Das Problem mit dem Textilmüll. Fotocredit: Photo by Lance Grandahl on Unsplash
Das Problem mit dem Textilmüll. Fotocredit: Photo by Lance Grandahl on Unsplash
Die Fast Fashion Industrie ist eine der umweltschädlichsten Industrien überhaupt. Sie verschmutzt die Umwelt durch Chemikalien, lässt viele der ArbeiterInnen unter unhaltbaren Bedingungen schuften und verursacht nicht zuletzt Tonnen an Abfall.

Allein in Österreich landen 62.446 t Textilmüll pro Jahr im Abfall. Auch, wenn wir bei Zero Waste in erster Instanz an Lebensmittel, den Plastik-Strohhalm und den Jutebeutel denken, spielt Kleidung eine enorme Rolle bei unserer Müllproduktion. Aber wie entsteht überhaupt so viel Textilmüll, wie lässt er sich vermeiden und was hat das Ganze mit Fast Fashion zu tun? 

Die Fast Fashion Industrie und der Textilmüll 

Fast Fashion, also die schnelle Kleidung, ist darauf ausgelegt, in kürzester Zeit viele Kollektionen möglichst billig auf den Markt zu bringen. Bei manchen Modeketten sprechen wir hier von einer Kollektion pro Woche also bis zu 52 Kollektionen im Jahr. Billiger Verkauf heißt nicht nur billige Produktion. Es suggeriert auch, dass ein Kleidungsstück einfach keinen Wert mehr hat. 

Durch die sich schnell ändernden Trends und daraus entstehenden Kollektionen, sind wir als VerbraucherInnen ebenso schnell nicht mehr up-to-date. Das nächste neue Teil muss her, um in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer noch instagrammable zu sein. Das neue Shirt kostet eh nur 3 €. Also ist es doch auch egal, ob ich es nach 4 Mal Tragen in die Tonne werfe oder, ob es nach 5 Mal waschen in seine Einzelteile zerfällt.

Dabei geht die billige Produktion nicht nur auf Kosten der Qualität und der Langlebigkeit der Kleidung, sondern auch auf Kosten der Umwelt. So landen pro Kopf in Österreich etwa 7 kg Kleidung im Abfall. Aber was ist denn jetzt das Problem mit dem Textilmüll? Wird nicht eh alles recycelt oder kommt in den Altkleider-Container und so karitativen Einrichtungen zugute?  

Das Problem mit dem Textilmüll

Wir ÖsterreicherInnen liegen mit unseren 7 kg Kleidungsmüll pro Kopf pro Jahr im oberen Mittelfeld. Belgien führt die Liste mit 14,8 kg Textilmüll im EU-Vergleich an. Trotzdem ist jedes Kilo ein Kilo zu viel. Bei jedem produzierten Teil, das ungenutzt bei uns im Schrank hängt oder nur eine Woche getragen wird, werden Ressourcen quasi für die Tonne verbraucht. Ähnlich wie bei der Lebensmittelverschwendung ist das ethisch einfach untragbar.  

Hinzu kommt, dass der Großteil der Kleidung eben nicht wiederverwendet beziehungsweise recycelt wird: „Von den 7 kg Textilabfall, die jeder Österreicher im Jahr produziert, werden – basierend auf EU-Durchschnittswerten – 0,7 kg recycelt und 0,6 kg unbehandelt wiederverwendet. Darüber hinaus werden pro Person jährlich 1,7 kg Textilien verbrannt und 4 kg werden auf den Deponien entsorgt,“ so eine Studie des nachhaltigen Fashionables LABFRESH. Die Verbrennung von gesamtem Kollektionen ist übrigens zum Teil schon ein Problem, bevor die Teile überhaupt im Laden hängen. 

Dass ein Teil unserer Altkleider-Spenden karitativen Einrichtungen zugutekommt, stimmt. Die Betonung liegt hier allerdings auf „ein Teil“, denn über die Hälfte wird ins Ausland verschifft. Durch die Überschwemmung anderer Länder mit unseren Kleiderspenden, brechen dann lokale Textilindustrien, wie zum Beispiel in Südafrika, zusammen. 

Darüberhinaus führt die Fast Fashion Industrie aber nicht nur dazu, dass wir wahnsinnig viel Textilmüll produzieren. Gleichzeitig ist die schnelle Bekleidungsbranche nicht nur ein echter Klimakiller, sondern auch ein echter Ausbeuter. 

