Der konventionelle Anbau von Energiepflanzen, in der Regel als Mais-Monokultur, trägt nicht zum Klimaschutz bei, sondern verstärkt den Treibhauseffekt noch. Durch die intensive Düngung der Böden entsteht durch Abbau der…

Der konventionelle Anbau von Energiepflanzen, in der Regel als Mais-Monokultur, trägt nicht zum Klimaschutz bei, sondern verstärkt den Treibhauseffekt noch. Durch die intensive Düngung der Böden entsteht durch Abbau der Stickstoffdünger Lachgas (Distickstoffmonoxid N2O), welches eine 300 fach stärkere Wirkung in der Atmosphäre hat, als das Klimagas CO2. Bereits beim Anbau der Energiepflanzen wird also das Klima mehr geschädigt, als am Ende, durch die Nutzung des aus der Pflanze erzeugten Biogases, verbessert werden soll.

 

Nur mit ökologischem Landbau kann wirklich Klimaschutz entstehen

 

Abgesehen davon, dass die konventionelle Landwirtschaft, mit der intensiven Verwendung von Stickstoffdüngern einen wesentlichen Beitrag zu der Klimaschädigung leistet, sollte bei dem Versuch, Klimaschädigende Stoffe zu vermeiden, beim Energiepflanzenanbau, also dem Ersatz fossiler Brennstoffe, auf eine Düngung mit Stickstoff verzichtet werden. Das allerdings ist bei einem ausschließlichen Anbau von Monokulturen, zum Beispiel Mais, nicht möglich. Dem Boden müssen Nährstoffe gezielt wieder zugeführt werden. Der an der Uni Kassel/Witzenhausen entwickelte Zweikultur- / Zweitkulturanbau hingegen verzichtet vollständig auf eine künstliche Bodendüngung. Dies kann geschehen, weil nach der Ernte der Boden nicht umgepflügt wird, sondern die Folgefrucht in die Stoppeln direkt eingesät wird. Alle Nährstoffe bleiben im Boden, der damit nicht erodieren kann. Außerdem entfallen mehrere Arbeitsgänge mit Maschineneinsatz, die ebenfalls die Klimabilanz negativ beeinflussen würden. Es wird nicht gepflügt, geeggt, gedüngt oder gesprüht.

 

Insektizide, Pestizide sind völlig überflüssig

 

Das ökologische Zweikultursystem geht davon aus, dass zur Fermentation möglichst viel Biomasse benötigt wird und nicht eine besondere Frucht. Es darf auf dem Energiepflanzenacker alles wachsen, was wachsen möchte, da es zu der Menge an Biomasse beiträgt. Die Düngung erfolgt mit den Nährstoffen aus der Biogasgewinnung, so dass jede weitere Nährstoffzufuhr überflüssig ist. Durch die Vielzahl an Pflanzen, von der eingebrachten Saat bis zu allen mit wachsenden Wildkräutern wird der Boden intensiv durchwurzelt und bewohnt, statt ausgehungert. Auf den Felder dieses ökologischen Energiepflanzenanbaus  wachsen dann neben den eingesäten Früchten, zum Bespiel im Winter Triticale, Weizen und Roggen munter auch Mohn. Nach der Ernte in Mai oder Juni werden gleichzeitig Mais und Sonneblumen eingesät. Diese Ernte erfolgt im Oktober. Der Fermenter der Biogasanlage wird dann auch nicht einseitig ernährt, sondern beherbergt schließlich eine Vielzahl von Bakterien, die wohlgenährt eine größere Menge des erwünschten Methans erzeugen, als die einseitig gefütterten Maisverdauer. Der Ertrag an Biomasse je Hektar ist natürlich in der Summe ebenfalls höher, bei guten Lagen, oder nach einigen Jahren der Bodenerholung, etwa um das Doppelte.

