Ulrike Göbl schreibt für Energieleben.at eine zweiwöchentliche Kolumne zum Thema nachhaltige Ernährung. In diesem Artikel schreibt die Bloggerin über den gesundheitlichen Nutzen von Sojaprodukten und die Wirkung der enthaltenen Phytohormone.

Soja- und Sojaprodukte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, nicht nur in der vegetarischen Küche. Das Angebot an Sojaprodukten in Supermarkt und Reformhaus ist groß. Auch ist die kleine Bohne allgegenwärtig in Zeitschriften, Internet und Gesundheitsnews. Insbesondere ganz bestimmte Inhaltsstoffe dieser Hülsenfrucht tauchen immer wieder auf: Die Isoflavone. Diesen sogenannten Phytoöstrogenen werden häufig gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Wissenschaftlich werden diese jedoch zum Teil kontrovers diskutiert.

Sojabohnen und daraus hergestellte Produkte, wie beispielsweise Tofu, stellen nicht nur eine gute Proteinquelle dar, sondern sind im Vergleich zu tierischen Produkten arm an gesättigten und reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Soja und Sojaprodukte sind außerdem cholesterinfrei und enthalten eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe wie beispielsweise das Phytoöstrogen Isoflavon.

Phytohormone sind in Pflanzen vorkommende Botenstoffe, die das Wachstum und die Entwicklung der Pflanzen steuern. Den Isoflavonen werden vielseitige positive Wirkungen zugesprochen, beispielsweise die Senkung des Risikos hormonbezogener Krebsarten, die Verminderung von Infektionen, Schutz vor Radikalen, Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes, Stärkung der Widerstandskraft, Entzündungshemmung, Senkung des Cholesterinspiegels sowie Beeinflussung von Blutdruck und Blutglucose.

Die Isoflavone aus Soja wurden besonders oft näher untersucht, da Asiatinnen, die deutlich mehr Soja verzehren als Europäerinnen, nur zu zehn Prozent an Hitzewallungen leiden, bei Europäerinnen sind es 80 Prozent. Asiatinnen haben außerdem ein um etwa 25 Prozent verringertes Risiko an Brustkrebs zu sterben, als Frauen vergleichbaren Alterns und Körperzustandes. Phytoöstrogene besitzen auch die Fähigkeit, ähnliche Effekte wie körpereigene Östrogene auszulösen, so zum Beispiel das Osteoporose-Risiko zu senken. Daher gelten Isoflavone auch als risikoarme Alternative zur Hormontherapie in den Wechseljahren.

Die Phytohormone werden aber auch kritisch gesehen. Manche Stimmen behaupten sogar, dass sie eben nicht über die genannten positiven Wirkungen verfügen, sondern eher schädliche Folgen haben. Hintergrund dieser negativen Berichte sind fast ausschließlich Studien mit isolierten Isoflavonen in Konzentrationen, die beim üblichen Verzehr mit Sojaprodukten nicht erreicht werden. Beim Einsatz von isolierten Präparaten kann es zu Überdosierungen kommen, besonders wenn sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren eingenommen werden. Die Wirkung der Phytoöstrogene ist nämlich 100-1000-fach schwächer als die des menschlichen Östrogens, wodurch die Dosierungen in solchen Präparaten dementsprechend hoch sein müssen. Die Ergebnisse bestätigen hier einmal mehr die Einsicht von Paracelsus: Substanzen, die in geringen Konzentrationen zu positiven Ergebnissen führen, können in hohen Mengen Probleme verursachen. Das trifft ja nicht nur für Phytohormone zu, sondern auch für die meisten Vitamine und Mineralstoffe. (Es gibt allerdings Hinweise, dass Soja-basierte Säuglingsnahrung später häufiger zu Allergien und Menstruationsproblemen führt als Kuhmilch-basierte Nahrung!)

Die üblichen Mengen an Phytohormonen, die mit der Nahrung aufgenommen werden sind also nach allen Erkenntnissen eher positiv zu bewerten – wir können also getrost weiter unseren Tofu essen!

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform.

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