Professor Grätzel erhielt den Millenium-Technologiepreis, den „inoffiziellen Nobelpreis für Ingenieure“ für seine Farbstoff-Solarzellen von der Stiftung „Technology Academy“ in Finnland. Sein Verfahren stellt eine Alternative zu den leider nicht den…

Professor Grätzel erhielt den Millenium-Technologiepreis, den „inoffiziellen Nobelpreis für Ingenieure“ für seine Farbstoff-Solarzellen von der Stiftung „Technology Academy“ in Finnland. Sein Verfahren stellt eine Alternative zu den leider nicht den Nachhaltigkeitskriterien entsprechenden Silizium-Solarzellen dar.

 

Bisher ist Solarstrom keine wirklich nachhaltige Art der Energieerzeugung

 

Strom aus Siliziumzellen fristet mit etwa 3,5% Anteil an der Stromerzeugung trotz großer Anstrengungen der Politik und der Industrie immer noch ein Schattendasein unter den alternativen Energieformen. Es ist zwar für manchen Anleger noch lukrativer, sein Geld für 7-9% Rendite aufs Dach zu legen, als es einer Bank anzuvertrauen, aber ein Risiko bleibt. Immer öfter wird der Sonnenstrom, aus immer größeren Solarparks nicht gebraucht, da nun einmal dann am meisten Strom aus Sonnenlicht gewonnen wird, wenn der Bedarf am geringsten ist. Die Pleiten der beiden Solarenergieriesen Solon und Solar Millenium zeigen, dass auch die Wertschöpfungskette immer mehr durchbrochen wird, weil im Ausland die Zellen billiger hergestellt werden. Hinzu kommt, dass bisher noch kein Solar-KWK-System (Kraft-Wärme-Kopplung) auf dem Markt ist und immer nur entweder Strom oder Wärme aus Sonnenstrahlung erzeugt wird. Ungeklärt ist auch noch, wie einmal die Entsorgung der aufwändig hergestellten Paneele geschehen soll, ob die Hersteller, besonders die in Fernost bereit sind, diese zurückzunehmen und komplett wieder zu verwenden.

 

Strom aus Fruchtsaft ist eine geniale Erfindung – der Natur

 

Das Verfahren des Schweizer Professors Grätzel (gebürtiger Sachse) ist der Natur abgeschaut. Er hat mit einfachsten, natürlichen Mitteln die Photosynthese nachgebaut und mit seiner Farbstoff-Solarzelle ein billiges Verfahren entwickelt, das vielseitig einsetzbar ist. Besonders interessant ist der Einsatz auf flexiblen Folien. Solarfolien auf Taschen appliziert liefern den Strom für das Handy oder einen MP3-Player. Unsichtbare Folien auf dem Dach, auf die geschwungenen Pfannen aufgebracht versorgen Häuser mit Sonnenstrom. Sogar als Beschichtung auf Möbeln, Autokarosserien, ja auf Flugzeugen sind denkbar, da nur Licht gebraucht wird, um die Photosynthese in Gang zu setzen.

Am Interessantesten ist jedoch eine Kombination aus Strom- und Wärmeerzeugung, also aus Photovoltaik und Solarthermie. Ein Solarpaneel, zum Beispiel aus einfachen Doppelstegplatten, deren Hohlräume von Wasser durchflossen sind würde ein Haus mit Wärme und Strom versorgen können. Eine derartige KWK-Solarplatte war bisher noch zu aufwändig, könnte mit den einfach herzustellenden und flexiblen Solarfolien sehr einfach hergestellt werden. In jedem Fall sollte es möglich sein, mit vielen kleinen lokalen Herstellern die Wertschöpfung mit dieser Technologie im Lande zu halten.

 

Es bleibt das grundsätzliche Manko – Solarstrom braucht die Sonne

 

Sonnenstrom in den Sonnenverwöhnten Ländern herzustellen ist sicherlich sinnvoll. Für die Länder der Mittsommernacht eher eine saisonale Alternative. In Mitteleuropa kann Solartstrom nur eine Ergänzung in kleinen Portionen sein, da eine flächendeckende Stromversorgung mit diesem Verfahren einen großen logistischen Aufwand für Speicherung und Lenkung der Energieflüsse benötigen würde. Der mögliche Erfolg rechtfertigt nicht den immensen Aufwand. So bleibt die direkte Nutzung der Sonnenenergie bei uns ein Verfahren für die spezielle Anwendung, ein Ersatz für Akku- oder Batteriebetriebene Geräte und Fälle, wo ein weiterer Aufwand für Speicherung oder Verteilung nicht erforderlich ist.

Bei uns wird nun einmal in erster Linie Wärme gebraucht (51% des Gesamtenergiebedarfs), dann Energie für den Verkehr (28%) und dann erst für Strom (21%). In den Haushalten sind es gar 83% für Wärme und nur 17% für Strom. Den meisten Strom benötigen wir dann, wenn die Sonne verschwunden ist und ob das Elektroauto mittelfristig den Verbrennungsmotor ersetzt ist sehr ungewiss. Allein den vorhandenen Fahrzeugpark zu ersetzen wird mehr als ein Jahrhundert brauchen. Da wird es eher gelingen, den erforderlichen Treibstoff aus natürlichen Quellen herzustellen und auf Benzin um Diesel aus Erdöl komplett zu verzichten.

 

Pflanzen speichern Sonnenenergie für uns

 

Ingenieure fahnden nach Speichermöglichkeiten für den überflüssig erzeugten Strom aus Wind und Sonnenlicht. Die Natur hält diesen Speicher längst für uns, zur Verwendung nach Belieben bereit: die Pflanzen. Aus diesen die erforderliche Energie, nachhaltig und Bedarfsgerecht zu gewinnen, sollte Ziel der Bemühungen der Zukunft sein. Zusätzlich können wir jederzeit und an jedem Ort auf die Wärme im Bauch unseres Planeten zurückgreifen. Für Spielereien, die vielleicht wertvolle Zeit, Kapital und Ressourcen binden und am Ende nur wenigen – Konzernen – dienen, ist eigentlich zu wenig Zeit vorhanden. Die Wende aus der völlig verfahrenen Lage, in die unsere Industriepolitik uns Menschen gebracht hat muss sehr viel schneller erfolgen, als das mit den bisher favorisierten Technologien möglich ist. Weniger Technik, mehr Blick auf die Verfahren, die die Natur längst erfunden hat scheint der erfolgversprechende Weg zu sein. Nicht nur Ingenieure können uns aus der Misere helfen, die Schöpfung hält alle Hilfsmittel schon bereit.

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