Abfallvermeidung und die Zero Waste Bewegung Fotocredit: Jasmin Sessler on Unsplash
Abfallvermeidung und die Zero Waste Bewegung Fotocredit: Jasmin Sessler on Unsplash
Kein Einwegplastik mehr, stattdessen einkaufen im Glas und immer ein Stoffsackerl dabei, so sieht die moderne Abfallvermeidung aus. Aber was bringt die Zero Waste Bewegung wirklich? Kann man die Welt retten, wenn man weniger Abfall macht? 

Die Abfallsituation in Österreich 

Bevor wir mit der Weltrettung beginnen, starten wir mit ein paar Zahlen. Denn das Problem in westlichen Ländern wie Österreich ist, dass wir oft gar nicht mitbekommen, wie viel Abfall bei uns eigentlich gemacht wird. Das liegt daran, dass wir einfach ein gutes Abfall-Beseitigungssystem haben: Ein Großteil unseres Mülls wird recycelt, verbrannt oder eben deponiert. Wenn nicht überall Müll auf der Straße liegt, kann es doch auch nicht so dramatisch sein, oder? 

Laut Global 2000 gab es in Österreich im Jahr 2016 ein jährliches Abfallaufkommen von 62 Millionen Tonnen. Von diesen 62 Millionen Tonnen sind 1,4 Millionen Tonnen Hausmüll. Der Rest verteilt sich dann unter anderem auf Industrien. 

Pro Kopf sind das im Jahr 564 kg Hausmüll und die Tendenz war in den letzten Jahren steigend. Um diese Zahl in den Vergleich zu setzen: Am wenigsten Abfall machen Länder wie Rumänien, Estland und Polen mit unter 300 kg. Am oberen Rand bewegen sich Deutschland oder Zypern, die an der oberen 600 kg Marke kratzen. 

Das heißt also, wir machen schon ordentlich viel Müll. Dass und wie man ihn reduzieren kann, zeigt die Zero Waste Bewegung. Aber…bringt das eigentlich was?

Abfallsituation in Österreich Fotocredit: Paweł Czerwiński on Unsplash
Abfallsituation in Österreich Fotocredit: Paweł Czerwiński on Unsplash

Die Ökobilanz und der ökologische Fußabdruck 

Um zu schauen, wie stark sich Abfallvermeidung auf das eigene nachhaltige Leben auswirkt, muss man sich zum einen die Ökobilanz und damit zusammenhängend den ökologischen Fußabdruck anschauen. 

Die Ökobilanz ist ein Verfahren, um umweltrelevante Vorgänge zu erfassen und zu bewerten. Quasi eine Messung, die zeigt, ob etwas gut oder schädlich für die Umwelt ist. Dabei werden zwei Faktoren berücksichtigt:

  • Bei der medienübergreifenden Betrachtung werden alle relevanten potenziellen Schadwirkungen auf die Umweltmedien Boden, Luft, Wasser angeschaut. Also alles, was außerhalb der eigentlichen Sache passiert.
  • Bei der stoffstromintegrierten Betrachtung werden alle Stoffströme, die mit dem betrachteten System verbunden sind, wie Rohstoffeinsätze und Emissionen aus Ver- und Entsorgungsprozessen, berücksichtigt. Also alles, was während der Sache passiert – zum Beispiel bei der Produktion von bestimmten Materialien. 

Mit der Ökobilanz können also unter anderem Unternehmen entscheiden, wie ökologisch Stoff-, Energie- oder Güterflüsse sind und sich daran orientieren. 

Der ökologische Fußabdruck wiederum stellt fest, wie viel Platz ein Haushalt oder auch eine Stadt oder ein Land für den aktuellen Lebensstandard verbraucht. Hierbei wird auch die biologische Kapazität des Landes einbezogen. Um den ökologischen Fußabdruck zu berechnen, spielen Ökobilanzen also eine tragende Rolle. 

Laut dem Global Footprint Network betrug der durchschnittliche ökologische Fußabdruck in Deutschland im Jahr 2016 übrigens ungefähr fünf globale Hektar. Hätte jeder Mensch einen fünf Hektar Fußabdruck, bräuchten wir etwa drei Erden statt einer. Können wir also mit Abfallvermeidung unseren ökologischen Fußabdruck so drastisch reduzieren, dass es wirklich etwas bringt? 

Mit Abfallvermeidung die Welt retten 

Mit Abfallvermeidung die Welt retten?  Grafik: Abor Day Foundation
Mit Abfallvermeidung die Welt retten? Grafik: Abor Day Foundation

Um Co2 einzusparen, macht Recycling nicht gerade den größten Faktor aus. Möchte man die Treibhausgas-Emissionen verringern, sind zum Beispiel der Verzicht auf ein Auto oder erneuerbare Energien deutlich effizienter. Ähnliches gilt für die Vermeidung. 

Trotzdem schlägt man bei der Abfallvermeidung viele Klima-Killer-Fliegen mit einer Klappe:

  1. Weniger Ressourcen
    Nicht nur das Wegwerfen und die damit verbundene Entsorgung sind Teil der Abfallvermeidung, sondern auch der Verbrauch von Ressourcen. Verpackungen müssen schließlich erstmal produziert werden. Insbesondere Kunststoffe bestehen zum Beispiel aus Erdöl, dessen Gewinnung oft nicht nur umweltschädlich ist, sondern ganze Ökosysteme zerstört. 
  2. Konsumverhalten
    Mit der Abfallvermeidung kommt oft ein Umdenken beim eigenen Konsumverhalten. Man beginnt bewusster und weniger zu konsumieren und gerade bei Lebensmitteln auf regionale und saisonale Alternativen zu wechseln.
  3. Mehr als Verpackungen 
    Bei der Abfallvermeidung und schließlich der gesamten Zero Waste Bewegung spielt nicht nur Verpackungsmüll eine entscheidende Rolle: Es geht ebenso um Textilmüll oder Lebensmittelverschwendung.  

Wenn man also all diese Faktoren berücksichtigt und die Gesamtheit der Abfallvermeidung begreift, versteht man, dass die Zero Waste Bewegung eine Klimaschutzbewegung ist, bei der sich viele kleine Faktoren addieren und so einen großen Output haben – den jede/r einzelne Schritt für Schritt vorantreiben kann und so der Weltrettung ein kleines Stückchen näher kommt.

Quelle: 
Umweltbundesamt – Ökobilanz 
Controlling Wiki – Ökobilanz
Planet Wissen – Der ökologische Fußabdruck
Global Footprint Network
Utopia – Ökologischer Fußabdruck 
Aborday Foundation