Der Winter klopft an die Tür. Es ist höchste Zeit den Balkon winterfest zu machen.

Bei mir im Schrank liegen immer noch die Sommerkleider griffbereit. Dabei ist es allerhöchste Zeit die Wintermützen und Handschuhe heraus zu suchen. Ich liebe die Kälte und den Schnee. Wenn mich jemand fragt, was mein bester Winter bis jetzt war, antworte ich: – 28 Grad, Warschau, 2010. Damals türmten sich hüfthohe Berge von Schnee auf den Straßen. Der Atem machte wunderbare Sprachwölkchen. Im Verkehr reihten wir uns hinter LKWs, die Schnee geladen hatten. In dem Jahr fiel so viel Schnee, dass tatsächlich Transporter damit beauftragt wurden, die Schneemassen aus der Stadt hinaus zu transportieren. Die vergangenen Winter hier in Wien waren das Gegenteil. Anstelle von blitzblanker klarer Luft und im Schnee reflektierendem Licht, erinnere ich mich an nasse graue Tage. Allerhöchstens mal etwas zähflüssiger Schneewassermatsch. Ansonsten wirkte der Winter herbstlich unentschlossen. Teils frühlingshaft, warm und mild. Ach habe ich gejammert.

Endlich wieder ein kalter Winter!

Hoffentlich wird dies dieses Jahr anders. Der November hat kälter angefangen, als von den Meterologen erwartet. Während das bedeutet, dass wir Stadtkinder eventuell dieses Jahr endlich wieder einen Schneemann bauen dürfen und Schneeballschlachten erwartet werden können, heißt das für unsere Balkon- und Terassenpflanzen: Harte Zeiten stehen an. 

Immer wieder wird vergessen, die Pflanzen winterfest zu machen. In der Stadt ist es häufig warm genug, aber in besonders kalten Wintern oder kühleren Regionen empfiehlt sich ein Kälteschutz. Während im Garten der Boden, insbesondere wenn eine Schneedecke darauf liegt, genug Wärme spendet, gilt es die Wurzeln in Pflanzengefäße vor dem Erfrieren zu schützen. Sonst gibt es im Frühjahr ein trauriges Erwachen.

Dies gilt nicht nur für exotische Pflanzen, die neben dem eigenen Wintergarten, schon im Herbst ein geeignetes Quartier in Gärtnereien finden. Auch winterfeste Pflanzen sollten, wenn sie in einem Topf gehalten werden vor starken Frösten geschützt werden.

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Wie schütze ich meine Pflanzen vor eisigen Temperaturen?

Nicht nur wir, sondern auch unsere mehrjährigen frostharten Balkonpflanzen brauchen einen Wintermantel. Pflanzen in Kübeln sind starken Temperaturunterschieden ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die Schwankungen immer mehr zunehmen. Am einen Tag Frühlingsgefühle, und dann plötzlich wieder tiefe Winternacht. So kann es zu schnell abwechselndem Einfrieren und Auftauen der Wurzeln kommen. Diese Vorgänge verursachen starke Spannungen und können den Pflanzen nachhaltig schaden.

Hierfür kann man die Pflanzentöpfe mit wärmeisolierenden Stoffen vor den Temperaturschwankungen schützen.  Materialien wie Gartenfließ,  Filzmatten oder Jutebeutel sind gut geeignet. Zahlreiche Variationen sind im Handel erhältlich. Stoffe und Kleidung, die nicht mehr getragen wird oder getauscht werden kann, bietet sich in mehreren Schichten ebenfalls an. Am wirksamsten ist es, die Töpfe ebenfalls auf eine wärmeisolierende Oberfläche zu stellen.

An besonders kalten Tagen können auch die Pflanzen selbst eigewickelt werden. Achte hierbei darauf, dass die verwendeten Materialien atmungsaktiv sind. Sobald die Kälteperiode vorbei ist, nimm die Abdeckung herunter. Die Pflanze benötigt Licht zum Überleben!

Optimale Winterstandorte

Winterharte Topfpflanzen an die Hausmauer stellen. Falls es von oben geschützte Bereiche gibt, sind diese zu bevorzugen. Küchenkräuter wie der Rosmarin sollten es gut eingepackt an einem geschützen Ort im Freien überstehen. Wenn möglich wickel nicht nur den Topf ein, sondern stelle ihn auch auf eine wärmeisolierende Oberfläche und nicht direkt auf den (Stein-)Boden.

