So wie auf diesem Bild kennen wir Kernkraftwerke. In Tschechien soll jetzt allerdings ein Mini-Atomkraftwerk entstehen. Fotocredit: © Joe/Pixabay
So wie auf diesem Bild kennen wir Kernkraftwerke. In Tschechien soll jetzt allerdings ein Mini-Atomkraftwerk entstehen. Fotocredit: © Joe/Pixabay
In Temelín soll das erste Mini-Atomkraftwerk in Europa gebaut werden. Die Region wurde bewusst für die Technologie der sogenannten SMR-Kraftwerke gewählt.

Sie ist eines der vielleicht meist diskutierten Themen im Energiebereich: Atomkraft. Einige Stimmen bezeichnen sie als nachhaltig, da sie kaum fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl benötigt. Wiewohl Studien belegen, dass Kernenergieprogramme tendenziell keine ausreichenden CO2-Emissionsminderungen liefern.

Andererseits gilt sie als potenzielle Bedrohung, da radioaktive Strahlung von Atommüll extrem gefährlich für Mensch, Tier und Umwelt ist. Das zeigten bereits die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 und zuletzt die Fukushima-Nuklearkatastrophe. Sie gab 2011 den Ausschlag dafür, dass Deutschland den Atomausstieg ankündigte.

Unmittelbar im Anschluss an die Katastrophe in Japan wurden bei unseren deutschen Nachbarn zahlreiche Atomkraftwerke abgeschaltet. Die drei letzten verbleibenden aktiven Atomkraftwerke in Deutschland werden Ende dieses Jahres heruntergefahren und spätestens im April 2023 ganz abgeschaltet. 

Mini-Atomkraftwerk weniger störanfällig

Während das eine Nachbarland also den finalen Atomausstieg vollzieht, plant ein anderes Nachbarland nun als erstes in Europa den Bau von neuen Atomkraftwerken. Allerdings in einer Art Miniaturvariante. Konkret will Tschechien das erste „Mini-Atomkraftwerk“ errichten lassen. Dabei handelt es sich um sogenannte SMR-Kraftwerke. Die Abkürzung steht für Small Modular Reactors. Noch ist nirgendwo auf der Welt ein solches Atomkraftwerk in Betrieb, weshalb die Technik im Grunde derzeit eigentlich noch graue Theorie ist.

In dieser Theorie sollen die Mini-Atomkraftwerke gleich mehrere Vorteile haben: Sie sollen schneller gebaut werden können und eben deutlich kleiner sein, wodurch die Zeit des Baus und die Kosten besser kalkulierbar gemacht werden sollen. Außerdem soll für die SMR-Technik kein Kühlwasser benötigt werden, was zum Beispiel potenziellen Problemen mit niedrigen Pegelständen in Flüssen vorbeugen soll.

Als weiteres Pro-Argument für die Mini-Kraftwerke gilt, dass für ihren Einsatz alte Brennstäbe quasi als Energiequelle wiederverwendet werden können und dass die SMR generell im Vergleich zu herkömmlichen AKW weniger störanfällig sein sollen. 

Kritik an Technologie von Mini-Atomkraftwerk

Es gibt allerdings auch Kritik an den SMR-Kraftwerken. Sie kommt beispielsweise vom deutschen Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), da bei dieser Technik bis zu zehntausende solcher Atomkraftwerke gebaut werden müssten, um entsprechende elektrische Leistung zu erreichen.

Eine Studie der Stanford University kommt außerdem zu dem Schluss, dass die Mini-Atomkraftwerke im Verhältnis wesentlich mehr Atommüll produzieren würden. Geplant ist die Umsetzung des Projekts in Tschechien in Temelín, wo der Nuklearpark Südböhmen entstehen soll.

Grund für den Standort ist der Umstand, dass es in Temelín bereits ein reguläres Kernkraftwerk gibt. Daher seien benötigte Genehmigungen einerseits vorhanden, andererseits wäre die ansässige Bevölkerung bereits an die Technologie gewöhnt. Überdies gäbe es vor Ort auch ausreichend Fachpersonal für Betrieb und Wartung der neuen Anlage.

Quellen: verivox.de, bade.bund.de, trendsderzukunft.de, forschung-und-wissen.de / Fotocredit: © Joe/Pixabay 


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