Der Profi in Sachen nachhaltig bauen sowie Passivhaus-Experte Günter Lang bei einem seiner internationalen Vorträge – er glaubt an nachhaltig Utopien trotz Denkmalschutz. Fotocredit: © LANG consulting
Der Profi in Sachen nachhaltig bauen sowie Passivhaus-Experte Günter Lang bei einem seiner internationalen Vorträge – er glaubt an nachhaltig Utopien trotz Denkmalschutz. Fotocredit: © LANG consulting
Günter Lang ist der Profi, wenn es um den Bau von Niedrigstenergiegebäuden und um nachhaltige Sanierungen geht. Dass diese auch bei denkmalgeschützten Objekten nicht nur möglich, sondern sogar die kostengünstigsten Varianten sind, hat er durch seine Mitarbeit an der Machbarkeitsanalyse zur Sanierung des Otto-Wagner-Areals eindrucksvoll bewiesen.

Wer mit Günter Lang, Geschäftsführer von LANG consulting, ins Gespräch kommt, der merkt nach nur wenigen Momenten: Nachhaltigkeit ist für den Passivhaus-Experten keine auf den Zeitgeist aufgebaute Marketingstrategie, sondern viel eher eine deutlich spürbare Herzensangelegenheit. „Unsere Generation hat bisher den Planeten massiv geschädigt. Es ist höchste Zeit, das wieder gut zu machen, um nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Wo ein Wille, da ein Weg“, wird uns der Passivhaus-Profi im folgenden Interview seine Motivation erklären. 

Dass es vor allem den Willen braucht und es nicht an potenziellen Wegen fehlt, hat er gemeinsam mit der Schöberl & Pöll GmbH, der Central European University (CEU), der TU Wien – Institut für Architektur und Entwerfen und der OeAD student housing in einer kürzlich veröffentlichten Machbarkeitsanalyse zur zertifizierten Plus-Energie-Quartier-Sanierung des denkmalgeschützten Otto-Wagner-Areals bewiesen. Wir haben mit dem Passivhaus-Pionier, der das älteste zertifizierte Passivhaus Österreichs errichtet hat und bewohnt, über die Inhalte der Machbarkeitsanalyse und über die Weiterführung des Kerngedankens von Otto Wagner gesprochen, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem 70 Hektar großen Areal „Am Steinhof“ mit seinen charakteristischen Pavillon-Bauten ein mittlerweile denkmalgeschütztes und weltweit bekanntes Jugendstil-Juwel geschaffen hat. 

Sie haben für die gemeinsame Machbarkeitsanalyse untersucht, ob die 63 Gebäude des Otto Wagner-Areals mit einer Brutto-Grundfläche von ca. 180.000 m² auch im Hinblick auf Energieeffizienz zu annehmbaren Kosten saniert werden könnten. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Lang: „Im Grunde ging es bei der Machbarkeitsstudie in erster Linie darum, zu zeigen, dass die architektonische Erhaltung des denkmalgeschützten Viertels möglich ist, auch wenn die Sanierung für das gesamte Areal nachhaltig energieeffizient gestaltet wird. Wir wollten also zeigen, dass die nachhaltige Umsetzung der notwendigen Maßnahmen auch im Hinblick auf die durch den Denkmalschutz erschwerten Bedingungen machbar ist. Ob das auch auf die wirtschaftlichen Anforderungen zutrifft, war dabei nicht von Anfang an klar. Das ist auch gut so, denn ich bin der Meinung, dass das Ergebnis nicht bereits im Vorfeld feststehen sollte, wenn man Forschung betreibt. Umso überraschter waren wir dann nach Abschluss unserer Untersuchungen, dass wir damit nicht nur die technische Umsetzbarkeit nachweisen konnten, sondern gleichzeitig belegen konnten, dass sie sogar die kostengünstigste Variante ist.“ 

Wie ist es denn überhaupt zu den Überlegungen und Hypothesen für die Machbarkeitsanalyse gekommen bzw. inwieweit ist dieses Thema für Sie persönlich relevant?

