Hitzebeständig bauen – die besten Materialien und Bauweisen

Die Hitzewelle hier in Österreich scheint kein Ende zu nehmen und zehrt langsam an unseren Körpern. Welche Strategien um uns abzukühlen wir aus der Tier- und Pflanzenwelt übernehmen können, habe ich hier schon behandelt. Heute geht es um Bauweisen und Materialien, durch die man hitzebeständig bauen kann und so auch in den eigenen vier Wänden einen kühlen Kopf bewahrt!

Die besten Bau-Materialien bei Hitze

Was Materialien mit Hitze zu tun haben? Manche Stoffe lassen mehr Luft durch als andere und auch die Wärmedämmung spielt dabei eine Rolle (beziehungsweise in diesem Fall quasi Kältedämmung)

Schauen wir zuerst einmal in die Wüste, die heißesten Gebiete der Erde: Die Zelte der Beduinen sind oft aus Ziegenwolle. Bei Trockenheit öffnen sich die Poren des Stoffes und lassen die Luft zirkulieren. Bei Regen schließen sie sich. Doch nicht nur Ziegenwolle ist ein guter Baustoff, auch andere natürliche Bau- und Dämmstoffe schaffen ein gutes Wohnklima und bieten guten Schutz vor sommerlicher Hitze. Heutzutage wird oft mit künstlichen Materialien gebaut und vor allem gedämmt, wodurch es bei einigen Bauweisen bereits zu bekannten Problemen wie Feuchtigkeit in den Wänden kommt. Daher erleben natürliche Baumaterialien ein Comeback und es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten. Es gibt Häuser aus Stroh oder Lehm, Dämmung aus Hanf, Holzwolle, Schilf oder Jute.

Lehm wird von vielen verschiedenen Kulturen und Völkern seit Jahrtausenden als Baumaterial verwendet. Manchmal werden Wände aus Holzlatten mit Lehmziegeln befüllt und mit Lehm verputzt (zum Beispiel in Afghanistan). In anderen Ländern wird das Lehm mit Wasser gemischt und danach gestampft, um das Wasser wieder zu entfernen. Aus den entstehenden Lehmbrocken werden dann die Häuser gebaut. Auch in Österreich und Deutschland wurden früher solche Häuser gebaut, heute wird diese Bauweise eher noch in Australien oder der USA praktiziert.

Strohballen sind auch in unseren Breiten ein toller Baustoff! Sie können meist regional direkt vom Bauern bezogen werden und man kann seinem Dämmmaterial sogar vorher beim Wachsen zusehen. Gepresstes Stroh hat ausgezeichnete Werte bei Wärmespeicherung und Schallschutz und die Temperatur in solchen Häusern reguliert sich ganz natürlich (vor allem in Kombination mit einer verputzten Lehm- oder Kalkschicht)

Die richtige Form

Doch nicht nur die Materialien spielen eine Rolle, auch die Form des Hauses bestimmt, wie sehr es sich aufheizt. Vor allem die Form des Daches. Es macht nämlich auch aus Hitzesicht durchaus Sinn, dass die Pyramiden nach oben hin spitz zulaufen und auch die oben genannten Zelte der Beduinen oben schmäler sind als unten. Ein flaches Dach heizt sich nämlich bei Sonneneinstrahlung nachweislich mehr auf, als ein spitzes.

Sogenannte Steildächer haben in Mitteleuropa lange Tradition und sind etabliert. Sie haben sich im gemäßigten Klima über Jahrhunderte bewährt und hielten den Wetterkapriolen bestens Stand. In der Regel ist ein Steildach zweischalig konstruiert und wird als Kaltdach – eine belüftete Konstruktion – bezeichnet. Zwischen der Deckenkonstruktion des Unterdachs und der Dachhaut (in den meisten Fällen Ziegel) liegt dabei ein Zwischenraum, in dem sich Luft befindet und zirkuliert. Einerseits ist Luft ein gutes Dämmmaterial, wodurch sich das Dach allgemein weniger aufheizt. Andererseits fließt Wärme schnell ab und es entsteht gewissermaßen ein Entlüftungskanal, der für angenehme Frische im Sommer sorgt und im Winter als zusätzliche Dämmung fungiert. Beim Flachdach ist hingegen meist die oberste Decke aus Stahlbeton zugleich das Dach. Diese lässt weder Wärme noch Feuchtigkeit ausreichend diffundieren. Eine Luftzirkulation findet nicht statt. 

Auch die Neigung des Daches spielt eine wichtige Rolle. Beim Flachdach trifft die Sonne vor allem während der Mittagsstunden fast senkrecht auf die Dachoberfläche. Der Einfallswinkel der Strahlen ist gleich dem Ausfallswinkel und reflektierte Strahlen treffen auf neu antreffende. Somit heizt sich nicht nur die Dachhaut auf, oberhalb des Daches bildet sich auch eine heiße Luftschicht, die für zusätzliche Hitze sorgt. Im Haus staut sich die Wärme dagegen unterhalb der breiten, waagrechten Fläche und kann nicht entweichen. Anders beim Steildach: Die Neigung sorgt dafür, dass Sonnenstrahlen in einem anderen Winkel reflektiert werden als sie eintreffen, die Umgebung heizt sich nicht zusätzlich auf. Unter dem Dach sorgt die nach oben spitz zulaufende Konstruktion in Verbindung mit dem Entlüftungskanal des Kaltdachs für eine Sogwirkung. Die warme Luft steigt nach oben und wird schnell abtransportiert.

Und wer kein Zelt aus Ziegenwolle zur Verfügung hat und auch den Winkel seines Daches nicht ändern kann, kann durch Lüften in der Nacht und Rollos vor den Fenstern am Tag dafür sorgen, dass die Wohnräume möglichst kühl bleiben. In Tropennächten über 20 Grad kann auch das Anbringen eines feucht-kalten Lakens vor dem offenen Fenster für Abkühlung sorgen.

 

Quellen:
https://www.natuerlich-daemmen.info/
https://www.strohballenhaus.org/
http://www.lehmhaus.net/
http://www.dach.de/ideen/steildach/steiles-dach-kuehler-kopf-09051/

Bilder/Fotograf: 
Photo von Thomas Vuillemin auf Unsplash
Photo von Les Anderson auf Unsplash 


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