Seit etwa 200 Jahren beherrscht Wissenschaft mehr und mehr das Leben und Denken der Menschen.

Besonders im sogenannten „Westen“, was eigentlich der „Norden“ unseres Planeten ist. Durch die arrogante Haltung der Wissenschaft und ihre einseitige Wahrnehmung ist ihr und mithin allen Menschen, der durch sie beherrschten Gesellschaften ein Blick auf die „Realität“ verwehrt. Infolge ihrer eingeschränkten Realitätswahrnehmung („preanalytic vision“) sind „wissenschaftliche Fachgebiete“ auch nicht kommunikationsfähig, weil sie ausschließlich in ihrem jeweiligen Fach „etablierte“ Stimmen akzeptieren. Um also überhaupt ernsthaft über eine nachhaltige Entwicklung in wissenschaftsdominierten Gesellschaften nachdenken und reden zu können, braucht es neben einer radikalen Wissenschaftskritik so etwas wie eine Wissenschaftsfolgenwissenschaft.

Wissenschaft hat auch in hundert Jahren Forschung kein Wissen geschafft

Dass die Milliarden Euro, die in die Forschung an der Welt größtem Teilchenbeschleuniger (Cern) fließen irgendeine neue oder gar für eine sinnvolle Zukunft wichtige Erkenntnis bringen, ist mehr als fraglich, eher völlig unwahrscheinlich. Bisher haben alle wissenschaftlichen Ergebnisse lediglich Sokrates Erkenntnis bestätigt: „ich weiß, dass ich nichts weiß“. Millionen Jahre alte, in der Regel kollektive Erfahrung wusste bisher stets mehr, als jede Wissenschaft, ob Naturwissenschaft, Medizin, Phsychologie oder eine der inzwischen unzählig anderen. Ein Problem dabei ist, dass Forschung immer mehr, wenn nicht grundsätzlich, im Dienste der „Mächtigen“, heute also des Geldes arbeitet. Naturwissenschaften waren und sind zuerst Militär- also Kriegsforschung und in zweiter Linie im Dienste der Industrie, einer Geschäftsidee. Natürlich auch Medizin und Psychologie. Keine dieser Disziplinen haben sich bisher mit einem nennenswerten Beitrag zu einer sinnvollen Entwicklung der Zukunft hervorgetan, sondern lediglich den Siegeszug der neoliberalen globalen Eroberungszüge der westlichen Wirtschaft bereitet, ohne jede Rücksicht auf Mensch und Umwelt. Der Zustand dieses Planeten hat sich in den letzten Jahrhunderten extrem verschlechtert und eine „lebenswerte“ Zukunft war noch nie so unwahrscheinlich, wie im 21. Jahrhundert.
Agrarwissenschaftler müssen zugeben, dass jahrtausendealte Techniken nachhaltiger und effizienter sind, als ihre „modernen“ Methoden, die sogar Grundlagen der Landwirtschaft zerstört haben. Mediziner müssen erkennen, dass körpereigene Systeme mit Krankheiten viel besser fertig werden, als die meisten ihrer Therapien, die oft die körpereigene Immunabwehr chemisch zerstören.
Psychologen sind damit beschäftigt, Menschen, die immer stärker unter ihrem Leben in Industriegesellschaften leiden, wieder halbwegs „auf die Beine zu stellen“, damit sie erneut im System funktionieren – bis zum nächsten Zusammenbruch. Nie gab es – prozentual – weltweit so viele Suizide, wie im letzten Jahrzehnt.
Die Erkenntnis aller Wissenschaften müsste schon längst sein, dass dieses System den Menschen und der Mitwelt massiv Schaden zufügt.

Nachdenken über Nachhaltigkeit muss frei erfolgen

Alle bisherigen „Forschungen“ zum Thema „Nachhaltigkeit“ fahren sich wieder in dem komplexen System der Fachsparten fest und zeitigen Ergebnisse, die einerseits gegeneinander und andererseits grundsätzlich an der Realität, der wirklichen Notwendigkeit, vorbeiführen. Das Problem ist natürlich, dass die Fachleute Angst haben, ihre Reputation, vielleicht gar ihren Arbeitsplatz zu verlieren, der letztlich „an der Industrie hängt“. Es kann eben nur auf einer anderen Ebene, außerhalb aller Fachrichtungen darüber nachgedacht werden, wie das vorhandene System, das uns ja in diese verfahrene Situation geführt hat, ersetzt, also letztlich abgeschafft werden kann.
Es geht nur darum, wie an jedem beliebigen Ort gelebt und gewirtschaftet werden kann, ohne die Lebensgrundlagen dort oder anderswo zu zerstören. Dazu müssen die Lebensbedingungen die spezifisch vorliegen erfasst – so wie seit Millionen Jahren eigentlich erspürt – werden. An diese muss sich alles so anpassen, dass das vorhandene Gleichgewicht nicht gestört wird. Dass dies überall möglich ist, beweisen inzwischen zahllose Gemeinschaften weltweit, allerdings in der Regel gerade ohne Unterstützung irgendeiner Wissenschaft.
Dass das gesamte System einer industriellen Gesellschaft radikal umgestellt werden muss, ist den meisten Menschen klar, macht ihnen aber offenbar Angst. Genau dieses Wirtschafts- und damit auch Gesellschaftssystem ist aber nun einmal das Problem und kann nicht so fortgeführt werden, auch die tausendfach angedachten Variationen und kleinen Korrekturen führen nur weiter in die Irre. Alle Teilprobleme, von der Energieerzeugung und Nutzung über die Versorgung mit Wasser, Verkehrsprobleme, Gesundheit und Versorgung im Alter, Bildung – wofür? – und Rolle der Frauen bis hin zu allen Konflikten und Kriegen lösen sich sofort vollständig, sobald das Grundproblem, die zerstörerische Wirtschafts- und damit auch Finanzordnung beseitigt ist.
Es ist also an der Zeit, das globale „Wirtschaften“ für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft jeweils regional neu zu denken.
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/4693825/Jean-Ziegler_TTIP-ist-das-Armageddon-der-Endkampf
http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0378
http://www1.wdr.de/fernsehen/kultur/west-art-talk/sendungen/jeanziegler102.html
http://www.deutschlandradiokultur.de/kapitalismuskritik-und-der-neoliberalismus-ist-schuld-daran.990.de.html?dram:article_id=314243

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