen gegenüber einem „zu viel“ an Technologie gehabt. Das über Jahrmillionen entstandene, somit erfahrene, ja manchmal weise „Bauchgefühl“ ist mit Zahlen, Statistik, Wahrscheinlichkeitserwägungen und Algorithmen nicht ersetzbar.

Der Rat der Alten bei allen noch immer existierenden „naturnahen“ Kulturen hat, wie während unserer ganzen Geschichte mit einer Mischung aus jenem Bauchgefühl und Lebenserfahrung in der Regel richtige Entscheidungen getroffen. Die Pläne und Entscheidungen unserer „kalten“ Egoismuskultur erscheinen da, wie „testosterongesteuertes“ Verhalten pubertärer jugendlicher. Der Weg in eine nachhaltige Zukunft kann also nicht auf dem Weg der aggressiven Zerstörungswut wie in den letzten 150 Jahren erreicht werden, sondern nur wieder mit einer Offenheit für das Gefühl des energetischen Gleichgewichts. Dieses muss wieder an dem jeweiligen Ort erspürt werden, was sicher zu ganz neuen „Lebensmustern“ führen wird – oder vielleicht sogar alten Mustern, mit ein wenig neuer Technologie, die sich aber völlig diesem Grundsatz unterordnen muss, eben auch als „Teil der Natur“?

http://taz.de/Sachbuch-zur-Industrialisierung/!129619/

https://www.ndr.de/kultur/literatur/diegeschichtevonzeb115.html

http://www.welt.de/wissenschaft/article120995923/Forscher-beweisen-Existenz-Gottes-am-Computer.html

http://www.cicero.de/salon/das-netz-ein-kafkaesker-staat/49185

http://wissen.de.msn.com/technik/allzweckwaffe-algorithmus-wie-programmiert-ist-unser-leben?page=3

http://film.info/her/

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