Fotocredit: Pixabay/dassel
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Die Tseltal, eines der größten Völker der Maya-Nachfahr:innen, hat sich das Lebenskonzept „Lekil Kuxlejal“ von ihren Vorfahren bewahrt.

Zum Volk der Tseltal gehören in etwa eine halbe Million Einwohner:innen in Mexiko. Sie sprechen ihre eigene Sprache, pflegen ihre eigene Kultur und leben hauptsächlich in kleinen Gemeinschaften, meist in Familien. 

„Lekil Kuxlejal“ steht für „das gute Leben“ und dieses gute Leben umfasst alle Bereiche darin. Ein wichtiger Bestandteil davon ist Umweltbewusstsein; wenn die Tseltal einen Baum fällen, um ihn zu verwerten, dann pflanzen sie automatisch einen neuen stattdessen. Gentechnik oder Spritzmittel sind ein absolutes Fremdwort für sie, denn sie leben im Einklang mit der Natur, wollen sie pflegen und hegen anstatt sie zu verschmutzen und zu stören. 

Doch die Tseltal machen das nicht etwa, weil sie – wie wir – Angst vor dem Klimawandel haben, sich vor ihrer CO2 Bilanz erschrecken oder aus einem anderen Vorteil für sie. Mit ihrem Lebensstil schützen sie ihre Umwelt, weil sie tief mit „Mutter Erde“ verbunden sind. In ihrem Weltbild besitzt alles Würde – jeder Stein, jede Pflanze, jedes Lebewesen. Alles ist miteinander verbunden und in allem steckt Leben. Gemeinschaft ist ein wichtiger Wert, den die Maya Nachfahr:innen vertreten. 

Fotocredit: Pixabay/PublicDomainPictures
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DAS GUTE LEBEN 

Was hat es aber nun mit diesem „Guten Leben“ auf sich? „Maya“ bedeutet „Mensch aus Mais“, denn laut einer Legende wurden die ersten Menschen aus Mais geformt. Einer der Gründe, wieso der Lebensmittelpunkt der Tseltal ihre Arbeit auf dem Maisfeld ist. Diese Arbeit nennt sich „Milpa“, was so viel wie Leben oder Nahrung bedeutet.   

Um Lekil Kuxlejal zu erreichen, gibt es kein Geheimrezept und auch nicht nur einen Weg. Es gibt viele verschiedene Ansätze, die nicht an das Mais-Bauern-Leben gebunden sind, sondern in jedem Lebenskonzept umsetzbar sind. Lekil Kuxlejal ist nicht nur eine bestimmte Sache, es ist ein großer Ansatz, der Empathie, Bewusstsein, Harmonie und Respekt vor Mutter Erde beinhaltet. Der Schutz der Umwelt steht also besonders weit im Vordergrund, ist aber noch nicht alles, was das „gute Leben“ ausmacht. 

Fotocredit: Pixabay/81349
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Viel wichtiger ist für sie, eine echte Verbundenheit mit der Erde herzustellen. Es ist wichtig die Nahrung, die sie anpflanzen zu beobachten und zu verstehen. Ihr beim Wachsen zuzusehen und zu schätzen, was Mutter Erde ihnen an Reichtum beschert. Die viele Arbeit, die dahinter steckt, bis Mais oder Bohnen schlussendlich auf dem Teller landen, das ist was gewürdigt und geschätzt wird. So kann nicht nur eine innigere Verbindung zur Erde hergestellt werden, auch das Essen scheint viel wertvoller zu sein; Essen, das übrig bleibt wird nicht achtlos weggeworfen, weil es in Fülle vorhanden ist. Es wird viel mehr der Natur gedankt, wie viel Nahrung sie für uns alle bereit hält. 

Ein Konzept, das auch wunderbar in unserer Gesellschaft funktioniert – die Nahrung mehr zu schätzen wissen, kein achtloser Umgang mit Ressourcen und Dankbarkeit. Tugenden, die uns dabei helfen können, unsere Angst vor dem Klimawandel zu bändigen und uns auf das Wesentliche zu besinnen.