Lang: „Mein Zugang zu nachhaltig gedachten Gebäuden ist sowohl ein professioneller als auch ein persönlicher. Ich habe vor 21 Jahren Österreichs erstes zertifiziertes Passivhaus geplant sowie umgesetzt, und wohne heute darin. Das heißt, ich erlebe den dramatischen Unterschied zwischen konventionellen und nachhaltig gedachten Gebäuden ganz persönlich vor allem in der Wohnqualität. Die Energieeinsparung und die damit geringen Kosten werden im Passivhaus beinahe zur Nebensache, weil der Komfortgewinn so groß ist. Den spürt man tagtäglich rund um die Uhr und nicht nur, wenn die günstigere Strom- und Heizungsrechnung im Postkasten liegt. Dieser Komfortgewinn ist auch schwierig monetär zu bewerten. Vor allem in unserer gewinnorientierten Welt dreht sich aber alles nur um Geld. Umso mehr freut es mich, dass es uns in der Machbarkeitsstudie auch gelungen ist, diesen Komfortgewinn und verbesserte Gesundheitsaspekte, wie z.B. höhere Produktivität oder verminderte Krankenstandstage, erstmals durch die Arbeit der CEU mit einem monetären Wert zu beziffern.“

Mit der Machbarkeitsstudie wollte man zeigen, dass die architektonische Erhaltung des denkmalgeschützten Viertels trotz nachhaltig energieeffizient gestalteter Sanierung möglich ist. Fotocredit: © LANG consulting
Mit der Machbarkeitsstudie wollte man zeigen, dass die architektonische Erhaltung des denkmalgeschützten Viertels trotz nachhaltig energieeffizient gestalteter Sanierung möglich ist. Fotocredit: © LANG consulting

Sie haben den Wohnkomfort in einem Passivhaus angesprochen. Inwiefern ist dieser ein anderer als in herkömmlichen Gebäuden?

Lang: „Dazu muss man sich erst einmal die sehr durchdachten Gebäudehüllen ansehen. Durch diese habe ich in einem Passivhaus rundherum Flächen, die alle thermisch sehr gut ausgeführt sind. Dadurch ist es im Winter nicht kalt und im Sommer nicht so heiß. Insgesamt erzeugt das ein sehr komfortables Innenraumklima. Der Unterschied wird bei der Betrachtung eines Extrembeispiels noch deutlicher: Stellen Sie sich einen alten Bauernhof vor, wo in der Stube alle beim Esstisch um den Kachelofen versammelt sitzen: Das bedeutet oft glühend heiße Gesichter, aber am Rücken ist es ordentlich zugig. Genau das Gegenteil ist beim Passivhaus der Fall. Dafür entscheidend ist auch die sogenannte Komfortlüftung, die sowohl bei privaten Bauherren als auch bei großen Bauunternehmen immer wieder der größte Bedenkenträger ist. Die Sorge ist, die Fenster nicht öffnen zu können und dass es sich bei der Komfortlüftung um eine Art Klimaanlage handeln würde. Das stimmt aber nicht. Natürlich kann man die Fenster öffnen. Wir bestehen beim Planen auch darauf, sie öffenbar auszuführen. Aber die Notwendigkeit dazu ist nicht mehr gegeben. Das bringt mehrere Vorteile mit sich: Im Sommer muss ich die Hitze nicht reinlassen, wenn ich frische Luft bekommen will, gleichzeitig habe ich dadurch weniger Insekten im Haus. Das wichtigste ist, dass man im Passivhaus aber vor allem eine dramatisch bessere Luftqualität genießt. Die wird technisch am CO2-Gehalt gemessen. Das ist durch die Pandemie noch einmal in den Vordergrund gerückt.“ 

Welche Bedeutung hat dieser CO2-Gehalt in Wohnräumen?

Lang: „Die WHO – die Weltgesundheitsorganisation – hält fest, dass der CO2-Wert unter 1.500 ppm in Innenräumen betragen soll – das ist der derzeit festgesetzte Grenzwert. Der ist aber um 50 Prozent höher, als der Wert, den Prof. Max von Pettenkofer – Deutschlands erster Hygieniker – im 19. Jahrhundert bereits als bedenklich festgestellt hat. Er kam zu dem Schluss, dass es zu einer Vielzahl von,Volkskrankheiten’ kommt, wenn der CO2-Gehalt in den Wohnräumen über 1.000 ppm steigt, weshalb künstliche Ventilation zu installieren ist. Dieser Wert wurde in geschlossenen Räumen allerdings nie unterschritten, weshalb man den Grenzwert durch die WHO einfach höher angesetzt hat. Schon vor 20 Jahren haben Untersuchungen mittels Serienmessungen der CO2-Konzentration in 110 oberösterreichischen Schulklassen dramatische Grenzwertüberschreitungen aufgezeigt. Bis zum Ende des Schultages war der CO2-Gehalt selbst bei konsequentem Pausenlüften bis zum fünffachen des Grenzwertes überschritten. Oder drastischer ausgedrückt: Will man unter den gesundheitsbedenklichen Werten bleiben, müsste der Unterricht des Tages schon nach 20 Minuten wieder beendet werden. Dieser Messwert ist aber nur ein Parameter, bildet jedoch als Referenzwert auch sehr gut die Konzentration aller anderen Schadstoffe, die sich in der Innenraumluft befinden, gut ab. Denn jedes Material – angefangen vom Lippenstift übers Putzmittel bis hin zu den Möbeln – stößt permanent Schafstoffe ab, die sich im Raum anreichern. Während die Grenzwerte also ständig überschritten werden, halten sich die Leute heute zu 90 Prozent drinnen auf. Das begünstigt unserer Zivilisationskrankheiten. Durch die Komfortlüftung, die dafür sorgt, dass die Luft etwa alle zwei Stunden komplett ausgetauscht wird, bleibt der CO2-Gehalt im Passivhaus immer um die 800 ppm. Das führt auch dazu, dass es im Passivhaus keine Probleme mit Schimmel gibt und auch die Gefahr von COVID 19 Infektionen erheblich geringer sind.“

