#PlastikFasten hat mir gezeigt: „Zeit ist Plastik“. Je mehr Zeit wir investieren, desto eher schaffen wir es uns vom Plastik zu lösen.

Je länger ich mich im #PlastikFasten befinde, desto schwieriger werden die einzelnen Situationen. Denn zu Beginn braucht man vielleicht „nur“ neue Lebensmittel, oder ein Stück neue Seife. Mit der Zeit geht dann aber auch das Geschirrspülmittel oder das Waschmittel aus. Und manchmal passiert es schneller als man denken kann, dass ein neues Stück Plastik sich in die Wohnung verirrt. Was ich aber sehr bald lerne; die Bequemlichkeit macht Plastik und wer viel Zeit investiert, kann auf Plastik verzichten.

Natron, Waschsoda und Kernseife

Schon seit Herbst wasche ich meine Wäsche hauptsächlich mit Kastanien, die ich an einem Nachmittag im Park eingesammelt, sie anschließend zu einem feinem Pulver verarbeitet und zu einem haltbaren Waschmittel getrocknet habe. Nun geht der Vorrat leider langsam zu Ende und ich müsste mich bis in den Herbst gedulden, um ein neues nachhaltiges Kastanien-Waschmittel herzustellen. Eine Alternative dazu hatte ich aber bald zur Hand. Nach einem Rezept, das ich im Internet gefunden habe, konnte ich mit nur drei Zutaten (Wasser, Waschsoda und Kernseife) ein gutes umweltfreundliches Waschmittel herstellen. Damit auch alle Flecken verschwinden, behandele ich diese mit Kernseife vor. Plastikfrei, billig und umweltfreundlich, also. Mit dem Geschirrspülmittel ist das schon eine andere Geschichte. Da musste ich erst wirklich die richtige Rezeptur finden, dass es genauso fett lösend wie ein herkömmliches Geschirrspülmittel reinigt. Die perfekte Rezeptur für ein nachhaltiges Geschirrspülmittel habe ich bei Wasteland Rebel gefunden, bei der auch nur drei Zutaten im Spiel sind (Natron, Wasser und Seife). Waschsoda und Natron bekommt man übrigens in großen Mengen im Reformhaus oder der Apotheke. Wie ich gehört habe, kann man sie auch in die eigenen Behälter abfüllen lassen.

Insgesamt habe ich zwei Liter Waschmittel und einen halben Liter Geschirrspülmittel vorbereitet

Rucola, der Spielverderber

Wie ihr bereits wisst, bekomme ich wöchentlich ein „BioKistl“ mit Gemüse für die ganze Woche. Seit einem Jahr leben wir mit dieser Art des Gemüse-Konsums und noch nie hatten wir im Kistl ein Stück Plastik. Da musste natürlich jetzt, genau während der #PlastikFasten Zeit ein Rucola in Plastikschale plus Plastikverpackung dabei sein. Als würde mir jemand einen Streich spielen wollen, so hat sich das angefühlt… Ich wusste natürlich, dass dem nicht so war und schlussendlich habe ich Friede mit dem Rucola geschlossen. Ich habe die Verpackung in mein „Sünden-Glas“, in dem ich meine Plastik-Fehler dokumentiere, aufgenommen.

Der köstliche Bösewicht kam zwei Mal in Plastik verpackt.

„Nachos mit Käsesauce, aber bitte ohne Plastik!“

Anfang letzter Woche habe ich mir „The Green Lie“ von Werner Boote im Kino angesehen. Ich bin von der Sorte Mensch, die immer etwas zu knabbern im Kino braucht. Obwohl ich mich normalerweise, ich würde sagen, sehr bewusst und gesund ernähre, liebe ich Nachos mit Käsesauce (ob die schon mal echten Käse gesehen hat?) über alles. Die #PlastikFasten Challenge sollte mir diese Vorliebe nicht ruinieren, also habe ich mir meine eigene Jausenbox mitgenommen, die größte die ich finden konnte. Höflich habe ich die Frau an der Theke gefragt, ob sie die große Portion Nachos mit Käsesauce nicht einfach in mein mitgebrachtes Gefäß füllen könnte. Begeistert von der Idee war sie offensichtlich nicht, aber nach dem ich ihr lang und breit erklärt habe, dass ich kein Plastik konsumieren möchte, weil es ja schlecht für die Umwelt sei, hat sie nach gegeben und mich an dem Abend zur glücklichsten Kino-Besucherin gemacht. Übrigens kann ich den Film, für alle die sich weiterhin kritisch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander setzen wollen, auf jeden Fall weiter empfehlen.

