Können wir durch das Retten der Moore den Klimawandel stoppen?

Stoppen ist wohl etwas zu hoch gegriffen, aber die Auswirkungen stark reduzieren könnte vielleicht wirklich möglich sein. Aus einem Bericht des Global Environment Center & Wetlands International aus 2008 geht hervor, dass der weltweite Landanteil der Moore zum Zeitpunkt des Verfassens bei etwa 3% lag. In dieser Fläche speichern sie jedoch doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen.

Wie viel Moore wir seitdem bereits verloren haben, ist unklar. Die Organisation Wetlands International hat sich jedoch auf die Fahnen geschrieben, sich für diese speziellen Lebens- und Naturräume einzusetzen.

Was macht Moore besonders?

Moore bestehen zu 95% aus Wasser.Das feucht-saure Milieuund die damit verbundene Sauerstoffarmut verhindert den vollständigen Abbau der Pflanzenreste. Dies wiederum fördertdie Bildung von Torf, das aus vermoderten Pflanzenresten besteht. Dadurch werden große Mengen an CO2 gebunden.

Moore sind oft besonders naturbelassen mit viel Totholz, da es für die meisten Menschen uninteressant ist. – Photocredit: pixabay.com/Boenz

Außerdem beeinflussen sie durch ihre Kapazität, viel Wasser zu halten, auch das lokale Klima sowie den Wasserhaushalt der weiteren Umgebung, indem sie kleine Veränderungen ausbalancieren.

Und abgesehen vom Nutzen für uns Menschen, bieten Moore auch Lebensraum für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Lebensraum

Auch wenn die Diversität der Arten in diesen Gebieten geringer ist als etwa auf den Artenreichen Trockenrasen, so sind Moore dennoch ein wichtiger Lebensraum für einige gefährdete Tiere und Pflanzen. Diese extremen Standorte bieten ökologische Nischen, die einzigartig sind, und immer mehr verschwinden.

Waldwasserläufer und Wachtelkönig etwa sind nur einige der seltenen Tierarten, die im Moor ihre Brut- und Rastplätze haben.

Das spezielle am Moor aus Sicht des menschlichen Eingriffs ist vor allem, dass es meist ein Gebiet ist, wo Menschen sich nicht aufhalten, oder es durchqueren, da es so unwegsam ist. Dadurch werden die noch bestehenden Moore mehr und mehr auch ein Rückzugsort für Arten, deren Lebensräume von Menschen zerstört wurden.

Auch viele Vögel finden in Mooren Zuflucht und Nistplätze. – Photocredit: pixabay.com/JamesDeMers

Entwässerung der Moore

Die größte Gefahr der Moore ist die Entwässerung durch den Menschen. Hier ist zu unterscheiden, ob es sich konkret um den Torfabbau zur Energiegewinnung handelt, oder der Trockenlegung für Landgewinnung.

Ein Großteil der trockengelegten Flächen wird hierbei für die Land- und Forstwirtschaft genutzt. Durch das Trockenlegen kommt Sauerstoff hinzu, wodurch sich die Pflanzenteile vollständig zersetzen können, was CO2 abgibt.

Laut einem Artikel der Zeitschrift TELMA – Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde setzen „trockengelegte Moorflächen, wie z.B. Grünlandstandorte, pro Jahr und Hektar ca. 14-24 t CO2-Äquivalent frei. Eine intensive Ackernutzung verstärkt die Oxidation/Mineralisation des Torfes erheblich (45 t CO2-Äq. ha-1 a-1). Bundesweit werden jährlich ca. 31 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente aus Mooren emittiert. Davon entfallen 84 Prozent auf Moorstandorte unter land- und forstwirtschaftlicher Nutzung“.

Moore können auch interessante Lebensräume für Weidetiere sein. – Photocredit: pixabay.com/stheaker

Auswirkung weltweit

Dem Bericht des Global Environment Center & Wetlands International zum Thema „Assessment on Peatlands, Biodiversity and Climate change“ (Bewertung der Moorkultur, Biodiversität und Klimawandel) zufolge hat etwa die steigende Nachfrage nach Palmöl auch weniger bekannte gravierende Folgen auf unsere Umwelt. Sowohl Ölpalmen als auch andere Pflanzen, die nicht nur für Lebensmittel sondern auch Biotreibstoffe verwendet werden können, führen weltweit dazu, dass Moore trockengelegt werden. Dadurch wird mehr CO2 in die Atmosphäre abgegeben, als der Biotreibstoff einsparen würde. Und dies ist wahrscheinlich nur eine der vielen Auswirkungen, die nur wenig oder gar nicht bekannt sind.

Fazit

Auch wenn viele Menschen Österreich nicht unbedingt mit Moorlandschaften in Verbindung bringen würden, so gibt es dennoch eine überraschende Menge davon. Abgesehen vom großen Moorgebiet um den Neusiedlersee, finden wir auch einige höher gelegene Moore in den alpinen Gegenden, vor allem in Vorarlberg.

In vielerlei Hinsicht geht uns das Thema der Moore also alle etwas an. Vor allem ist es wichtig, diese Information weiterzutragen, damit ein stärkeres Bewusstsein dafür entsteht.

Quellen

imcg.net: assessment_peatland.pdf
wetlands.org
warum-torf.info: klimarelevanz-emissionsfaktoren
e-docs.geo-leo.de: Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren (TELMA)
zobodat.at: Die Moorverbreitung in Österreich