Das als Kranken- bzw. Heilanstalt konzipierte Otto-Wagner-Areal ist ca. 115 Jahre alt und wurde in dieser Zeit – wenn überhaupt – nur technisch, aber nie thermisch saniert. Fotocredit: © LANG consulting
Das als Kranken- bzw. Heilanstalt konzipierte Otto-Wagner-Areal ist ca. 115 Jahre alt und wurde in dieser Zeit – wenn überhaupt – nur technisch, aber nie thermisch saniert. Fotocredit: © LANG consulting

Das bringt mich zurück zu den Pavillons des Otto-Wagner-Areals: Können Überlegungen hinsichtlich des Innenraumkomforts und vor allem nachhaltige Baumaßnahmen auch bei historischen und denkmalwürdigen Gebäuden angestellt werden?

Lang: „Diese und andere Fragen waren unser Analyseausgangspunkt. Das Otto-Wagner-Areal, das von Haus aus immer als Kranken- bzw. Heilanstalt konzipiert war, ist jetzt rund 115 Jahre alt. In dieser Zeit kam es immer nur zu provisorischen Verbesserungsmaßnahmen. Einzelne Pavillons sind zwar bereits saniert worden, allerdings immer nur technisch, aber nie thermisch. Und das ist schon von zentraler Bedeutung, da der Energiebedarf natürlich gerade in dem Bereich enorm ist. Zum Beispiel benötigen die Kranken höhere Raumtemperaturen. Darum hat man sich 1959 auch dazu entschieden, die erste Müllverbrennungsanlage Österreichs genau in diesem Dreieck der großen Krankenanstalten Wilhelminenspital, dem Psychiatrischen Krankenhaus Baumgartner Höhe, der Lungenheilanstalt Baumgarten und  dem Hanusch-Krankenhaus zu bauen, um die Häuser mit Fernwärme zu versorgen. Um im Otto-Wagner-Spital die Wäsche reinigen und desinfizieren zu können, wurde die Fernwärme zunächst in der Umformerstation in Heißdampf umgewandelt und dann über das Hochtemperatur-Wärmenetz am Areal verteilt. Bei den einzelnen Pavillons wird der Heißdampf wieder auf rund 60°C umgewandelt, um damit die Gebäude beheizen zu können. Diese Leitungen sind heute völlig desolat. Alleine die Erneuerung dieser Wärme- und Kälte-Infrastruktur mit den weit auseinander liegenden Pavillons wäre sehr kostspielig. Daher war der Grundgedanke, dass eine große Neuansiedelung eine historische Chance wäre, das ganze Energiekonzept neu zu denken. Die Frage war also, ob es notwendig ist, die Fernwärmeleitungen zu erneuern, oder ob die Utopie wahr werden könnte, das gesamte Areal unter Einhaltung des Denkmalschutzes zu einem Plus Energie-Areal sanieren zu können. Dass diese nachhaltige Sanierung nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich kostengünstig umsetzbar ist, ist natürlich ein Hammer!“

Zu welchem Ergebnis sind Sie nun in der gemeinsamen Analyse konkret gelangt?

