Spanien hat sich in wenigen Jahren von einem Hochpreisland zu einem der günstigsten Großhandel-Strommärkte Europas entwickelt. Der Grund dafür liegt im massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie – und in einer Marktstruktur, die Strompreise zunehmend vom Gas entkoppelt. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Energieexperten Jan Rosenow von der Universität Oxford.
Erneuerbare dominieren den Strommix
Noch vor einem Jahrzehnt war Spanien stark von fossilen Energien abhängig. Heute ist das Bild völlig anders:
- Windkraft liefert rund 20 %,
- Photovoltaik rund 22 %,
- Kohle spielt praktisch keine Rolle mehr,
- Gas deckt nur noch etwa 19 % des Strommixes.
Diese Entwicklung hat Spanien zu einem der effizientesten und günstigsten Strommärkte Europas gemacht. In den ersten Monaten 2026 lag der durchschnittliche Großhandelspreis bei 44 €/MWh, während Italien 127 €/MWh und Deutschland 96 €/MWh zahlten.
Warum Spanien so günstigen Strom hat
Der entscheidende Faktor ist, wie oft Gas den Strompreis bestimmt. In Europas Strommarkt setzt die teuerste noch benötigte Erzeugungsform den Preis für alle – Stichwort Merit Order.
Rosenows Analyse zeigt:
- In Spanien bestimmt Gas nur in etwa 15 % der Stunden den Preis,
- in Italien dagegen in rund 90 % der Stunden .
Das bedeutet: Wenn Gaspreise z.B. durch geopolitische Krisen steigen, trifft das Spanien kaum, während andere Länder sofort höhere Stromkosten spüren.
Politische Entscheidungen beschleunigten den Wandel
Nach Jahren politischer Unsicherheit und dem „Impuesto al Sol“ hat Spanien ab 2018 seine Energiepolitik neu ausgerichtet:
- Genehmigungen für Wind und Solar wurden beschleunigt,
- Kohlekraftwerke wurden stillgelegt,
- Investitionen in erneuerbare Energien massiv erhöht.
Seit 2019 hat Spanien seine Wind- und Solarkapazität verdoppelt und erzeugt heute fast 60 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen .
Erneuerbare als Schutzschild in Krisenzeiten
Die Analyse zeigt deutlich: Spaniens erneuerbare Energien wirken wie ein „Preis-Schutzschild“. Während die Hormus‑Krise die Gaspreise in Europa um mehr als 50 % steigen ließ, zahlten spanische Verbraucher zeitweise nur 14 €/MWh, während Deutschland, Frankreich und Italien über 100 €/MWh lagen .
Rosenow beschreibt diesen Effekt als strukturelle Entkopplung vom Gasmarkt.
Was andere Länder daraus lernen können
Spanien zeigt, dass ein schneller Ausbau erneuerbarer Energien nicht nur Klimaschutz bedeutet, sondern auch:
- geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen,
- stabile Strompreise,
- höhere Energieautonomie,
- Wettbewerbsvorteile für Unternehmen.
Andere europäische Staaten können diesen Weg jedoch nicht einfach 1:1 kopieren. Gründe sind unter anderem:
- geringere Sonneneinstrahlung,
- langsamere Genehmigungsverfahren,
- höhere Abhängigkeit von Gasimporten,
- fehlende politische Kontinuität.
Spanien: Ein europäisches Erfolgsmodell
Spanien hat in nur acht Jahren eine bemerkenswerte Energiewende vollzogen. Der Mix aus starkem Ausbau von Wind und Solar, einer stabilen Nuklearbasis und einer Marktstruktur, die Gas selten preisbestimmend werden lässt, macht das Land heute zu einem der günstigsten und resilientesten Strommärkte Europas.
Rosenows Analyse zeigt: Erneuerbare Energien sind nicht nur Klimapolitik, sie sind Wirtschaftspolitik, Sicherheitsstrategie und ein Schutz vor globalen Energiekrisen.
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