Was passiert, nachdem wir uns von unserem Müll getrennt haben?!, Fotocredit: Shutterstock
Was passiert, nachdem wir uns von unserem Müll getrennt haben?!, Fotocredit: Shutterstock
Was passiert mit dem Müll in Wien? Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, die aber relativ einfach zu beantworten ist.

Nach meinem Umzug nach Wien war eine der ersten größeren Veränderungen die Mülltrennung. In Wien wird der Müll völlig anders getrennt und entsorgt, als in Graz. Es herrscht ein völlig anderes System, das vielmehr auf Energiegewinnung beruht, als auf reiner Entsorgung. Ich habe mir einen kleinen Überblick über das System verschafft. Denn richtiges Entsorgen kann Ressourcen und Energie sparen und die Umwelt schonen! Und in meinem Freundeskreis bekomme ich regelmäßig die Unsicherheiten mit, die bei der Müllentsorgung herrschen.

In Wien kommen pro Jahr übrigens 350.000 Tonnen Altstoffe zusammen (siehe Quellenangaben). Kann man sich gar nicht vorstellen, oder? In der Landeshauptstadt landen außerdem nur 8% Falschstoffe im Gelben Sack. (Der Österreich-Schnitt liegt bei 19%)

Falls du dich bei einem Stoff nicht ganz sicher bist, hier gibt es von der Stadt ein Müll-ABC, mit den richtigen Entsorgungsstellen für fast alles: ABC

Aber nun erst mal ein kurzer Überblick über die zu trennenden Ressourcen:

Papier

Von Papier und Glasmüll können laut „Greenpeace Magazin“ (s. Quellen) über 80 Prozent recycelt werden!

In Wien werden pro Jahr 120.000 Tonnen Altpapier gesammelt! Erst mal eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. Dieses Papier kommt bei der Produktion von Recyclingpapier, Faltschachtelkartons, Wellpappe, Pack-, Zeitungs- und Hygienepapier zum Einsatz. Man kann Altpapier sogar bis zu fünf Mal wieder verwerten.

Glas

Mit Glas funktioniert das Recycling beliebig oft– es kann unzählige Male wiederverwendet werden, weil es einfach und ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen werden kann. Deswegen bevorzuge ich Glas immer vor Plastik, selbst, wenn der Energieverlust durch die Herstellung größer ist, wenn man es nur einmal verwendet. Aber warum noch mehr gegen Plastik spricht, folgt gleich …

Wien liefert jährlich übrigens an die 27.000 Tonnen Altglas zur Herstellung neuer Flaschen ab. Es ist außerdem wirklich wichtig, Weiß- und Buntglas zu trennen, da eine kleine grüne Flasche im Weißglas schon für diesen berühmten grünen Stich in beispielsweise Cola-Flaschen sorgen kann.

Biomüll

In Wien werden pro Jahr über 100.000 Tonnen Biomüll gesammelt und weiterverwendet.

Biogas; Fotocredit: Energiecomfort
Biogas; Fotocredits: Energiecomfort

Beim Kompostieren entsteht Methangas, das zur Energiegewinnung verwendet wird (siehe Grafik). Noch cooler: Lässt man den Müll komplett kompostieren, entsteht daraus Torf. Und genau das macht Wien: im Jahr sind es um die 45.000 Tonnen. Wer das alles bekommen soll? Nun, zum Beispiel wir! Bei vielen Mistplätzen in Wien kann man sich bei jedem Besuch gratis Torf mitnehmen. Die Qualität soll dabei sogar so hoch sein, dass dieser für Bio-Landwirtschaft möglich ist. Wunderbare Idee, oder? Noch dazu schützt man so Moore, die nur für Torf komplett trockengelegt und abgetötet werden. Die sind übrigens ein einzigartiger Lebensraum und das kommt auch nicht einfach so wieder nach, sondern ist komplett zerstört.

Metall

Metall aus Schlacke

In Wien gibt es teilweise Metallmüllbehälter, in die der Metallmüll kommt und dem Recycling direkt zugeführt werden kann. Andererseits landet auch viel Metall im Restmüll, mein Haus hat zum Beispiel keinen Metallmüllbehälter, also landet mein Metall im Restmüll. Dieser wird verbrannt und aus der Schlacke werden die Metallreste wieder gewonnen.  Die Metallreste aus der Schlacke können dann direkt recycelt werden. Trotz alle dem sollte Metallmüll, wenn die Möglichkeit besteht natürlich getrennt entsorgt werden, oder gesammelt und dann zu einem Metallmüllbehälter gebracht werden. Denn wenn Metall doch in der Müllverbrennung landet, ist es zwar grundsätzlich kein riesiges Problem, dennoch aber nicht die empfohlene Art der Entsorgung. 

