Erneuerbare Energien © BP
Erneuerbare Energien © BP
Die 62. Ausgabe des BP Statistical Review of World Energy, erschienen im Juni 2013, enthält umfangreiches Datenmaterial über die Entwicklung der Energiekosten der letzten Jahrzehnte. Eine Zusammenfassung.

Der zum 62. Mal jährlich von BP zusammengestellte Bericht (.pdf) zur momentanen Lage am Energiemarkt ist für Statistiker und Daten-Junkies ein Genuß. Mehr Zahlen und Grafiken sind kaum zu sammeln, und das alles an einem Platz zu haben, lässt das Herz höher schlagen. Man kann dem Konvolut zum Beispiel Zahlen entnehmen, wie dass der weltweite Verbrauch an Primärenergie 2012 im 1,8% gestiegen ist, und damit deutlich unter dem Zehnjahresmittelwert von 2,6% Steigerung per anno liegt. Oder dass Öl mit 33,1% Anteil am weltweiten Energieverbrauch noch immer den wichtigsten Energieträger stellt – aber das 13. Jahr in Folge Marktanteile einbüßt und 2012 den niedrigsten Anteil seit Beginn der Erhebung (1965) erreicht hat. Das ist neben einer anderen Zahl, dass der Anteil der Atomenergie mit 4,5% wieder auf das Niveau von 1984 zurückgegangen ist, eines der postiven Signale des Berichts. Auch, dass die Erneuerbaren den Anteil an der Stromproduktion um 15,2% ausbauen konnten, und gemeinsam mit Biokraftstoffen, welche den den ersten Rückgang seit 2000 verzeichnen mussten, 2,4% des globalen Energieverbrauchs abdecken. 10 Jahre zuvor waren es noch 0,8%. Das entspricht einer Verdreifachung. Würde dieses Steigerungsniveau gehalten, wären wir in 30 Jahren, 2042, bei 64,8% des Primärenergieverbrauchs, und etwa 2050 würden wir bei 100% angelangen.

Öl

Öl kostet uns umgerechnet auf den Wert des Dollars im Jahr 2012 nun etwa so viel wie zum Ölboom in Pennsylvania in den 1860er Jahren und hat damit den höchsten Preis seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwischen 1880 und den frühen 1970er Jahren gab es eine lange Zeit der Preisstabilität von Öl, die mit dem sich zuspitzenden Nahostkonflikt (Yom-Kippur-Krieg, Iranische Revolution) vorbei war. Der Ölpreis sank danach nicht mehr auf das davor herrschende Niveau zurück. Nach einer relativ kurzen Phase billigeren Öls, die von den späten 1980er Jahren bis Mitte der 2000er reichte, sprang mit der Krise 2008 der Ölpreis unkontrolliert nach oben, um sich seither nicht wieder zu erholen. In Dollar: 1998 wurde die Sorte Brent per Barrel um $ 12,72 gehandelt, 2012 um $ 111,67. Das entspricht einer Steigerung um das 8,8-fache. Diese Preissteigerung gilt für alle gehandelten Öl-Sorten. Eine kleine Polemik: der Euro kann da sicher nichts dafür.
(Tabellen: Bericht Seite 15)

Gas

Das augenfälligste am Gaspreis ist der Einbruch des Gaspreises in den USA seit 2008. Dort fiel der Preis von einem historischen Höchststand von $ 8,85 2008 auf $ 2,76 nur 4 Jahre später, 2012. Die Preisreduktion lässt sich zu 100% dem Schiefergasboom in den USA zuordnen. Die kritischen Stimmen am Gasriesen USA werden lauter, vor allem der Glaube an die Nachhaltigkeit der Förder-Kapazitäten ist erschüttert. Während in Kanada der Preis ebenfalls auf das Niveau der USA gefallen ist, ist in Europa und Japan der Preis in die Höhe geschnellt. In Deutschland entspricht das einer Versechsfachung, von $ 1,88 1999 auf $ 11,03 im Jahr 2012.
(Tabellen: Bericht Seite 27)

Kohle

Die Steigerung des Kohlepreises an seinem Höchstwert lag etwas unter jener von Öl und Gas. Der nordwest-europäische Marktpreis lag an seinem Tiefstpunkt 1999 bei $ 28,79 pro Tonne, am Höchstpunkt 2008 bei € 147,67. Das entspricht dem 5,1-fachen. Inzwischen ist der Preis mit starken Schwankungen bei $ 92,50 angelangt, dem 3,2-fachen. In den USA lag der Preis historisch immer darunter. Auch hier betragen die Preissteigerungen das 2,3-fache für den gleichen Zeitraum. Japan muss für Kohle einen noch höheren Preis zahlen als die EU. Kohle ist vor allem für China von überragender Bedeutung: das Land verbrauchte von der weltweit verfügbaren Kohle 2012 50,2%, war aber in der Lage, fast den gesamten Bedarf selbst zu produzieren, während Japan nahezu 100% der verbrauchten Kohle importieren muss.
(Tabellen: Bericht Seite 30)

Die Frage ist, wie sich die Energiepreise in Zukunft weiter entwickeln werden. Steigen die Preise weiter in dem Tempo der letzten 10 Jahre? Bleiben sie auf hohem Niveau stabil oder fallen die Preise während der Umstellung auf Erneuerbare so weit, dass der Einsatz fossiler Brennstoffe wirtschaftlich wieder interessant wird? Weiter steigende Preise beschleunigen den Umstieg auf günstigere Energieformen, letzten Endes auf jene Energieformen, deren Rohstoff kostenlos zur Verfügung steht. Ein anhaltend hohes Preisniveau hat ähnliche Auswirkungen, aber einen anderen Zeitverlauf. Bei diesen Preisen ist davon auszugehen, dass versucht werden wird, alle lukrativen Lagerstätten restlos auszubeuten. Das letzte Szenario ist das Heikelste. In diesem Fall wären strenge Regelungen der öffentlichen Hand der beste und sicherste Weg, einen Rückfall in eine Wirtschaft, die mit fossiler Energie befeuert wird, zu verhindern.

Als Lichtblick empfehle ich zum Abschluss die Seite 37 des Berichts genauer zu studieren.

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