Wind-Energie ist dabei, Erdgas-Kraftwerke abzuhängen. In den USA hat der Trend zu Windkraft-Projekten im Jahr 2012 zum ersten Mal die Vergleichswerte der Erdgas-Sparte überstiegen.

Motor des Entwicklungsschub bei der US-Windenergie waren Steuervorteile. Sie haben im Vorjahr viel Rückenwind für Innovationen im Bereich erneuerbaren Energie geliefert. Besonders im Endspurt vor dem neuen Jahr, im letzten Quartal, wurde aus Sorge um das Ende der finanziellen Unterstützung eine Rekordmenge neuer Windkraftanlagen installiert: 2012 ist mit einer neu installierten Kapazität von 13.124 Megawatt das Jahr der Windturbinen. Optimistische Schätzungen waren davor von einem Zuwachs um 8.000 Megawatt ausgegangen.

Die gesamte Kapazität installierter Windkraft-Systeme in den USA erreicht damit 60 Gigawatt – genug, um 14,7 Millionen US-Haushalte mit Strom zu versorgen.

Dabei erwies sich der Stress des Jahresendes im Nachhinein als unbegründet: Die Obama-Adminstration hat die Steuervorteile für Windkraftanlagen Anfang Jänner für ein weiteres Jahr verlängert – „Fiscal Cliff“ hin oder her.

Hintergrund ist dabei gar nicht so sehr eine Begeisterung Obamas für Windkraft, sondern eher der Gedanke an die Zukunft. Die Regierung möchte sicherstellen, dass die USA ganz allein genug Energie produzieren können, selbst wenn sie aus politischen Gründen womöglich alle ausländischen Ressourcen verlieren sollten.

Gas billiger

Einen Vorteil hat Erdgas freilich gegenüber dem Wind: es ist billiger.
Gas hat in den USA 2012 die Produktion der Kohlekraftwerke abgehängt und bringt mit seinen Kampfpreisen sowohl die Kernenergie als auch die erneuerbaren Energien in Bedrängnis.

Die Geheimwaffe der Gasproduzenten ist dabei Hydraulic Fracking – die umstrittene Methode zur Erschließung neuer Schiefergas-Vorkommen, deren schädliche Auswirkungen auf das Grundwasser bestens bekannt sind.

Zweischneidiges Schwert „Preis“

Und so glücklich sind die Gasproduzenten mit dem Preisverfall selbst nicht. Schließlich drückt der geringe Marktwert des im Überfluss geförderten Gases auf die Profite, und auf das Interesse an Investitionen in neue Technologien und die Erschließung weiterer Vorkommen.

Die American Wind Energy Association betreibt in Washington intensives Lobbying für eine Fortsetzung der Steuervorteile für neue Windparks – und wünscht sich zum Abschluss der Unterstützung eine langsames Phase-Out über sechs Jahre.

Sowohl Vertreter der Windkraftbranche als auch Konkurrenten äußern sich allerdings überzeugt, dass die Windenergie inzwischen „gereift“ genug ist, um auch ohne Subventionen bestehen zu können. Aus unterschiedlichen Motiven. Besonders wenn der Gaspreis wieder ansteigt, wird erneuerbare Energie auch für die Verbraucher sehr viel spannender werden – und dann zeigt sich, wie sie im direkten Konkurrenzkampf mit anderen Energiequellen besteht.

Mehr zum Thema Windkraft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*