Das weltweit erste Plus-Energie-Bürohochhaus.

Es wurde mit dem Anspruch errichtet mehr Energie ins Stromnetz zu speisen als für Gebäudebetrieb und Nutzung benötigt wird.

Innovationsminister Alois Stöger eröffnete dieses Haus, welches sich am TU Campus Getreidemarkt befindet, Anfang November. „Für mich als Technologieminister ist es ein besonders schönes Gefühl, wenn die Ergebnisse unserer Forschungsanstrengungen so beeindruckend und greifbar sind wie dieses Haus“, so der Bundesminister. Der gesamte Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmeprozess wurde durch das Forschungsteam der TU Wien und den Bauphysikplanern von Schöberl & Pöll GmbH wissenschaftlich begleitet. Wir haben aus diesem Anlass mit Helmut Schöberl über die Details gesprochen.

Was ist das Plus-Energie-Bürohochhaus?

Plus-Energie-Standard bedeutet, dass mehr Energie am Gebäude erzeugt wird als das Gebäude und die Nutzung selbst verbrauchen. Unter Technikern wird der Plus-Energie-Standard über die Bilanzierung des Primärenergieverbrauchs inkl. aller Bürogeräte, Server, Küchen, Haustechnikkomponenten, Standby-Verbräuche etc. und der Primärenergieerzeugung am Standort über den Zeitraum eines Jahres definiert.

Kernpunkt für die Erreichung des Plus-Energie-Standards war neben einer optimierten Gebäudehülle in Passivhausqualität, die Reduktion des Energieverbrauchs aller stromverbrauchender Komponenten. In Kombination mit der Installation einer Fotovoltaikanlage mit 328 kWp wird in der Primärenergiebilanz eines Jahres mehr Energie erzeugt als verbraucht.

Welche Aufgabengebiete haben Sie im Rahmen des Projektes zu Ihrer Zuständigkeit gezählt?

Zusammen mit dem Forschungsbereich für Bauphysik und Schallschutz der TU Wien waren wir insbesondere für die Erreichung des Plus-Energie-Standards verantwortlich. Dazu zählen Aufgabengebiete wie die bauphysikalische Planung der Gebäudehülle, die energetische Komponentenoptimierung oder die energetische Freigabe von Haustechnischen Anlagen. Aber beispielsweise auch die Gebäudezertifizierung des Plus-Energie-Bürogebäudes der TU Wien wurde von uns abgewickelt.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Eine große Herausforderung im Rahmen der Umsetzung war die extreme Reduktion des Energieverbrauches aller stromverbrauchender Komponenten. Hierfür mussten in intensiver Zusammenarbeit und Abstimmung mit sehr vielen Fachexperten insgesamt über 9.300 Einzelkomponenten untersucht und energetisch optimiert werden.

Wird es noch weitere solche Gebäude geben?

Ein Plus-Energie-Dachgeschossausbau wurde vor kurzem fertiggestellt. Derzeit befindet sie ein Wohnbau mit der Zielsetzung Plus-Energie in der Bauphase. Sogar bis nach China gibt es Gespräche für die Realisierung von Plus-Energie-Gebäuden. Die Umsetzung des Plus-Energie-Standards ist eine zukunftsweisende Bauweise. Insbesondere die Reduktion des Energieverbrauchs der Vielzahl von elektrischen Komponenten eines Gebäudes, oft mit keinen Mehrkosten, wird das Bauen in den nächsten Jahren nachhaltig verändern. Das steigende Bewusstsein über die Vorteile des Plus-Energie-Standard in Form von höchster Energieeffizienz und geringen Lebenszykluskosten wird die Markteinführung und -verbreitung weiter forcieren.

Fotos vom Gebäude: Gisela Erlacher

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