Lang: „Mit dem Team rund um ein renommiertes Bauphysikbüro, einem universitären Wohnraumverwalter für internationale StudentInnen, zwei Universitätsbetreibern und leitenden Expertinnen beim Thema Klimawandel ist eine breite Expertise in den verschiedenen Bereichen zur Verfügung gestanden, mit der wir im Austausch mit dem Bundesdenkmalamt arbeiten konnten. Es war ja für die Analyse wichtig, dass die von uns angedachten Sanierungsvorschläge auch bewilligt werden können. Das heißt, wir haben natürlich nicht auf Außendämmung der Fassade gesetzt, sondern Strategien für die Innendämmung untersucht. Beispielsweise haben wir Kalziumsilikat-Platten an der Innenseite der Außenmauern vorgesehen. Fast alle Gebäude des Otto-Wagner-Areals weisen Flachdächer auf. Um das architektonische Erscheinungsbild von Otto Wagner nicht durch eine 30 cm dicke Dämmung zu zerstören haben wir hier eine Vakuumdämmung empfohlen. Die Vakuumdämmung hat mit nur sechs cm die gleiche Dämmwirkung, wie sie mit herkömmlichen Materialen bei etwa 60 cm erreicht wird. Die Vakuumdämmung ist allerdings empfindlich und muss daher sehr sorgsam verarbeitet werden. Damit ist sie auch die teuerste Lösung. Aber selbst damit sind wir bei den Gesamtkosten günstiger geblieben als bei einer konventionellen Sanierung.“

Eine wichtige Maßnahme am Otto-Wagner-Areal wäre die komplette Erneuerung der doppelflügeligen Kastenstockfenster, die zum Großteil in einem desolaten Zustand sind.  Fotocredit: © LANG consulting
Eine wichtige Maßnahme am Otto-Wagner-Areal wäre die komplette Erneuerung der doppelflügeligen Kastenstockfenster, die zum Großteil in einem desolaten Zustand sind. Fotocredit: © LANG consulting

Haben Sie hier konkrete Zahlen, wie sich Ihre empfohlenen Maßnahmen auswirken würden?

Lang: „Ja, denn unser Ziel war, dass wir den Energieverbrauch der Anlage um 90 Prozent absenken wollten – trotz Denkmalschutz! Die dafür entscheidenste Maßnahme wäre die komplette Erneuerung der Fenster. Die bestehenden doppelflügeligen Kastenstockfenster, die mit der Fassade außenbündig abschließen, sind zum Großteil in einem desolaten Zustand. Aus Denkmalschutzsicht sollten die Fenster nur restauriert werden, aber selbst bei der besten Restaurierung werden wir nicht annähernd eine ähnliche energetische Qualität wie bei einer Erneuerung erreichen. Wir haben aber einen Hersteller gefunden, der auf historische Kastenstockfenster spezialisiert ist, die energetische Qualität auf höchstem Niveau bieten und bei denen man gleichzeitig nicht erkennt, dass es sich um neue Fenster handelt. Nur wenn man ganz genau schaut, würde man sehen, dass die Fenster bei den inneren Flügeln drei Scheiben anstatt einer haben. Und gleichzeitig hätten die Fensterstöcke eine viel längere Lebensdauer, wenn man sie professionell neu erstellt, als wenn man die alten restauriert. Die Bewilligung seitens des Denkmalamtes ist hier noch in der Schwebe. Derzeit gibt es den Konsens, dass zwei Fenstermuster erstellt und geprüft werden, aufgrund derer das Denkmalamt schließlich seine Bewertung abgeben wird.“

Wie könnte aus dem Otto-Wagner-Areal ein ganzes Plus-Energie-Quartier werden?

Lang: „Der erste Schritt zum Plus-Energie-Quartier ist, den Energiebedarf drastisch zu verringern. Der nächste Schritt ist dann zu entscheiden, welche Energieform die beste ist, um diesen reduzierten Wärme- und Kältebedarf zu decken. Wir haben dafür am Areal viele verschiedene Varianten untersucht und sind zu einem effizienten Wärmepumpen-System über oberflächennahe Erdwärme-Kollektoren und Tiefensonden als am besten geeigneten Lösungsvorschlag gekommen: Bei den meisten Pavillons, bei denen die Gartenanlage eine großzügige ist und es der Baumbestand zulässt, wäre es möglich, sogenannte Ringgrabenkollektoren zu verlegen, mit denen kostengünstig Erdwärme gewonnen werden kann. Bei jenen Pavillons, wo die Gartenanlage und der Baubestand dies nicht zulässt, würden Tiefenbohrungen zum Einsatz kommen. In Summe ist diese Erdwärmevariante wesentlich effektiver und kostengünstiger als eine komplette Erneuerung der Fernwärme- und Fernkälte-Infrastruktur. Dadurch sparen wir wiederum ein, was bei der Gebäudesanierung an Mehrkosten entsteht.“ 

Und wie soll der Strom für das gesamte Areal erzeugt werden ?

