Die Weltmeister im Papierverbrauch sind die USA. Mit 230 Kilogramm jährlich pro Kopf folgen dann schon Deutschland und Österreich. (80 Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen im Jahr gerade mal 40 Kilogramm…

Die Weltmeister im Papierverbrauch sind die USA. Mit 230 Kilogramm jährlich pro Kopf folgen dann schon Deutschland und Österreich. (80 Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen im Jahr gerade mal 40 Kilogramm pro Kopf.) 115 Kilogramm Zeitungs-, Druck- und Schreibpapier, 90 Kilogramm Verpackungspapiere, 15 Kilogramm technische Papiere sowie 13 Kilogramm Hygienepapiere werden dabei beschrieben, bedruckt, abgeheftet, zerknüllt und was sonst noch alles.

Die Papierindustrie ist eine der energie- und wasserintensivsten. Hinzu kommen umweltschädliche und gesundheitsgefährdende Chemikalien, die in die Umwelt eingetragen werden. Doch vor allem trägt sie zum Schwund unserer letzten Urwälder bei. Von den artenreichen Ökosystemen sind uns weltweit gerade noch 20 Prozent erhalten. Diese gilt es zu schützen. Was den Papierverbrauch angeht, müssen wir zwei einfache Strategien verfolgen: Recyclingpapier nutzen und Papier sparen.

Papier-Label, denen man vertrauen kann

Die Produktion von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier spart eine Menge Energie.
Das Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) hat errechnet, dass man mit der eingesparten Energie von drei Blatt Recyclingpapier ein Liter Wasser zum Kochen bringen könnte. 250 Blatt ließen eine 11-Watt-Energiesparlampe 50 Stunden brennen, mit den Ersparnissen von  500 Blatt könnte man einmal Wäsche waschen und mit den von 1.000 Blatt 50 Kilometer Auto fahren.

Strengste Anforderungen an Recyclingpapier haben die Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ und das „Österreichische Umweltzeichen“. In beiden Fällen kann man sicher sein, dass der verwendete Faserstoff zu 100 Prozent aus Altpapier besteht. Zudem wird auf einen niedrigen Wasser- und Energieverbrauch geachtet sowie auf den Verbot schädlicher Chemikalien.

Auf vielen Papierprodukten sieht man das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council). Es kennzeichnet Holzprodukte aus nachhaltiger Waldwirtschaft und ist generell empfehlenswert. So schließt es bei Produkten aus Frischfaserpapier Raubbau und Umweltzerstörung aus. FSC-Papier ist aber nicht unbedingt Recyclingpapier. Und findet man es auf Recyclingpapier, sagt es hier nichts über Energie- und Wasserverbrauch oder den Chemikalieneinsatz aus. Hierfür sollte man gesondert auf den Blauen Engel oder das Österreichische Umweltzeichen achten.

Was hinter manchen Papier-Siegeln steckt

Die Bezeichnung „holzfrei“ auf Papierprodukten ist etwas verwirrend, denn natürlich wurde auch hier ein Baum zu Papier. Gemeint ist, dass dem Holz der sogenannte „Holzstoff“ entzogen wurde und nur reiner Zellstoff weiterverarbeitet wurde.

Die Kennzeichnung „Kein Zellstoff aus den Tropen“ ist zwar löblich doch überflüssig, denn für die Papierproduktion in Deutschland und Österreich kommt der Zellstoff aus den Urwäldern Finnlands, Kanadas oder Russlands, die ebenfalls bedroht sind.

Der Vermerk „hergestellt aus 100% Altpapier“ ohne eines der oben empfohlenen Zeichen sagt laut Greenpeace nichts über Wasser-, Energieverbrauch oder Chemikalien aus. Und die Europäische Umweltblume achtet zwar auf Wasser- und Energieverbrauch, verlangt aber keine Produktion aus Altpapier.

Weiter fleißig Altpapier sammeln!

Bis zu 90 Prozent des verwendeten Papiers kann theoretisch wiederverwendet werden. Die Rücklaufquote von Altpapier liegt in Österreich bei 72 Prozent. Das ist schon sehr gut, und es muss noch weiter gesammelt werden!

Wer stand nicht schon einmal mit einem verbrauchten Spiralblock in der Hand vorm Papierkorb und hat sich gefragt, ob die Reste aus Pappe und Draht nun dort hinein gehören oder doch in den Restmüll? Und was ist mit Büroklammern und Tackermunition an Unterlagen? Keine guten Nachrichten für Ungeduldige: Die Dinger müssen ab! Doch kommt es uns selbst zugute, indem Zusatzkosten durch Fremdkörper bedingten Verschleiß der Recycling-Anlagen eingespart werden, für die wir als Steuerzahler sonst aufkämen.

In der Tat legt die Summe an Fremdkörpern im Papier schon mal eine ganze Maschine lahm. Zusätzlich bedeutet es einen höheren Energie- und Ressourcen-Aufwand, wenn die Maschinen erneuert werden müssen. Auch der Einsatz der Transportcontainer, die rausgefiltertes Material transportieren, wäre unnötig.

Wie kann man noch mehr Papier sparen?

Trotz der papierfreien Kommunikation durch Internet und Handy steigt der weltweite Papierverbrauch und somit auch die Abholzung unserer letzten Urwälder. Jedes eingesparte Blatt Papier ist ein Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. Warum also nicht Papier beidseitig bedrucken, Rechnungen per E-Mail zusenden lassen oder Steuererklärung online absenden. Dies sind kleine Beispiele, die in der Summe doch einiges bewirken können: Das Wuppertal-Institut für Klima hat errechnet, dass eine Online-Überweisung 40 Prozent weniger Energie und Ressourcen verbraucht als eine Überweisung in Papierform.

Braucht man Briefkastenwerbung wirklich? Mit einem einfachen Aufkleber „Bitte keine Werbung“ schützt man sich und die Umwelt vor der unerwünschten Papierflut. Eine Butterbrotdose anstelle einer Papiertüte, ein gemeinsames Zeitungsabo mit Freunden oder Nachbarn, einen waschbaren Putzlappen anstatt des Küchenpapiers, es gibt viele Möglichkeiten, im Alltag Papier zu sparen.

Weitere Informationen:
Website der Initiative „Ich hab`s papiert
Website der Kampagne „Jetzt umstellen
Website der Initiative „Pro Recyclinpapier
Website des Abfallwirtschaftsbetriebs Landkreis Tübingen

Bildnachweis: © birgitH/Pixelio.de

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