Das Problem mit der Fast Fashion Industrie

Wie bei vielen Industrien, sind auch die Problematiken der Fast Fashion Industrie teils so vielfältig und komplex, weil ineinander verworren, dass im Folgenden zusätzlich zur Textilmüll-Problematik, nur die Arbeitsbedingungen und die Umweltbelastung beleuchtet werden. Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet am Ende des Artikels eine kleine Linkssammlung mit weiterführenden Informationen. Hier möchte ich besonders die Dokumentation „The True Cost“ ans Herz legen, die nicht nur auf die vielfältigen Missstände aufmerksam macht, sondern auch nochmal eindrucksvoll zeigt, warum eine Fashion Revolution mehr als notwendig ist. Aber beginnen wir mit den Faktoren Arbeitsbedingungen und Umweltbelastung: 

Es sind hauptsächlich Frauen zwischen 18 und 35 Jahren, die in den Textilfabriken für den globalen Markt arbeiten — meist unter unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Dazu gehören verbaler, wie physischer Missbrauch, ein lachhafter Lohn, von dem die ArbeiterInnen nicht mal ihre Grundbedürfnisse zahlen können, so wie viel zu viele Arbeitsstunden und das Arbeiten unter gefährlichen Bedingungen in dreckigen Fabriken. Auch Kinderarbeit ist nach wie vor ein Thema in der Fast Fashion Industrie. 

  • Die Umweltbelastung durch die Fast Fashion Industrie 

Hast Du mal darüber nachgedacht, woraus Dein Shirt eigentlich besteht?
In vielen Fast Fashion Kleidungsstücken finden sich Kunstfasern, z.B. Polyester in Sportkleidung. Diese Kunstfasern werden aus Erdöl gewonnen und die Erdöl-Gewinnung geht zu Lasten der Umwelt.

Bleibt die Modeindustrie auf dem Chemie-Faser Kurs, kann sich der Verbrauch bis 2050 auf 300 Millionen Tonnen Erdöl erhöhen und würde so bis 2050 für 26 % des menschlichen CO2 Ausschusses verantwortlich sein, so eine Studie der Ellen McArthur Foundation. Aber schon jetzt ist der CO2 Ausstoß erschreckend: Zurzeit verursacht die Modeindustrie 10 % und somit mehr als alle internationalen Flüge und Seeschifffahrten zusammen (5 %).“

Aber nicht nur die Herstellung von Kunstfasern ist ein Problem. Auch das Waschen dieser Fasern führt zu Umweltschäden: “Eine mit 2,8 kg Polyester gefüllte Waschmaschine gibt pro Waschgang rund 460.000 Kunststoffpartikel ab, wonach in Österreich hochgerechnet pro Jahr rund 21 Tonnen Mikroplastik ins Abwasser gelangen,“ so Global2000.

Textilien aus herkömmlicher Baumwolle sind auch nicht besser. Zwar bestehen sie aus einem nachwachsenden Rohstoff, allerdings werden beim Anbau von herkömmlicher Baumwolle extrem viele Pestizide eingesetzt. Auch das schadet nicht nur dem Boden, sondern auch uns. Die Haut ist das größte Organ und natürlich nehmen wir die Schadstoffe beim Tragen der Kleidung mit der Haut auf. 

Wie kann ich Textilmüll vermeiden?

Textilmüll vermeiden durch Upcycling. Fotocredit: Lorraine Wenzel
Textilmüll vermeiden durch Upcycling. Fotocredit: Lorraine Wenzel

Jede/r von uns ist natürlich gerne schick angezogen. Kleidung ist ein Ausdruck der Persönlichkeit und der Individualität und darauf muss auch niemand verzichten, selbst wenn man weder die Fast Fashion Branche unterstützen, noch Textilmüll produzieren möchte. Mit ein paar einfachen Tipps, funktioniert ein nachhaltiger Umgang mit Mode ganz leicht: 