Nachos in der selbst mitgebrachten Jausenbox – ein kleiner Erfolg.

Zeit ist nicht nur Geld, sondern auch Plastik.

Ich dachte irgendwie, dass die Challenge mit der Zeit einfacher werden würde, aber Fehlanzeige. Ich scheine an denselben Dingen zu scheitern wie letztes Jahr. Zwar versuche ich für einzelne Produkte Alternativen zu finden, von denen ich bereits weiß, dass sie in Plastik daher kommen, aber mein größtes Problem sind spontane oder unüberlegte Einkäufe. Nach einer sehr stressigen Woche zwischen Bibliothek und Arbeit habe ich den Zug in die Steiermark bestiegen, um bei einer Familienfeier dabei zu sein. Am Bahnhof(!) habe ich dann schnell noch ein paar Geschenke gekauft. Das ist eigentlich gar nicht meine Art, aber irgendwie ging das die Woche zuvor total unter. Ich habe darauf geachtet, dass so wenig Plastik wie möglich dran ist, aber bei der Glückwunschkarte musste ich dann aufgeben. Die gab es weit und breit nicht ohne Verpackung, und dabei sind die ja ohnehin schon in einem Kuvert verpackt. Das soll jemand verstehen… Ähnlich ging es mir, als ich die letzten Tage Pilze-Risotto kochen wollte und schnell noch Knoblauch dafür benötigte. Wegen Termin Kollisionen musste der Einkauf schnell gehen und immerhin habe ich trotzdem drei(!) Supermärkte in meiner Nähe abgeklappert, bis ich mich dann geschlagen gab und Knoblauch im Plastik-Netz gekauft habe. Warum kann zumindest das Netz nicht aus Naturfasern bestehen?

Wichtige Zutaten für ein Risotto: Wein und Knoblauch. Wer hätte gedacht, dass es Knoblauch fast ausschließlich im Plastiknetz gibt?

Fazit

Solche Dinge passieren und sie zeigen mir, dass der Verzicht auf Plastik uns einfach nicht leicht gemacht wird. Er ist mit viel Planung, Aufmerksamkeit und Zeit verbunden. Wir müssen aktiv uns dafür einsetzen, dass Plastikverpackungen im Supermarkt verschwinden, in dem wir die Nachfrage dort verringern. Wenn ich mir eine Stunde Zeit genommen hätte um eine Glückwunschkarte selbst herzustellen, hätte ich Geld und Plastik gespart. Ich hätte auch einfach eine Postkarte kaufen können. Für den Knoblauch hätte ich mir die Zeit nehmen müssen, um in einen Bio-Supermarkt oder in den Unverpacktladen im zweiten Bezirk zu gehen. Je mehr Zeit wir also investieren, desto eher schaffen wir es uns von Plastikverpackungen zu lösen. Diese Zeit fehlte mir an dem besagten Tag, hätte aber bereits an einem der Tage zuvor eingeplant werden können. Trotzdem triumphieren meiner Meinung nach die tollen Momente, wie die im Kino oder die erfolgreiche Herstellung von Waschmittel. Es fördert den ErfinderInnengeist, ist nachhaltig und spart noch dazu viel Geld ein.

Hier findest du bereits veröffentlichte Beiträge zu meiner #PlastikFasten Challenge:

#PlastikFasten – Ohne Plastik(müll) durch die Fastenzeit

#PlastikFasten – Woche 1: Staus Quo

#PlastikFasten – Woche 2&3: Von Fehler, Hausmittel und Tofu-Entzug

Mira Nograsek, BA

Auf dem Blog ROEDLUVAN berichtet Mira über ihre Versuche ein nachhaltiges Leben zu führen. Ihr Weg führt sie in fremde Länder, in die Welt der fair produzierten Mode, in die vegane Küche und in eine plastikfreie Zone. Nebenher studiert die grüne Lifestylebloggerin Geschichte und arbeitet als Kulturvermittlerin in Wien.

Bildrechte: Mira Nograsek

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