DI Paul Gredler-Oxenbauer ist mit dafür verantwortlich, dass das reibungslose Laden von E-Autos in Wien noch bequemer wird. Er kennt fast jede der 500 Ladestationen der Stadt. Foto: © Wien Energie
DI Paul Gredler-Oxenbauer ist mit dafür verantwortlich, dass das reibungslose Laden von E-Autos in Wien noch bequemer wird. Er kennt fast jede der 500 Ladestationen der Stadt. Foto: © Wien Energie
DI Paul Gredler-Oxenbauer kennt fast jede E-Ladestation in Wien. Und das ist insofern eine beachtliche Leistung, als dass dieses Jahr insgesamt 1000 E-Ladepunkte von Wien Energie in der Stadt für Elektroautos vorhanden sein werden. Wir haben den Ladestations-Profi zum Interview getroffen.

Hast du auch das Gefühl, dass sich in Wien die „Elektrotankstellen“ für E-Autos vermehren? Das ist nicht nur dem Wunschgedanken geschuldet, sondern Teil eines mehrphasigen Ausbau-Projektes, das mit 1000 Ladepunkten in der Stadt dieses Jahr seinen erfolgreichen Abschluss finden wird. Wien Energie hat den Zuschlag für diesen von der MA33 ausgeschriebenen Ausbau der Ladeinfrastruktur bereits im Oktober 2017 erhalten. Seither ist unter anderem DI Paul Gredler-Oxenbauer bei Wien Energie mit dem Drei-Phasen-Projekt beschäftig.

Er ist mit dafür verantwortlich, dass das reibungslose Laden von E-Autos in Zukunft in Wien noch bequemer funktioniert. An den zukünftig 500 Ladestationen von Wien Energie „tankt“ man Strom, der ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde bei einer Kapazität, die es – vereinfacht ausgedrückt – erlaubt, in eineinhalb Stunden 100 km in das E-Auto zu laden. Für uns hat der E-Mobilitäts-Profi DI Paul Gredler-Oxenbauer aus dem E-Tankstellen-Nähkästchen geplaudert.

Sie sind seit Ende 2017 mit dem Ausbau der Wiener E-Lade-Infrastruktur bei Wien Energie beschäftigt. Wie stehen Sie persönlich dazu, dass die E-Tankstellen in der Stadt ausgebaut werden?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Es ist für mich ein wesentlicher und unverzichtbarer Schritt im Sinne einer nachhaltigeren Zukunft urbaner Mobilität. Der PKW-Verkehr ist für 40 Prozent der Treibhausgasemissionen Wiens verantwortlich. Dieser Anteil muss sinken, wenn Wien CO2-neutral werden will und ein flächendeckendes Ladenetz ist dazu der beste Hebel. Eines ist sicher: Die Zeit des Verbrennungsmotors ist definitiv vorbei. Prinzipiell sehen ja alle nachhaltigen, modernen Stadtplanungskonzepte die Reduktion des innerstädtischen Autoverkehrs vor. Realistisch betrachtet muss man aber sagen, dass die Autos nicht über Nacht aus den Städten verschwinden werden. Man kann aber sukzessive dafür sorgen, dass sie bis dahin zumindest nicht die Luft verpesten. Und hier ist der Ausbau von Lademöglichkeiten für Elektroautos ein wesentlicher Faktor, um Anreize zu schaffen, auf den Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren zu verzichten.“

Gehen wir doch darauf gleich genauer ein: Wie sieht denn das Konzept zu diesem Ladestations-Ausbau derzeit aus?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Zugrunde liegt dem gesamten Ausbau ein mehrphasiger Projektplan, der in der ersten Phase damit begonnen hat, dass in jedem Bezirk zumindest fünf Ladestationen errichtet wurden. In der zweiten Phase war es wichtig, in die Fläche zu gehen, was uns in den kleineren Bezirken auch gut gelungen ist. Jetzt sind wir gerade mitten in der dritten und damit letzten Phase, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Ziel für das Jahr 2020 ist es, nun auch in den größeren Bezirken flächendeckend E-Ladestationen zur Verfügung zu stellen und punktuell zu verdichten. Noch bis Ende des Jahres wird die Anzahl der Ladepunkte von derzeit 650 in Wien auf 1000 erhöht werden. Das bedeutet: 500 eigenständige Ladestationen. Das ist wichtig zu betonen, weil nämlich „Ladepunkte“ und „Ladestation“ gerne verwechselt werden. Bei den öffentlichen Ladestation sind es immer zwei Ladepunkte. Sprich: Noch 2020 verfügt Wien im öffentlichen Raum über 1000 Ladepunkte an 500 Ladestationen.“