  1. Second Hand First
    Second Hand Kleidung schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Ressourcen: Die Kleidung ist schon im Umlauf und muss nicht erst produziert werden. Second Hand Läden, Flohmärkte oder Apps wie willhaben oder Kleiderkreisel bieten mittlerweile eine riesige Auswahl. 
  2. Wenn neu, dann fair
    Bei Unterwäsche oder Strumpfhosen möchte man vielleicht nicht auf Second Hand zurückgreifen. Alternativ sucht man ein bestimmtes Teil und findet es nicht Second Hand. Dann gilt: Wenn neu, dann fair und möglichst lokal produziert. Unter anderem bei Utopia gibt es eine gute Übersicht zu fairen Modelabels. Gerade in Wien ist die Auswahl an lokal produzierten und fairen DesignerInnen wirklich groß. 
  3. Tausch Dich glücklich
    Ob mit MitbewohnerInnen, Freunden oder Familie – eigentlich hat immer jemand etwas über, das man nicht mehr will, dem anderen aber total gut gefällt.
    Alternativ nimmt man einem Tauschmarkt teil. Hier kann man seine ungeliebte Kleidung mitnehmen und gegen andere Stücke eintauschen — entweder kostenlos oder gegen eine kleine Tauschgebühr.
  4. Upcycling
    Manchmal reicht es, die alten Teile einfach ein bisschen abzuändern. YouTube oder Instagram bieten jede Menge Inspiration, wie man aus alten Klamotten neue herstellen kann – auch ohne, dass man eine Nähmaschine hat oder auch nur einen Knopf annähen kann. Wenn das alte Teil wirklich nichts mehr ist, findet man online viele Upcycling-Ideen, um die Klamotten komplett umzufunktionieren. Aus alten Socken kann man zum Beispiel Duftsäckchen herstellen.
  5. Meide Fast Fashion Stores
    Dieser Tipp ist einer der essentiellsten für mich. Betrete ich erstmal einen Fast Fashion Store, bin ich restlos verloren – trotz meines Wissens und meiner Prinzipien. Es kostet mich all meine Willenskraft, mir nicht eins der Teile zu kaufen. Deswegen meide ich solche Geschäfte einfach. Prävention ist hier das Schlüsselwort.
  6. Brauch ich das wirklich?
    Ob Second Hand oder fair: Die Frage, die man sich immer zuerst stellen sollte ist: „Brauche ich das wirklich?“ Oft tendieren wir dazu, uns das hundertste schwarze Shirt zu kaufen, das man eh schon zig Mal im Schrank hat. Deswegen gilt, sich als Erstes darüber Gedanken zu machen, ob man das neue Kleidungsstück tatsächlich unbedingt braucht oder, ob es vielleicht reicht, seine alte Kleidung neu zu kombinieren oder upzucylen.

Wir leben in keiner perfekten Zero Waste Welt und somit auch in keiner perfekten Fair Fashion Welt. Gerade die Umgewöhnung kostet Zeit und die sollte man sich auch geben. Trotzdem kann man Schritt für Schritt alte Konsum-Muster ablegen und sich so langsam an einen nachhaltigeren Fashion-Konsum herantasten. Zum Abschluss noch die Liste mit weiterführenden Infos und Links:

  • Die Doku, mit der bei mir das Umdenken angefangen hat: The True Cost. Sie zeigt nicht nur, woher Fast Fashion kommt, sondern auch, welche Schicksale dahinter stehen.
  • Hafer und Vanille sind ein ganz junger Podcast, die einen tollen übersichtlichen Beitrag zur Fashion Revolution Week und deren Hintergründen produziert haben.
  • Auf Fashion Revolution gibt es nicht nur den diesjährigen Index, sondern auch ganz viel weiteres Material rund um die Fashion Revolution (Week).
  • Die 3Sat Doku „Vergiftete Flüsse – Die schmutzigen Geheimnisse der Textilindustrie“ klärt insbesondere über den Zusammenhang zwischen Fast Fashion und Umweltverschmutzung auf. 
  • Fashion Revolution Austria informiert über nachhaltige österreichische Labels und Veranstaltungen.
  • Fair Fashion Guides für Wien gibt es bei Pixi mit Milch, eine gesamte Linkliste bei DariaDaria.

Quellen:

Studie Textilmüll in der EU  LABFRESH 
Andreas Sator – Die andere Seite des Shopping-Wahns: Mein Dilemma mit den Altkleider-Containern 
Fashion Transparency Index 2020
Ellen McArthur Foundation: A New Textile’s Economy: Redesigning Fashion’s Future 
Lorraine Wenzel – Fashion Revolution oder wie kann ich Fast Fashion den Kampf ansagen?