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, beherberge deine Pflanzen, insbesondere wärmeliebende Exoten, in geeigneten Innenräumen. Kühle und trockene Standorte werden von den meisten Pflanzen bevorzugt. Die Pflanzen, die keine Blätter abwerfen, benötigen auch in der Winterruhephase Licht!

Dennoch gilt, je kühler gelagert wird, desto dunkler darf es sein. Ein Keller mit kleinem Fenster sollte ausreichen. Die optimale Überwinterungstemperatur für die meisten Pflanzen beträgt 5 – 10 Grad. Bei zu warmer Überwinterung, steigt die Gefahr von ungewollten Besuchern. So können sich unter Anderem Spinnmilben und Schildläuse ausbreiten. Vergiss deine Lieblinge nicht und kontrolliere ab und an die Blätter. Befallene Blätter einfach mit einer Lauge aus Kernseife einreiben und die Tierchen herunternehmen.

Nährstoffversorgung:

Das Pflanzenwachstum wird zurückgeschraubt. Deswegen keine Nähstoffe mehr hinzufügen. Es muss auch nicht mehr so häufig wie im Sommer gegossen werden. Fühle am Besten mit dem Finger die Feuchtigkeit der Erde nach. Ich gieße die Zimmerpflanzen in der Regel ein mal die Woche, teils seltener. Dies gilt für zu überwinternde Pflanzen ebenfalls.

Was tun mit den leeren Beeten und Pflanzenkübeln?

Gewisse Gemüsepflanzen halten auch tiefere Temperaturen aus. Bei mir wächst zum Beispiel Zuckerhut als willkommener Wintersalat, der mehrfach beerntet werden kann. Seit zehn Jahren wird in Schönbrunn erforscht, wie in unseren Breitengraden eine Saisonverlängerung stattfinden kann. Ermittelt wurden Anbaumetoden und Kulturpflanzen, die ohne energieintensive Gewächshäuser regionale Erträge produzieren können. Selbst erfroren wirkende Salate können durch die richtige Behandlung wieder aufgetaut werden. Sie bieten einen unerwarteten frische Kick für die Winterküche. Wer experimentierfreudig ist, kann dies selbst ausprobieren. Jetzt im November kann unter Anderem noch Gartenkresse angepflanzt werden. Diese kennen wir sonst nur in Miniaturform, schnell auf dem Teller gezogen. Etwas weniger dicht gesät können kleine Blätter als Baby Leaf Salad geerntet werden und sie ist wirklich einfach anzubauen. Die kleinen Pflanzen können hierbei zusätzlich geschützt werden. Einfach den Boden einer Plastikflasche abschneiden, Deckel aufmachen, und über das kleine Pflänzchen stülpen. Durch die Flaschenöffnung kann die Pflanze atmen. Die Flasche dient als Miniaturgewächshaus. Generell gilt es beim Winteranbau die Sonnenenergie des Spätsommers und Herbst  für sich zu nutzen. Die meisten Pflanzen für eine Winterernte werden im August angebaut.

Die Schönbrunner – Experimente zeigen uns, dass Pflanzen häufig wiederstandsfähiger sind, als angenommen. Dennoch gilt: Packe deine Lieblingspflanzen lieber schön warm ein, bevor es im Frühjahr ein trauriges Erwachen gibt.

 

 

Quellen und weiterer Lesestoff:

http://www.plantmaps.com/interactive-austria-first-frost-date-map.php

http://gaertnerblog.de/blog/kuebelpflanzen-ueberwinterung/

http://www.gartendatenbank.de/wiki/1_pflanzen-pflanzenpflege#ueberwintern

http://www.smallscalelife.com/extending-garden-season-frost-protection/

Bilder/Fotografin: Vera Kondratiuk

Portrait 1

Die Freischnauzeköchin ist zum Bloggen über ihre Freude an der Fotografie von Essen gekommen. Seit 2013 gibt es ihre vegetarischen Rezepte online und Tipps zum (nachhaltigen) Leben in Wien. Die in ihrem Studium der Agrarwissenschaften erworbenen Erkenntnisse und ihre Erfahrungen als urbane Gärtnerin teilt sie gerne mit ihrer Leserschaft. Ihr Augenmerk richtet sie hierbei auf zukunftsweisende und umweltfreundliche Lösungen.

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