Das Problem mit dem Plastikmüll

In den „Gelben Sack“ gehören Leichtverpackungen wie Joghurtbecher, Tetrapaks und Konserven. Ein heilloses Durcheinander also.

So, hier das Sorgenkind: Kunststoffe können nur sehr schwierig getrennt werden, da es so viele unterschiedliche gibt, die alle unterschiedlichen Aufbereitungsverfahren zugeführt werden müssen. 2005 wurden laut dem Greenpeace Magazin 63% der Kunststoffe in Deutschland werkstofflich recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet.

17% wurden rohstofflich recycelt– also in ihre Bestandteile Öl und Gas zerlegt.

20% wurden verbrannt.

Die Daten dürften aktuell ein wenig anders aussehen, aber für einen grundlegenden Überblick und ein Gefühl für die Müllverwertung wollte ich sie dir trotzdem nicht vorenthalten.

In Wien ist das ganze vermutlich ähnlich- hier haben wir aber zusätzlich ein paar Daten von der Stadt selbst: Im Jahr 20013 wurden 6.700 Tonnen Plastikflaschen gesammelt. Durch das Recycling derer konnte man fast 12.700 Tonnen Erdöl einsparen, das ansonsten für die Herstellung gebraucht würde.

Mythos: „In Wien wird eh alles verbrannt, ist ja schon egal.“

Damit konnte hoffentlich schon aufgeräumt werden. Aber was wird nun wirklich in Wien verbrannt, und wie funktioniert das? Hier die Antwort:

Der Restmüll und die Müllverbrennung

Wien hat im Vergleich zu vielen Städten ein besonders gut durchdachtes System: Der Großteil des Restmülls (und auch Teile des Biomülls) wird zur Energiegewinnung verbrannt. Die dabei gewonnene Wärmeenergie – rund 1,5 Millionen Megawattstunden pro Jahr – wird ganzjährig in das Fernwärmenetz eingespeist. Übrigens stammt ein Drittel der gesamten Fernwärme in Wien aus den Müllverbrennungsanlagen. Wer kennt sie nicht- die von Hundertwasser verschönerte Müllverbrennungsanlage in Wien Spittelau? Es gibt aber noch drei weitere Anlagen, die dasselbe machen: Flötzersteig, Pfaffenau und Simmeringer Haide. Weitere Infos dazu findest du hier.

Die Müllverbrennungsanlage in der Spittelau verarbeitet jährlich rund 250.000 Tonnen Hausmüll! Die daraus erzeugte umweltfreundliche Wärme beheizt jährlich mehr als 60.000 Haushalte in Wien. 50.000 Haushalte können jährlich mit Strom versorgt werden.

So wird aus dem Müll etwas ganz Wertvolles: Energie.

Müllverbrennung; Fotocredit: Wien Energie/APA-Auftragsgrafik
Müllverbrennung; Fotocredits: Wien Energie/APA-Auftragsgrafik

Fazit zum Mülltrennen

Es ist sehr wichtig, Müll richtig zu trennen. Es ist ein Mythos, dass der ganze Müll zusammengeworfen und einfach verbrannt wird. Die Müllverbrennungsanlagen in Wien sorgen dafür, dass aus unserem Müll Energie in Form von Fernwärme und Strom entsteht.

Worauf du achten kannst ist also einfach: Richtig Trennen! Das kommt uns allen zugute.

Wie du Energie sparen kannst, liest du am besten hier nach. Und mehr spannende Infos über LED- Glühbirnen gibt es  hier.

 

Quellenangaben:
https://www.greenpeace-magazin.de/der-muell-und-die-mythen
https://www.greenpeace-magazin.de/nachrichtenarchiv/was-mit-dem-muell-aus-der-gelben-tonne-geschieht
https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/kampagne2015.html
https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/metall.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Deponie
https://www.wienenergie.at/eportal3/ep/channelView.do/channelId/-49065
https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/mythen-muellentsorgung.html

2 Kommentare

  1. Nur das mit den Aludosen stimmt glaube ich nicht. Aus der Schlacke wären die nicht mehr trennbar, außerdem verbrennt das ziemlich sicher zu AlO2 und muss aus der Abluft der Verbrennung rausgefiltert werden.

    Finde jedenfalls nichts zu einer automatischen, maschinellen Trennung des Restmülls bevor er verbrannt wird.

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