Durch sein hohes Gewicht lädt der Zug seine Akkus auf dem Weg zum Hafen selbst wieder auf und könnte so theoretisch unendlich hin- und herfahren.

Ingenieur:innen in Australien arbeiten an einem „Infinity Train“, einem Elektro-Zug, der mit nur einer Akkuladung unendlich lange fahren kann. Der Zug transportiert Erz von den Minen der Pilbara-Region im Westen Australiens zum Verladehafen an der Küste.

Der regenerierende batterieelektrische Zug kommt ohne Brennstoff aus, stattdessen wird die Gravitationsenergie genutzt. Bei der Fahrt bergab aus den Bergen werden die Systeme vollständig aufgeladen, ohne dass zusätzliche Ladesysteme für die Rückfahrt zum Nachladen erforderlich sind.

Williams Advanced Engineering (WAE) entwickelt diesen Elektro-Zug für das Bergbauunternehmen Fortescue Metals Group (FMG). Die Züge müssen nicht nur die Rückfahrt bergauf schaffen, sondern auch die hohen Lasten des Transports bewältigen können. Bis zu 244 Wagons schaffen die Diesellokomotiven, die bislang im Einsatz waren. In einem Wagon werden bis zu 141 Tonnen Erz geladen.

Die Topografie kommt dem technischen System bei der Bewältigung der Lasten zu Hilfe. Nur mit Energierückgewinnung wäre der Ladevorgang nicht zu schaffen. Der belastete Zug hat viele Bremsmöglichkeiten talabwärts in Richtung Hafen, um die Batterie regenerativ aufzuladen.

Das hohe Gewicht des Eisenerzes in den Wagons kommt dem Zug dabei zusätzlich zugute. Die Züge müssen bergab fast permanent bremsen, um nicht zu schnell zu werden. Nur so kann der Motor als Generator verwendet werden, um die Akkus wieder aufzuladen.

Nach dem Entladen im Hafen ist der Zug dann so leicht, dass der Akku genug Strom hat, um die Strecke bergauf zur Mine zu schaffen – ohne zusätzliche Ladeinfrastruktur. Durch die Gravitationskraft kann der Zug also mehr Strom gewinnen als auf dem Weg zurück bergauf verbraucht wird. Theoretisch kann der Zug also unendlich lange hin und her fahren, deshalb der Name „Infinity Train“. Der zusätzlich erzeugte Strom soll künftig in das Stromnetz des Bergbauunternehmens eingespeist werden.

Laut FMG will man die Diesellokomotiven vollständig durch Elektrozüge ersetzen. Die aktuelle Flotte umfasst insgesamt 16 Zuggarnituren, die jeweils fast zwei Meilen lang sind und eine Kapazität von jeweils über 34.000 Tonnen haben. Die Züge machen 11 Prozent der gesamten direkten Emissionen von Fortescue aus.


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Bild: Fortescue Metals Group