In den Medien werden die Meldungen über den US-Wirbelsturm Sandy laufend aktualisiert, echte ebenso wie zahlreiche „Fake“-Fotos kursieren im Internet. Windgeschwindigkeiten bis zu 140 km/h, umstürzende Bäume und starker Regen – welche Auswirkungen hat der „Landfall“ des post-tropischen Sturms auf die Energieversorgung?

Eine der dramatischsten Meldungen zum Thema Energieversorgung im Zusammenhang mit Hurrikan Sandy dürfte wohl der starke Pegelanstieg im Atomkraftwerk Oyster Creek in New Jersey sein. Flutwellen und heftiger Regen hatten den Wasserspiegel im Kühlbecken des ältesten aktiven Atomkraftwerks der gesamten USA ansteigen lassen. Allerdings: dauerhafte Beschädigungen gab es nicht, und das Atomkraftwerk war vorsorglich schon vor dem Eintreffen des Sturms abgeschaltet worden.

Auch im Atomkraftwerk Indian Point, 70 Kilometer nördlich von New York, wurde vorsorglich ein Reaktor abgeschaltet, Raffinerien wurden geschlossen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es in einem Umspannwerk in New York zu einer Explosion. Erste Meldungen über Verletzte und eingeschlossene Arbeiter wurden aber nicht bestätigt, es dürfte ausschließlich Sachschaden entstanden sein. Für solche Explosionen existieren Notfallpläne, um eine rasche Reparatur sicherzustellen.

Stromausfälle

An der US-Ostküste waren laut CNN 2,2 Millionen Menschen in 11 Bundesstaaten ohne Strom; am Dienstag vorübergehend sogar 6,6 Millionen. Aus einem New Yorker Universitätskrankenhaus mussten über 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem das Notstromaggregat ausgefallen war.

Teilweise kam es zu den Stromausfällen direkt durch Flut und Regen, teilweise durch umgestürzte Bäume, die Stromleitungen abgerissen hatten, teilweise aber auch absichtlich: Salzwasser könnte an Strom führenden Leitungen irreparable Schäden verursachen, daher entschied sich der Energieversorger Consolidated Edison dazu, schon vor Eintreffen des Sturms, in Teilen von Manhattan den Strom bewusst abzuschalten. Die Leitungen sollen jetzt überprüft und schrittweise wieder angeschlossen werden.

Die Medien haben die Menschen zeitgerecht mit aufschlussreichen Tipps versorgt, wie mit Stromausfällen umzugehen sei:

  • Medikamente sollten im geschlossenen Kühlschrank aufbewahrt werden, damit sie auch ohne Strom zumindest noch mehrere Stunden lang von anderen eingekühlten Waren kühl gehalten werden.
  • Benzintanks von Autos sollten mindestens halb voll sein, weil eventuell nach dem Sturm für einige Zeit keine Tankstellen funktionieren würden.
  • Reservebatterien für Taschenlampen sollten vorhanden sein.
  • Wer gewohnt sei, sein Haus durch die Garage zu betreten, sollte vorsichtshalber den Schlüssel für die Tür einstecken, falls das Garagentor ohne Strom nicht funktionieren würde.
  • Kühlschränke und Tiefkühler immer nur ganz kurz öffnen.
  • Unnötige Geräte wie Computer und Fernseher vom Strom trennen, damit sie nicht beim Wiedereinschalten der Stromversorgung zu schnell zu viel Verbrauch verursachen.
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    Und, besonders interessant aus europäischer Sicht:

  • Wenn es kalt ist – warm anziehen.

Während manche Medien besonders hohe Zahlen veröffentlichen und Alarm schlagen, machen sich andere über die Sorge vor Stromausfällen lustig.

Ganz offensichtlich rechnete man nicht ernsthaft damit, dass der Strom für mehr als nur Stunden ausbleibt, trotz gelegentlicher Warnungen vor möglichen Stromausfällen für eine ganze Woche. Die Betreiber versuchen jeweils so schnell wie möglich die Stromversorgung wieder herzustellen und haben dafür eigens Notfallpläne und zusätzliche Einsatzkräfte aktiviert. Pepco und Baltimore Gas & Electric etwa halten jeweils 3.000 bis 3.600 Arbeiter aus anderen Bundesstaaten bereit.

Der Tag nach Sandy zeigte allerdings, dass die Zeit ohne Strom für viele Haushalte doch in Tagen statt in Stunden gerechnet werden muss.

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