Lang: „Auf den verfügbaren Flachdächern bietet sich für die Photovoltaiksysteme ein Potential von über 5.200 GWh an. Die Systeme würden möglichst flach geneigt aufgelegt werden, damit die Architektur nicht gestört wird. Dem hat auch das Bundesdenkmalamt zugestimmt, außer bei zwei, drei Pavillons, deren Dächer direkt von der Kirche Am Steinhof einsehbar sind. Damit wäre nicht nur der Strombedarf für Heizen, Kühlen, Warmwasser und Gebäudetechnik am Areal gedeckt, sondern im Idealfall würde damit auch der Nutzerstrom gespeist werden. Es besteht sogar die Chance, mit der sauber vor Ort gewonnenen Solarenergie noch die Mobilität am Areal abdecken zu können. Ursprünglich gab es am Otto Wagner-Areal ja eine eigene elektrisch betriebene Materialbahn, mit der zum Beispiel die Wäsche oder das Essen für die Kranken angeliefert wurde. Man könnte sagen, da denken wir wieder ,back to the roots’, indem wir schauen, wie eine elektrisch betriebene Mobilität am gesamten Areal möglich ist, für welche die Energie im Idealfall sogar noch autark nachhaltig produziert wird.“

Bei der Umsetzung der Vorschläge kommt es jetzt auf die Bedürfnisse und Entscheidungen der unterschiedlichen Besitzer und Nutzer des Areal, das so groß wie der achte Bezirk ist, an. Fotocredit: © LANG consulting
Bei der Umsetzung der Vorschläge kommt es jetzt auf die Bedürfnisse und Entscheidungen der unterschiedlichen Besitzer und Nutzer des Areal, das so groß wie der achte Bezirk ist, an. Fotocredit: © LANG consulting

Das klingt ja alles ganz großartig. In der Theorie zeigt sich also, dass eine nachhaltige Umstrukturierung eines so großen denkmalgeschützten Areals keine Utopie bleiben muss. Was heißt das jetzt für die Praxis? 

Lang: „Die aktuelle Herausforderung ist, dass das Areal im Grunde so groß wie der achte Bezirk ist und dementsprechend unterschiedliche Besitzer und Nutzer zu Wort kommen und mitentscheiden. Wir haben für die Studie das gesamte Areal mit all seinen Gebäuden und verschiedenen Nutzungsarten mit ganz unterschiedlichen energetischen Bedürfnissen berücksichtigt. Und wir konnten die Wirtschaftlichkeit sogar ohne Berücksichtigung von diversen Förderungen nachweisen, die für nachhaltige Sanierungen möglich sind. Nun liegt der Ball bei den verschiedenen Entscheidungsträgern, diese historische Chance für die Stadt Wien als erste Stadt weltweit, wie für die CEU mit dem weltweit ersten Plus-Energie-UNI-Campus in einem denkmalsgeschützten Quartier, neue Maßstäbe für eine lebenswerte Zukunft zu setzen.“

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse der Machbarkeitsanalyse für Sie persönlich?

Lang: „Mit ging es vor allem darum, folgendes aufzuzeigen. Seht her: Wenn nachhaltige Sanierung auch unter diesen erschwerten Bedingungen möglich sowie wirtschaftlich am günstigsten umzusetzen ist, dann will ich keine Diskussionen mehr darüber haben, wohin die Reise in künftigen baulichen Belangen und Sanierungsmaßnahmen gehen soll. Wir haben Klimaziele zu erreichen. Punkt. Unsere aktuellen Klimaschutzmaßnahmen sind weit davon entfernt, von dem, wo wir hin müssen. Das muss rasch angepasst und geändert werden. Selbst mein Passivhaus habe ich vor 21 Jahren günstiger gebaut, als damals der gängige Standard kostete. Man muss sich nur das Unmögliche trauen. Dann stellt man fest, dass das oft viel günstiger möglich ist, als wenn man immer nur Kompromisse eingeht. Wir haben die Studie daher auch aus Verantwortung gegenüber unseren Kindern und den nächsten Generationen gemacht: Unsere Generation hat den Planeten bisher massiv geschädigt. Es ist höchste Zeit, das wieder gut zu machen, um nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Für diesen Weg ist technisch bereits alles vorhanden. Wir brauchen nur den Willen, diese Trendwende mit den dafür vorhandenen, relativ einfachen Maßnahmen auch zu gehen!“ 

Fotocredits: © LANG consulting


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