Wie in den Artikeln zum Stromkrieg zwischen Thomas Alva Edison und dem Unternehmer Westinghouse beschrieben, sind einheitliche Standards zur Verbreitung und Durchsetzung von Technologien nicht eine reine Expertenfrage. Sie betreffen…

Wie in den Artikeln zum Stromkrieg zwischen Thomas Alva Edison und dem Unternehmer Westinghouse beschrieben, sind einheitliche Standards zur Verbreitung und Durchsetzung von Technologien nicht eine reine Expertenfrage. Sie betreffen das Leben der Konsumenten direkt.

Diese Standards werden umso bedeutsamer, wenn verschiedene Stromerzeuger ein gemeinsames Stromnetz beliefern wollen. Die Europäischen Stromerzeuger sind über ein Verbundnetz verschaltet, das von der Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity (UCTE) koordiniert wird. Der Vorteil eines großen Netzes ist, neben wirtschaftlichen Effekten für die Erzeuger, vor allem in der Versorgungssicherheit zu sehen. Ein großes Netz kann Schwankungen, z.B. durch den Ausfall eines Kraftwerks, viel leichter verkraften als kleine nationale Netze dies können. Mit anderen Worten, auch wenn etwas schief geht, bleibt die Netzfrequenz konstant. Das ist deswegen wichtig, weil in einem Stromnetz immer genau so viel Strom erzeugt werden muss, wie gerade verbraucht wird.

Man kann sich das wie eine große Achse vorstellen. Auf der einen Seite treiben Turbinen die Achse an. Am anderen Ende der Achse sind die Maschinen die die Energie verbrauchen. Benötigen die Maschinen aus irgendeinem Grund mehr Energie als die Turbinen liefern können, wird die Achse immer langsamer, bis sie schlimmstenfalls stehen bleibt.

Beide Enden der Achse müssen sich also immer mit der gleichen Frequenz drehen. Wird die Achse langsamer, weil zu viel Energie verbraucht wird, sinkt die Netzfrequenz. Gibt es wenige oder zu wenige Abnehmer auf der Maschinenseite der Achse, steigt die Frequenz. Folglich ist eine konstante Netzfrequenz auch ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Netzes. Die Abweichung von der Normfrequenz beträgt in modernen Stromnetzen weniger als 0,2 Hertz.

Weltweit gibt es zwei Netzfrequenzen, wobei sich der Großteil der Welt mit 50 Hertz „verständigt“ und 60 Hertz nur in Nord- und Südamerika Anwendung finden. Die Entscheidung über die Netzfrequenz geht auf die Anfangszeit der Elektrifizierung zurück und ist ein technischer Kompromiss, der auf den damaligen technischen Möglichkeiten basiert.

Eine höhere Netzfrequenz erlaubt es zwar, kleinere Transformatoren zu bauen, weil bei gleicher Leistung weniger Windungen erforderlich sind, dafür müssen aber die Maschinendrehzahlen höher werden. Dies ergibt stärkere Fliehkräfte, die wiederum zu Problemen mit Lagern führen können. Probleme, die wir mit heutiger Technologie gut in den Griff bekommen, die jedoch am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert nur schwer beherrschbar waren. Es überrascht daher nicht, dass die beiden Netzfrequenzen so eng beieinander liegen.

Gründe für 50hz in Europa und 60hz in den USA sind wohl vor allem in der mangelnden Kommunikation zu finden. Im selben Jahr (1891) entschieden sich nämlich Westinghouse Ingenieure in Pittsburgh für 60hz und AEG Ingenieure in Berlin für 50hz.

Und so ist es bis heute geblieben. Ärgerlich für Weltenbummler, lukrativ für die Produzenten von entsprechenden Adaptern.

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