Wie wir im Malspiel durch begleitetes Malen unsere Gedankenmuster befreien können.

Der Malort bzw. das Malspiel wurde von Arno Stern entwickelt, um es Menschen jeden Alters zu ermöglichen, die Freude am Spielen und am Malen, und dadurch sich selbst zu entdecken. Das regelmäßige freie Malen erlaubt es uns, festgefahrene Denkmuster im Gehirn aufzulösen, und wieder frei zu denken.

Geschichte des Malspiels

Die Idee des Malspiels entstand bereits 1946, als Arno Stern in einem Heim für Kriegswaisen in der Nähe von Paris die Kinder beschäftigen sollte. Er ließ sie malen, und bemerkte bald, wie wichtig dieses Spiel war. Es war vor allem wichtig, dass die richtigen Bedingungen vorhanden waren. Daraus entstand der Malort, der noch heute in der gleichen Form genutzt wird. Er besteht ganz schlicht aus schützenden Wänden für die Blätter, einem Palettentisch für die Farben und einem Malspiel-Dienenden. Sonst nichts.

Die ausgewählten Farben ermöglichen ein gutes, einfaches Nutzen, ohne vom Wesentlichen abzulenken. – Photocreidt: mal-spiel.at/Julia Nora Masari

Ablauf des Malspiels

Im Kern ist das Malspiel sehr simpel. Am Malort malen maximal 15Personen gleichzeitig, jeweils am eigenen Bild. Dabei ist es mit einem einzigen Besuch natürlich nicht getan. Es geht um den Prozess, regelmäßig, etwa einmal in der Woche, zum Malort zu kommen. Die Bilder bleiben für immer im Malort. Dadurch werden wir nicht dazu verleitet, etwas „besonders schönes“ zu malen, das wir danach herzeigen können. Darum geht es beim Malspiel schließlich nicht. Es geht viel mehr darum, die Freude am Malen zu entdecken.

Festgefahrene Denkmuster auflösen

Die allgemeine Meinung ist, dass wir etwas betrachten, und dann nachmalen, und dass wir Kindern erst die richtige Art und Weise beibringen müssen, damit sie dieser Betrachtung besser Ausdruck verleihen können. Der Malort zeigt jedoch dass es organische Erinnerungen gibt. Diese führen dazu, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Formen malen, wenn sie diesen sicheren Raum bekommen.

Wir lernen, dass es darum geht, etwas was wir sehen abzumalen. Was aber, wenn es beim freien Malen darum geht, etwas zu schaffen, das aus uns heraus kommt? – Photocredit: pixabay.com/Counselling

Der Malort-Dienende, und somit der Malort selbst sind vorbildfrei, kommentarlos und erwartungsfrei. Dadurch finden wir unseren verloren gegangenen Anfang zurück. Dies führt uns zu uns selbst, und somit zu einer tiefen inneren Erfüllung.

Der Unterschied zu Kunst

Die Kunst hat immer eine vermittelnde Rolle gespielt. Im Gegensatz dazu ist die Formulation, wie es Arno Stern nennt, jedoch eine universelle Art des Ausdrucks aller Menschen. Im Malort ist das Malen daher keine Kunst, sondern dient vor allem der Freude, und das ist ein neuer Ansatz.

Im Malort sind wir nicht abgelenkt, sondern können uns auf uns selbst konzentrieren. Dies ermöglicht einen ganz persönlichen Selbstausdruck.

Kinder und Erwachsene jeden Alters können in den Malort kommen und malen. – Photocredit: mal-spiel.at/Julia Nora Masari

Die Rolle des Malspiel-Dienenden

Diesen ganz speziellen Prozess des Malens können wir nicht einfach so unbedarft ausführen. Es ist wesentlich, dass der Malspiel-Dienende, wie es der Name schon vermuten lässt, in eine dienende Rolle eintritt. Der Dienende vermittelt kein Wissen. Es braucht eine Haltung der Wachsamkeit, keine Beurteilung, und viel Hingabe. Dies können wir laut Arno Stern in einer zehntägigen Ausbildung erlernen.

Im Malspiel geht es um das spielerische Entdecken. – Photocredit: mal-spiel.at/Julia Nora Masari

Forschungsinstitut für Ausdruckssemiologie

Aus den jahrzehntelangen Beobachtungen der Entwicklungen im Malort entstand die Forschung rund um das neue wissenschaftliche Feld der Ausdruckssemiologie. Hier liefern sämtliches Bildmaterial aus 50 Jahren Malspiel die Grundlage für die Forschung. Sie beinhaltet außerdem Bilder von diversen Völkern aus vielen unterschiedlichen Gegenden der Erde, die eine starke Ähnlichkeit des Malens aufzeigen, egal woher sie stammen.

Fazit

Das Malspiel hat mich seit ich durch den Film Alphabet vor Jahren das erste Mal davon gehört hatte, sofort fasziniert. Es wirkt zunächst wie eine Art Kunsttherapie, geht dann aber nochmal darüber hinaus. Was male ich, wenn niemand meine Bilder sieht? Dies lässt sich weiterspinnen zur Frage: was mache ich in meinem Leben, wenn ich nicht be- oder verurteilt werde für meine Wünsche oder mein Sein?

Das Malspiel kann also die Tore dafür öffnen, dass wir unsere eigenen inneren Einschränkungen ablegen. Vor allem auch all diejenigen, die wir gar nicht wussten, dass wir sie haben.

Quellen

arnostern.com
youtube.com: Interview Arno (und André) Stern: wie man Kinderbilder nicht betrachten soll
youtube.com: Arno Stern über das Malspiel, Kunsterziehung und die Gefahren für die Spielfähigkeit unserer Kinder
mal-spiel.at
malort.at