Fotocredit: Pixabay/congerdesign
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Jedem von uns ist bestimmt schon mal ein Teller oder eine Tasse runter gefallen – womöglich noch die Lieblingstasse und dann war die Trauer groß. Superkleber musste her, ein bisserl gepickt hier und da aber so richtig zufrieden war man mit dem Outcome nie.

Porzellan kleben mit Superkleber hat noch nie so richtig toll geklappt und dann bleibst du womöglich auch noch picken und hast direkt Abdrücke oder Fussel, die dann für immer auf Teller oder Tasse haften. Schön ist auch anders, wenn wir ehrlich sind und so super gerne verwendet man das vormals Lieblingsteil dann auch nicht mehr. Mir ging es jedenfalls bisher immer so. 

Bis zu dem Moment, in dem ich Kintsugi kennenlernen durfte. Kintsugi ist eine japanische Art gesprungenes oder kaputtes Porzellan wieder heil zu machen. Eine von langer Tradition geprägte Methode, die nicht versucht die Makel des Kaputtseins zu kaschieren oder zu verbergen. Sie stellt sie viel mehr sogar noch extra zur Schau, denn es wird Gold- oder Silberlack verwendet, um die kaputten Stellen zu kitten. Diese Art und Weise mit etwas Zerbrochenem umzugehen zeugt von so viel Wertschätzung und haucht dem Gegenstand eine ganz neue Art von Schönheit ein. 

Fotocredit: Unsplash/Motoki Tonn
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WAS GENAU IST KINTSUGI? 

Es ist nicht zu 100% klar woher es genau kommt. Man sagt aber, dass es auf Ashikaga Yoshimasa im 15. Jahrhundert zurückzuführen ist. Er war ein bekannter Shogun (ein adeliger Samurai), der einst eine seiner Teeschalen versehentlich zerbrach. Er schickte sie zur Reperatur an die Manufaktur zurück und war vom Ergebnis mehr als enttäuscht; daraufhin legte er dem Kunsthandwerk nahe sich damit zu beschäftigen, hier eine schönere, ästhetischere Methode zu finden. 

Eine Technik, die vor mehr als 500 Jahren erfunden wurde und auch heute noch durch ihre wunderschöne Erscheinung den Wert von Keramik mitunter noch steigern kann. Manchmal werden Schalen oder Teller sogar absichtlich zerbrochen, um sie mithilfe von Kintsugi zu einem Kunstgegenstand zu machen. 

WIE FUNKTIONIERT ES? 

Kintsugi läuft in einem mehrstufigen Verfahren (4 Stufen) ab. Der japanische Lack (urushi) wird in mehreren Schichten aufgetragen, um die zerbrochenen Stellen zu kleben. Er wird dann entweder mit Gold- oder Silberpigmenten vorsichtig mit einem Pinsel bestäubt und anschließend poliert. 

Durch das Polieren am Ende finden die Stücke ganz glatt und ohne Kanten wieder zueinander und werden Eins. Eins und zu einer ganz neuen Schönheit; was bei Kintsugi auch das Ausschlaggebende ist. Denn hier kommt es weniger darauf an, wie die physische Erscheinung am Ende ist, es geht viel mehr darum welche Schönheit sich dem Betrachter durch den Gedanken dahinter erschließt. 

Ich finde es ist eine ganz wundervolle Denkweise und spiegelt sehr gut die japanische Kultur und ihre damit verbundene Wabi-Sabi-Ästhetik wider, die auch eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist. Der Gedanke aus etwas Kaputtem ein am Ende noch viel schöneres Objekt zu machen, sollten wir auch in unseren Kulturkreis viel öfter integrieren. 

Fotocredit: Pixabay/BRRT
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DIE SCHÖNHEIT IM MAKEL 

Wabi-Sabi-Ästhetik bedeutet, dass Schönheit im Alten, Vergängliche und Kaputten gefunden wird. Die wirkliche Schönheit eines Objekts liegt dem Wabi-Sabi zufolge nicht in der offensichtlichen Ästhetik, sondern im Verborgenen und lässt sich erst durch nähere Betrachtung zutage fördern. Die Unvollkommenheit eines Gegenstandes wird noch extra hervorgehoben, um ihn zu einer besonderen Schönheit zu machen. 

Dazu kommt auch, dass die Art und Weise eine wunderbare ist, um zerbrochenes Porzellan nicht wegwerfen zu müssen. Durch diese kunstvolle Reparaturweise hauchst du deiner Tasse neues Leben ein und unterstützt damit auch noch deine nachhaltigere Lebensweise. Einfache Kintsugi Kits gibt es in ausgewählten Japan-Shops oder auch online zu kaufen und so kannst du zuhause selbst zu deinem Zen-Meister werden. Ein bisschen Übung und Fingerfertigkeit gehört zwar schon dazu, aber nach 1-2 Stücken klappt das wirklich gut und sieht wunderbar aus. 

Fotocredit: Canva
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Ich muss mir beim Betrachten meiner Stücke jedes Mal diesen Gedanken dahinter in Erinnerung holen und weiß sie dadurch umso mehr zu schätzen.