Die Euphorie um eine Fracking-Ölbonanza in Kalifornien hat einen herben Rückschlag erhalten. Die US-Energiebehörde EIA hat die Schätzungen für das Fördergebiet Monterey um 96% nach unten korrigiert. Der Industrie entgehen Gewinne in Billionenhöhe.

Der amerikanische Energie-Traum sieht im Jahr 2030 eine vollständige Unabhängigkeit voraus. Basis für die Hoffnung ist die Förderung von Öl aus Schiefergestein, Teersand oder aus der Tiefsee. Mit unkonventionellen Methoden wie dem viel diskutierten Fracking hat die US-Ölindustrie ein beispielloses Comeback erlebt. Im Jahr 2005 kauften die US-Amerikaner 60 Prozent ihres Öls auf dem Weltmarkt ein, heute sind es nur noch 40 Prozent. Alleine im Zeitraum von 2005 bis 2013 stieg die jährlich Ölproduktion in den USA von 1,8 auf 2,7 Milliarden Fass.

Falsche Schätzungen

Der Fracking-Boom gerät nun aber offenbar an seine Grenzen. Das Feld Monterey sollte 2,8 Millionen Arbeitsplätze und 24,6 Milliarden US-Dollar Steuereinnahmen bringen, rechnete die L. A. Times vor. Bei diesen Daten handelte es sich allerdings um Schätzungen der Investoren, die die Energiebehörde ohne Überprüfung übernommen hatte. Eine kritische Neubewertung vonseiten der EIA ergab, dass lediglich vier Prozent des vorhandenen Öls als technisch förderbar zu bewerten ist: Statt ursprünglich erwarteten 13,6 Milliarden können nur 0,6 Milliarden Fass erwartet werden. Eine Studie des Geologen J. David Hughes, die bereits 2013 zu ähnlichen Ergebnisse führte, war ignoriert worden.

Säure in den Boden

Auch mit den aktuellen Fracking-Methoden ist es nicht möglich das Öl von Monterey zu Tage zu fördern. Normalerweise werden dabei Wasser, Chemikalien und Sand in den Boden gepumpt, woraufhin sich die Gesteinszwischenräume öffnen und das Öl (oder Gas) entweichen kann. Das Problem dabei sind die Gesteinsformationen in Kalifornien. In dem tektonischen Hotspot sind die Gesteinsschichten verschoben und nicht eben, wie in anderen Gebieten. Zuletzt hatten Förderunternehmen sogar versucht, gleich das gesamte Gestein mit Säure zu verflüssigen, um an Öl zu gelangen – vergeblich.

Kein Fracking vor der eigenen Haustüre

Gesundheits- und Umweltgefahren müssen der Euphorie weichen, so scheint es. Das gilt aber nur so weit die Privatinteressen der handelnden Personen nicht berührt werden. Exxon Mobil ist eines der Unternehmen, die groß ins Geschäft mit Schiefergas eingestiegen sind. Fracking in der Nähe seines Wohnhauses will Konzernchef Rex Tillerson aber nicht haben. Mit den befürchteten Gefahren für das Grundwasser sollen seine Bedenken nichts zu tun haben. Er fürchte lediglich um den Wert seines Grundstücks aufgrund der Lärmbelästigung und der Gefahren durch Lastwagen, die die Errichtung eines Wasserturms für die Förderunternehmen mit sich bringe.

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