Geld
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Speziell in den letzten Jahren bin ich immer öfter darüber gestolpert, dass es Menschen gibt, die aus unterschiedlichen Gründen freiwillig mit sehr wenig oder sogar ohne Geld leben.

Ich habe mich nun gefragt: Wie geht das? Welche Alternativen und Möglichkeiten gibt es überhaupt? Und die vielleicht wesentlichste Frage: Warum könnte man soetwas anstreben wollen? Welchen Sinn kann es haben?

Auf der Suche nach Antworten habe ich mich zunächst mal mit Menschen beschäftigt, die bereits Erfahrung damit haben, bewusst ohne Geld zu leben.

Bekannte Beispiele

Die bekanntesten Menschen im deutschsprachigen Raum, die ohne Geld leben bzw. gelebt haben sind wohl Raphael Fellmer und Heidemarie Schwermer. Beide haben damit ihre eigene persönliche Herausforderung angenommen.

Raphael Fellmer lebte mit seiner jungen Familie 5 Jahre geldlos. Dabei hat er in nicht benutzten Wohnungen gelebt, Lebensmittel konsumiert, die von (Bio-)Supermärkten entsorgt wurden, und ist per Autostop durchs Land gezogen. Inzwischen hat er eine Organisation gegründet, die sich noch intensiver mit dem Thema foodsharing und foodsaving auseinandersetzt. Er hat sich selbst und anderen gezeigt, dass es möglich ist, ohne Geld zu leben, möchte aber nun doch Geld in die Hand nehmen, um mehr in der Welt zu bewegen.

Heidemarie Schwermer hat die letzten 20 Jahre ihres Lebens († 2016) im Grunde geldlos gelebt. Ihre Pension hat sie verschenkt, die Krankenversicherung jedoch in den letzten Jahren in Anspruch genommen. Sie hat unter anderem ihre Dienste als Psychotherapeutin gegen Essen, Kleidung und Unterkunft getauscht. Zusätzlich hat sie es sich erlaubt, zu schenken und beschenkt zu werden. Ihr Fokus lag hiebei immer auf den Verbindungen zu den Menschen.

Weitere Beispiele sind Philipp Hauschild und Tobi Rosswog, die ebenfalls mit wenig oder gar keinem Geld leben.

Warum möchte jemand ohne Geld leben?

Jeder dieser Menschen hat unterschiedliche Gründe, ohne oder mit nur wenig Geld leben zu wollen. Manche wollen damit auf den übertriebenen Konsum aufmerksam machen, andere wollen sich von den Zwängen der Gesellschaft und dem Hamsterrad befreien. Wieder anderen ist es schlicht und einfach wichtig, wieder mehr mit Menschen durch tauschen, teilen und schenken in Verbindung zu treten.

Ohne Geld oder geldfrei?

Wählen Menschen freiwillig, ohne Geld zu leben, bezeichnen sie das oft als geldfrei, um speziell den Aspekt der Freiheit von Zwängen durch das Geldsystem hervorzuheben. Geldfrei bedeutet hierbei nicht automatisch, dass man völlig ohne Geld lebt. Es geht hierbei um eine Einstellung dem Geld gegenüber. Geld ist nicht die Motivation, der Grund oder der Hintergedanke, etwas zu tun.

Diese Einstellung ist auch damit verbunden, dass man ein tiefes Vertrauen in das Leben hat, dass sich eine Lösung findet, damit man versorgt ist. Das Ziel, geldfrei zu leben bedeutet, sich nicht von der Angst, zu wenig zu haben, antreiben zu lassen.

Wie lebt man ohne Geld?

Über die Jahre haben sich sehr viele Projekte entwickelt, die es Menschen erleichtern, mit nur sehr wenig Geld leben zu können. Hier nur ein paar Beispiele, um die Grundbedürfnisse decken zu können:

Essenfoodsharing, dumpster diving, mundraub

Wohnencouchsurfing, gib&nimm Häuser, BeWelcomeHouse Sitting

Kleidungkostnix-Läden, Kleiderschenk-Parties, Tauschkreise

MobilitätAutostop

sonstigesbook crossing, Tauschkreise

Je nach Region kann es hier diverse lokale Angebote zusätzlich geben.

Fazit

Ganz ohne Geld zu leben aus einer Trotzreaktion der Konsumgesellschaft gegenüber sehe ich als keine dauerhafte oder nachhaltige Lösung an. Diese Experimente weisen jedoch in einer sehr extremen Form darauf hin, wie sehr viele von uns sich durch den Glauben an eine Abhängigkeit vom Geld sehr leicht verängstigen und dadurch kontrollieren lassen.

Aus meiner Sicht ist Geld – zumindest in unserer jetzigen Gesellschaft – ein Werkzeug. Es ist nicht schlecht und nicht gut. Es kann verwendet werden, um andere (sowohl Menschen als auch Tiere, Pflanzen und Ökosysteme) zu verletzen und auszubeuten. Es kann aber auch dazu verwendet werden, um ihnen zu helfen. Um das Geld jedoch als neutrales Werkzeug sehen und wirklich sinnvoll verwenden zu können, kann es sehr hilfreich sein, die Ansätze des geldfreien Lebens schrittweise in sein eigenes zu integrieren, und auch das Risiko einzugehen, mit nichts da zu stehen und auf die Großzügigkeit anderer angewiesen zu sein.

 

Weiterführende Quellen

http://www.raphaelfellmer.de/
http://neueseite.heidemarieschwermer.com/
http://de.forwardtherevolution.net/
http://moneyless.info/
https://experimentselbstversorgung.net/geldfrei-er-leben-rueckblick-einblick-ausblick/
https://ohnegeld.net/wilkommen

Bildquellen

pixabay.com / johannafriebe

 

1 Kommentar

  1. Ich persönlich kann mir ein Leben ohne Geld garnicht vorstellen. Das gehört einfach dazu, bewundere aber auch die Menschen, die es tatsächlich schaffen diesen Weg zu gehen.

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