Das gesamte Projekt ist sehr ambitioniert. Ich kann mir vorstellen, dass im Zuge eines solchen mehrjährigen Ausbaus durchaus auch Herausforderungen auf Wien Energie gewartet haben?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Natürlich, aber man muss auch dazu sagen, dass wir an diese durch die gute Zusammenarbeit mit den Wiener Netzen sehr konstruktiv herangehen können und damit immer gute Lösungen finden. Da die Ladestationen direkt am Niederspannungsnetz hängen, werden sie auch von den Wiener Netzen errichtet, was viel Koordination erfordert. Ich habe täglich mehrmals telefonischen Kontakt mit dem zuständigen Kollegen der Wiener Netze und so geht das Projekt wirklich zielführend Hand in Hand.“

Sie sprechen die Baustellen an sich als Herausforderung an?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Ja, denn wir können nicht einfach überall, wo es gerade passen würde, eine Ladestation bauen. Abgesehen von den Mitgestaltern in der Stadt, müssen im ersten Schritt die Wiener Netze überprüfen, ob die technischen Voraussetzungen überhaupt gegeben sind, also ob der Ausbau an einer bestimmten Stelle netztechnisch prinzipiell funktioniert. Aber es ist nicht nur das – wir wollen ja nicht den gesamten Bezirk umgraben und dabei vor allem verhindern, dass sich Straßenbauprojekte im Weg sind und Chancen nützen, wenn irgendwo sowieso gegraben wird. Hier geht es vor allem darum, Kosten zu sparen und die Belastung für die Anwohnerinnen und Anwohner klein zu halten. Andererseits gibt es viele berechtigte Interessen im öffentlichen Raum und die gilt es auszutarieren. All dies erfordert sehr viele Gespräche und Koordinationsarbeit.“

So weit zu den aktuellen Herausforderungen. Wird es in Zukunft weitere dieser Herausforderungen im Hinblick auf den Ausbau von E-Ladestellen geben?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Ich denke, ja, denn ein flächendeckendes Netz an Ladestationen im öffentlichen Raum ist einerseits eine ganz wichtige Grundvoraussetzung, um die E-Mobilität attraktiv zu gestalten. Gleichzeitig stehen wir dabei andererseits vor der großen Herausforderung, dass man ja in einer großen lebenswerten Stadt auch nicht möchte, dass sie mit Ladestationen regelrecht zugepflastert wird. Der öffentliche Raum bleibt in großen Städten ein knappes und wertvolles Gut – und so geht es letztlich darum, dass die Autos in Zukunft vermehrt dort geladen werden, wo sie auch stehen. Das wiederum heißt, dass die E-Ladesituation vor allem im Wohnbau mitgedacht werden muss.“

Wie werden denn die bisher vorhandenen Ladestationen in Wien überhaupt genutzt?

Paul Gredler-Oxenbauer: „Wir sehen, dass die Stationen vor allem innerstädtisch sehr gut angenommenen werden. Wir wissen aufgrund der Förderstruktur, dass es vor allem Firmenwägen sind, die derzeit mit elektrischem Antrieb in Wien und im Wiener Umland herumfahren. Das erklärt auch, warum wir mehr Ladungen unter der Woche verzeichnen als am Wochenende. Man sieht im Ladeverhalten auch, dass vor allem zu Arbeitsbeginn zwischen 08.00 und 09.00 Uhr bzw. zu Terminzeiten Spitzen an Ladungen zu verzeichnen sind. Besonders gut frequentiert sind dabei beispielsweise die Ladestationen beim Burgtheater, am Schwedenplatz oder jene vor der Technischen Universität. Es sind aber nicht allein derlei Informationen, die uns interessieren, sondern vor allem lernen wir sehr viel aus dem Ausbau der Ladestationen selbst. In der ersten Projektphase haben wir etwa gelernt, dass bestimmte Stationen baulichen Schutz benötigen. An manchen Stellen gab es beispielsweise mehrere Schäden durch ausparkende Fahrzeuge. Da heißt es dann nachrüsten und absichern – wenn man weiß, worauf man achten muss, lässt sich von außen erkennen, welche Stationen 2018 errichtet wurden und welche danach.“  

Fotocredit: Wien Energie
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Foto: © Wien Energie


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