In den reichen Teilen Europas werden deutlich mehr E-Autos verkauft als in den ärmeren Ländern

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den europäischen Automarkt, auf ein Segment negative auf ein anderes positive. Die Verkaufszahlen von PKWs mit Verbrennungsmotor sind seit Beginn der Pandemie zurückgegangen, während die Zahlen für E-Autos nach oben gingen. In Hinblick auf nachhaltige Entwicklung ist die Entwicklung des Automarktes der letzten Monate also durchwegs positiv. Doch leider gilt dies nicht für Gesamt-Europa, sondern nur für die vierzehn reichsten EU-Länder sowie für Norwegen und Großbritannien.

Laut dem Europäischen Automobilherstellerverband (ACEA) sind im ersten Halbjahr die Verkaufszahlen für Autos um 38 Prozent gesunken. Doch wie eingangs bereits gesagt, gilt dies nicht für Elektroautos, hier gingen die Zahlen nach oben. Acht Prozent aller verkauften Neuwägen waren im ersten Halbjahr 2020 E-Fahrzeuge, das ist doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum 2019. Doch 98 Prozent dieser Fahrzeuge wurden in den reichsten Europäischen Ländern verkauft. Dies hat vor allem damit zu tun, dass diese Länder, darunter etwa Deutschland und Frankreich, im Zuge der Corona-Krise spezielle Förderungen vergeben, um den Kauf elektrischer Autos attraktiver zu machen und so dem EU-Klimaziel – Klimaneutralität bis 2050 – näher zu kommen.

Während E-PKWs im Juni in Schweden 26 Prozent und in Deutschland und Frankreich neun Prozent ausmachten, fallen die ärmeren Länder im Süden und Osten weit zurück. In Italien und Spanien beispielsweise liegt der Anteil bei nur drei Prozent und in Polen sogar nur bei einem Prozent. Dies liegt aber nicht daran, dass diese Länder nicht auch Förderungen für elektrische Fahrzeuge vergeben, denn 26 von 27 EU-Ländern haben entsprechende Programme, sondern eher daran wie diese Programme im Detail aussehen. Als Beispiel kann hier Polen angeführt werden, dort gibt es zwar Förderungen für Privatpersonen, die auf Strom statt fossilen Treibstoff umsteigen, doch die absolute Majorität der PKWs wird von Unternehmen angeschafft und die sind leider von den Förderungen ausgeschlossen.

Nun überlegt die Europäische Kommission wie man beim Anteil an E-Fahrzeugen einen Ausgleich zwischen den ärmeren und reicheren EU-Ländern schaffen kann. Eine Idee ist es, die Förderprogramme der einzelnen Länder anzugleichen und diese Förderungen auch zu einem Teil des Corona-Rettungsfonds zu machen, für den 750 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.


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