 

Höhere Wirtschaftlichkeit durch nachhaltigen Anbau

 

Der wirtschaftliche Vergleich wurde bereits von zahlreichen Instituten und Bauernverbänden angestellt. Bei diesen wurde das Zweikultursystem allerdings konventionell, also mit der entsprechenden Bodenbearbeitung und dem üblichen Chemieeinsatz mit einer üblichen Monokultur (Triticale oder Mais) verglichen. Bei diesem Ansatz ist natürlich der Aufwand, berechnet auf die erzeugte Kilowattstunde Strom, etwas höher. Die größere Menge an Biomasse wird wieder relativiert, durch den erhöhten Maschineneinsatz und die Menge an Chemie infolge der doppelten Aussaat und Bearbeitung. Vergleicht man aber den nachhaltigen, ökologischen Anbau, fallen all diese Kosten weg und der Unterschied zu der konventionellen Monokultur wird immens. Besonders überzeugend wird dieser alternative Weg, wenn bisher degradierte Flächen, also Böden, die vollständig aus der Nutzung genommen wurden herangezogen werden. Diese besonders Nährstoffarmen Äcker werden nach und nach durch diese ökologische Bearbeitung regeneriert, erhalten eine gut durchwurzelte Humusschicht, die auf konventionelle Art nicht mehr erzeugt werden kann.

 

Pflanzenauswahl nach Bodenbeschaffenheit und Lage

 

Besonders interessant ist dieses ökologische Verfahren, weil ja nicht für eine spezifische Frucht der optimale Boden, die beste Lage gesucht werden muss. Hier wird der vorhandene Boden, die vorhandene Lage als Ausgangspunkt genommen, aus einer Fülle von möglichen Pflanzen die optimale Kombination zu wählen. Dr. Marianne Karpenstein – Machan (Uni Kassel/Witzenhausen und IZNE Göttingen) arbeitet dazu mit den Landwirten gemeinsam ein Konzept aus, dass auch nach mehreren Ernten überprüft und weiter entwickelt wird. So kann für jede Situation eine optimale Lösung gefunden werden, mit einem bunten Mix an Pflanzen und Feldfrüchten. Wenn dann noch das Scheffer – Konzept bei der Nutzung der geernteten Biomasse angewandt wird, es also nicht unbedingt auf einen hohen Anteil an Trockenmasse ankommt, da die geernteten Pflanzen ausgepresst werden und nur der Presssaft in den Fermenter kommt, ist die Variationsbreite noch größer. Im Idealfall wird dann die Biomasse ohnehin nur als Ergänzungsernährung (oder Nahrungsergänzung) in den Fermentationsprozess eingebracht, zusätzlich zu einer Vielzahl von Reststoffen.

 

Klimaschutz geht also nur mit ökologischem Landbau

 

Die Klima schädigenden Lachgasemissionen fallen natürlich bei unserer konventionellen Landwirtschaft, mit ihrem intensiven Einsatz von Stickstoffdüngern ständig an. Die Landwirtschaft trägt so zu etwa einem Drittel zu der Klimaveränderung bei. Eine Umstellung auf ökologischen Landbau würde diesen Anteil einfach eliminieren. Die ökologisch angebauten Energiepflanzen tragen dann zusätzlich zu einer Verringerung der Treibhausgasmenge bei, wenn aus dem erzeugten Biogas Wärme und Strom erzeugt werden, unter Substitution fossiler Brennstoffe. Erstaunlich ist natürlich, dass trotz dieser Umstände der ökologische Landbau und der ökologische Anbau von Energiepflanzen so wenig gefördert werden, dass es den Landwirten überlassen wird, welchen Weg sie wählen. Zahllose Vorträge vor deutschen Landwirtschaftskammern und Bauernverbänden haben gezeigt, dass hier das Wissen um diese Zusammenhänge fehlt und das Beharrungsvermögen in althergebrachte Verfahren – die nicht einmal so alt sind – enorm ist. Besonders der Einfluss der Agrarindustrie mit ihren bunten, blumigen Versprechungen ist erschreckend, da diese nur die eigenen Interessen vertreten, die einer nachhaltigen Landwirtschaft aber absolut entgegenstehen.

 

Abbildung: Zweikultursystem für das Bioenergiedorf Jühnde (IZNE Uni Göttingen).

 

 

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