Fotocredit: Shutterstock/nada54
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Ein „sauberer“ Rasen als idealer Garten – immer weniger Gartenbesitzer hängen dieser Vorstellung an. Immerhin spricht Einiges dafür, den ohnehin nie so wirklich „englischen“ Rasen in eine lebendige und artenreiche Wiese zu verwandeln.

Auf Fotos sieht so ein blitzsauberer Rasen oft ganz zauberhaft aus. Eine einladende, gleichmäßig grüne Fläche, die zu allerlei Aktivitäten einlädt. In der Praxis bedeutet die Rasenpflege aber nicht nur viel Arbeit – sie bedeutet auch viel Verzicht. Statt ein Stück Natur hinter dem Haus zu haben, sich an Tieren und Blumen zu erfreuen und bedrohten Arten Unterschlupf zu gewähren, kämpft man mit einem Rasen gegen die Natur, gegen die Artenvielfalt an.

Fairerweise muss man sagen: Die Nutzbarkeit einer Blumenwiese ist im Vergleich zum Rasen eingeschränkt. Daher bietet es sich an, je nach den Ansprüchen der Gartenbesitzer, nur einen Teil der Fläche als Wiese anzulegen. Der Rest bleibt Rasen. Wie die Fläche in Wiese und Rasen aufgeteilt wird, muss jeder für sich entscheiden – je nachdem, wie die Grünfläche künftig genutzt werden soll.

Wiesen brauchen Zeit

Das Anlegen einer artenreichen, echten Wiese ist nur selten in einem einzigen Sommer zu schaffen. Es können sogar Jahre des Versuchens, Verstehens und Verbesserns vergehen, bis das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht.

Wer wirklich ganz neu beginnen will und die Möglichkeit dazu hat, sollte einen nährstoffarmen Boden verwenden. Vor allem zu viel Stickstoff in der Erde verhindert eine richtige Artenvielfalt. In solchen Fällen hilft nur eine langsame „Abmagerung“ der Wiese. Der Trick: Geschnittenes Gras muss über Jahre hinweg immer ordentlich entfernt werden. Dadurch wird die Rückführung der darin enthaltenen Nährstoffe verhindert, der Stickstoffgehalt sinkt Stück für Stück.

Wiesen leben von Unterschieden

Anders als ein Rasen, der sich über Einheitlichkeit freut, ist es für eine Wiese besser, wenn Unterschiede in der Fläche bestehen. Das können Hügel und Neigungen sein, aber auch Veränderungen in der Bodenzusammensetzung. Schließlich hat jede Pflanze ihre persönlichen Vorlieben, die sie im evolutionären Überlebenskampf gegenüber anderen Arten bevorzugen. Je größer die Vielfalt der biologischen Nischen im Standort, desto größer auch die Vielfalt in der Artenzusammensetzung.

Grundsätzlich sollte der Boden vor dem Schritt zur Wiese umgegraben werden. Dies gilt besonders, wenn die Wiese auf einem ehemaligen Rasen oder einer anderen Grasfläche angelegt werden soll. Die obere Bodenschicht mit der Grasnarbe muss ausreichend mit fein geharkter Erde bedeckt sein. Größere Steine und alte Wurzeln kann man dabei gleich aussortieren, um später beim Mähen unangenehme Zusammenstöße zu vermeiden.

So schön können Wiesen sein; Fotocredit: Shutterstock/Philip Bird LRPS CPAGB
So schön können Wiesen sein; Fotocredit: Shutterstock/Philip Bird LRPS CPAGB

Keine Wiesensamen

Ein Wort zum Säen: Von den gängigen „Blumenwiesen“-Mischungen, die man im Handel überall angeboten bekommt, ist abzuraten. Sie bestehen meist aus einjährigen, gezüchteten Sommerblumenarten. Für eine dauerhaft haltbare Wiese eignen sich nur wenige wirklich. Viel sinnvoller ist, sich bei speziellen Anbietern mit dem Samen einheimischer Arten zu versorgen. Dazu kommen dann ohnehin auch Samen, die bereits im Boden liegen oder die vom Wind aus anderen Gärten herangetragen werden.

Eine Saatdichte von 5-10 g Saatgut pro Quadratmeter reicht leicht aus, um eine lockere Anfangsbegrünung zu erzielen. Der Anteil der Gräser in der Gesamtmischung sollte im Verhältnis zu Kräutersamen gering gehalten werden. Bessere Ergebnisse erreicht man durch geringe Saatmengen, weil viele Arten als junge Keimlinge die Konkurrenz anderer Pflanzen nicht ertragen.

Wiesen pflegen

Nach der Ansaat muss die zukünftige Wiesenfläche feucht gehalten werden. Keine Düngung, weder zu Beginn noch in den folgenden Jahren! Nachdem sich der Pflanzenbestand geschlossen hat, ist auch keine Beregnung mehr erforderlich. Die einzige wichtige Pflegemaßnahme der Wiesenfläche ist das Mähen, wobei dies im Sommer so lange wie möglich hinausgezögert werden soll.
Nachwachsendes Unkraut sollte sofort entfernt werden.

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