Fotocredit: Energieleben Redaktion
Fotocredit: Energieleben Redaktion
Unser heutiger Profi Josef Gradl arbeitet in der Wasserkraft-Abteilung von Wien Energie und kümmert sich dort um die Entwicklung und Umsetzung von Wasserkraftwerken. Getroffen haben wir ihn bei der Wasserkraftschnecke auf der Donauinsel.

Nur drei Minuten von der U2-Station Donaustadtbrücke entfernt, befindet sich die Wehranlage 1 auf der Donauinsel. Hier genießen Wienerinnen und Wiener den sonnigen Nachmittag auf dem Fahrrad, bei Spaziergängen oder sogar über dem Wasser beim Wakeboarden. In diese Idylle perfekt integriert, erzeugt die Wasserkraftschnecke von Wien Energie, in einer Kooperation mit den Wiener Gewässern und der Europäischen Union, sauberen Strom.

Wie ist das Projekt hier entstanden?

Die Wasserkraftschnecke ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wien Energie und der MA45 für Wiener Gewässer. Sie wurde zudem mit Geldern der Europäischen Union gefördert. Die dahinterstehende Idee ist, dass die Neue Donau, die ein geniales Hochwasserschutzsystem ist, Wien vor großem Schaden bewahrt, wie bei den letzten Hochwässern 2002 und 2012. Dieses System braucht einen konstanten Wasserspiegel und hier bei der Wehranlage 1 besteht ein Höhenunterschied von ungefähr vier Metern und dieses Gefälle kann elektrisch genutzt werden. Das passiert in unserer Wasserkraftschnecke.   

Die Wasserkraftschnecke wird auch liebevoll "Schneckerl" genannt. Fotocredit: Energieleben Redaktion
Die Wasserkraftschnecke wird auch liebevoll „Schneckerl“ genannt. Fotocredit: Energieleben Redaktion

Seit wann ist die Wasserkraftschnecke im Einsatz?

Die Wasserkraftschnecke wurde 2016 errichtet und produziert seit 2017 Ökostrom für die Wiener Haushalte. 

Wie erzeugt sie Energie?

Hier bei der Wehranlage 1 wird das Wasser der Neuen Donau aufgestaut. Dann wird es über einen Zulaufkanal zur Wasserkraftschnecke weitergeleitet, wo diese Schnecke mit einer Umdrehungszahl von circa 22 Umdrehungen pro Minute in Bewegung gesetzt wird. Diese Drehbewegung wird über ein Getriebe auf circa 1000 Umdrehungen pro Minute gesteigert und im Generator Strom erzeugt. Dieser Strom wird dann weiter in das Wiener Netz eingeleitet.

Wie viele Haushalte kann die Schnecke versorgen?

Die erzeugte Strommenge beträgt rund 400 000 KWh pro Jahr und damit können rund 120 Wiener Haushalte versorgt werden.

Über das dicke schwarze Kabel wird der erzeugte Strom in das Wiener Netz eingespeist. Fotocredit: Energieleben Redaktion
Über das dicke schwarze Kabel wird der erzeugte Strom in das Wiener Netz eingespeist. Fotocredit: Energieleben Redaktion

Was sind die Vorteile von Wasserkraft?

Ungefähr zwei Drittel des österreichischen Strombedarfs werden aus Wasserkraft erzeugt. Der große Vorteil der Wasserkraft ist, dass sie fast jederzeit zur Verfügung steht: Wetterunabhängig, bei Tag oder bei Nacht funktionsfähig, bei Regen und bei Wind. Dadurch kann die Basisabdeckung des Strombedarfs für Österreich gewährleistet werden.

Gibt es noch mehr von ihrer Art?

Unsere Wasserkraftschnecke hier auf der Donauinsel ist nicht alleine – sie hat bei der Hauptkläranlage einen Zwilling. Dort wird beim Rückfluss des gereinigten Wassers in die Donau das Gefälle genutzt und mit einer ähnlich großen Schnecke Energie erzeugt.

Hier ist die Wasserkraftschnecke zu Hause. Fotocredit: Energieleben Redaktion
Hier ist die Wasserkraftschnecke zu Hause. Fotocredit: Energieleben Redaktion

Wie wurde das Kraftwerk von Wienerinnen und Wienern aufgenommen?

Ich bin überzeugt, dass die Wienerinnen und Wiener die Wasserkraftschnecke sehr gut und sehr positiv aufgenommen haben. Das zeigt sich dadurch, dass die Menschen, die hier vorbeikommen, auch immer gerne einmal stehen bleiben und einen Blick auf dieses kleine Gebäude werden, das sich sehr gut in die bestehende Anlage integriert. Zudem gibt es beim Eingang eine Informationstafel, wo man sich noch weiter informieren kann.

Die Wehranlage 1 auf der Neuen Donau. Fotocredit: Energieleben Redaktion
Die Wehranlage 1 auf der Neuen Donau. Fotocredit: Energieleben Redaktion

Welche Wasserkraftprojekte gibt es aktuell von Wien Energie?

Wien Energie betreibt neben dieser Wasserkraftschnecke auf der Donauinsel noch weitere Kraftwerke in Wien. Das sind unter anderem die Auslaufturbine beim Kraftwerk in Simmering, wo das Kühlwasser zurück in den Donaukanal geleitet wird, und dann gibt es noch Beteiligungen beim Kraftwerk Nußdorf und beim Kraftwerk Freudenau. Rund um Wien betreibt Wien Energie Kraftwerke in Niederösterreich und vor allem in der Steiermark. Wir sind sehr engagiert, noch weitere Kraftwerke zu errichten und zu betreiben.

Bemerken Sie ein steigendes Interesse an erneuerbaren Energien?

Ja, absolut! Durch die zunehmende Diskussion zum Thema Klimawandel und die Sensibilisierung der Bevölkerung zu diesem Thema, werden erneuerbare Energien immer interessanter. Zudem hat die Stadt Wien einen ambitionierten Klimaschutzplan, dass bis 2040 eine CO2-Neutralität erreicht wird. Dazu brauchen wir erneuerbare Energien. Wien Energie kann hierzu einen großen Anteil leisten und das freut mich.

Worauf sind Sie bei Ihrer Arbeit besonders stolz?

Wenn unsere Wasserkraftwerke, die nicht nur technisch einwandfrei funktionieren, sondern auch naturverträglich errichtet werden können. Und wenn die Wasserkraftwerke nach mir noch für viele Generationen, und wir reden hier von Nutzungsdauern von bis zu 100 Jahren, Strom produzieren. Dann bin ich ein bisschen stolz!

 

 

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