Josef Gradl Wien Energie
Josef Gradl Wien Energie
Wien Energie baut in Aigen im Ennstal ein Kleinwasserkraftwerk, das 5000 Haushalte mit Strom versorgen wird. Projektleiter Josef Gradl im Interview.

Wien Energie baut in der Steirischen Gemeinde Aigen im Ennstal ein Kleinwasserkraftwerk, das 5000 Haushalte mit Strom versorgen wird. Mit seinen 4,1 Megawatt Leistung wird ein neues Kleinwasserkraftwerk die Gemeinde mit Strom versorgen. Wien Energie-Projektleiter Josef Gradl spricht im Interview über die Vorteile und darüber, wie der Standort ausgewählt wurde.

Warum entsteht ein Kleinwasserkraftwerk in Aigen im Ennstal?

Das Kraftwerksprojekt wurde seit dem Jahr 2006 entwickelt und 2014 genehmigt. Wien Energie kaufte das Projekt 2017 und begann unmittelbar danach mit der Errichtung. Die Fertigstellung ist im Mai 2019 geplant. Auch die Gemeinde Aigen unterstützt das Projekt nach Kräften.

Was wird das neue Kleinwasserkraftwerk in Aigen im Ennstal leisten?

Das Kleinwasserkraftwerk wird 5.000 Haushalte in der Region mit sauberem Strom ganzjährig versorgen. Auch auf den Umweltschutz und den Lebensraum der Fische wurde bei der Errichtung großer Wert gelegt. Die Fischwanderung wird durch eine Fischaufstiegshilfe ermöglicht. Das Kraftwerk spart rund 13.000 to pro Jahr CO2 ein. Die Anlage hat eine Leistung von 4,1 Megawatt und eine Stromproduktion von 17.000 Megawattstunden. Es handelt sich um ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk. Das Wasser der Gulling (Zubringer der Enns) wird durch eine Wehranlage gefasst und über eine 3,4 Kilometer lange Druckrohrleitung zum Kraftwerk geleitet. Unterhalb des Kraftwerks fließt das Wasser wieder zurück in die Gulling. Die Druckrohrleitung besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und hat einen Durchmesser von 1600 bis 1800 Millimeter. Im Kraftwerk selbst produzieren zwei Francisturbinen und eine Peltonturbine Ökostrom aus Wasser.

Was spricht für den Standort, was für Kleinwasserkraftwerke?

Der Standort Aigen im Ennstal weist eine ausreichende Wassermenge und eine große Fallhöhe auf. Zudem ist die Anbindung ans Stromnetz einfach möglich. Kleinwasserkraft liefert mit rund zehn Prozent einen erheblichen Anteil an erneuerbarem Strom in Österreich. Kleinwasserkraftwerke können bei ausgewogener technischer und ökologischer Planung gut in die Natur integriert werden und haben geringere Auswirkungen auf die Natur und das lokale Umfeld als Großkraftwerke. Generell arbeiten wir in Aigen im Ennstal sehr eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Die ausführenden Firmen stammen großteils aus der Region, sodass auch die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Welche Auflagen sind mit dem Bau verbunden?

Bei Errichtung eines Kraftwerks müssen die versiegelten Flächen mit sogenannten ökologischen Ausgleichsflächen ausgeglichen werden. Diese Flächen werden von den zuständigen Behörden vorgegeben und betragen ein Mehrfaches jener Fläche, welche bebaut wird. Im konkreten Fall umfassen diese Flächen ungefähr zwei Hektar und werden künftig nicht mehr bewirtschaftet, sondern der Natur überlassen.

Wird in Aigen im Ennstal in die Natur eingegriffen?

Eingriffe in die Natur sind bei Wasserkraftwerken nicht zu vermeiden. Im gegenständlichen Projekt wurde durch eine entsprechende Planung der Eingriff so gering wie möglich gehalten. Die Druckrohrleitung wird in einer bestehenden Straße verlegt. Die Wehranlage steht in einem ehemaligen Steinbruchgebiet und das Krafthaus am Beginn einer Siedlung. Durch eine ausreichende Wasserabgabe in die sogenannte Restwasserstrecke zwischen Wasserfassung und Kraftwerk können die Auswirkungen auf das Ökosystem sehr gering gehalten werden. Die Fischaufstiegshilfe leistet hier wichtige Dienste in der Erhaltung des Lebensraums und im Schutz der Tierwelt.

Quelle: Energieleben Redaktion

Foto: Josef Gradl


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