Wenn du in Stockholm Urlaub machst, lohnt sich ein Blick aufs Wasser: Dort fliegt jetzt eine Fähre.

Stockholm gilt als Stadt der Inseln, Brücken und Wasserwege, doch der Verkehr auf dem Wasser war lange alles andere als modern. Viele Fähren sind laut, schwer und verbrauchen Diesel. Jetzt zeigt ein schwedisches Cleantech‑Unternehmen, wie es anders geht: Die Candela P‑12 Shuttle, eine elektrische Tragflächenfähre, hebt sich beim Fahren aus dem Wasser und gleitet fast lautlos über die Wellen. Das Ergebnis: weniger Energieverbrauch, weniger Emissionen und eine neue Art, sich in der Stadt zu bewegen.

Wenn die Candela P‑12 eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht, heben sich ihre hydrodynamischen Tragflächen aus dem Wasser. Das Schiff „fliegt“ dann rund einen halben Meter über der Oberfläche. Dadurch sinkt der Wasserwiderstand drastisch und der Energieverbrauch gleich mit.

Candela gibt an, dass die P‑12 bis zu 80 % weniger Energie benötigt als ein konventionelles Dieselboot gleicher Größe. Möglich macht das eine Kombination aus:

  • ultraleichten Verbundmaterialien
  • effizienter Elektromotor‑Technologie
  • aktiver Stabilisierung durch Sensoren und Software

Die Fähre gleitet dadurch ruhig über das Wasser, selbst bei Wellen oder Wind. Fahrgäste berichten von einem Gefühl, das eher an einen Zug erinnert als an ein Boot.

Leise, schnell, fast emissionsfrei

Die P‑12 erreicht eine Geschwindigkeit von 30 Knoten (55 km/h) – deutlich schneller als viele klassische Fähren. Auf der Strecke zwischen Ekerö und Stockholm verkürzt sich die Fahrzeit von 55 Minuten auf 25 Minuten. Für Pendler ist das ein echter Gamechanger.

Gleichzeitig ist die Fähre nahezu geräuschlos. Der Elektromotor erzeugt kaum Vibrationen, und weil der Rumpf nicht im Wasser liegt, entstehen keine Wellen, die Ufer oder andere Boote belasten. Das macht die P‑12 auch für sensible Gewässer interessant.

Ein neues Kapitel für den öffentlichen Verkehr

Stockholm testet die P‑12 seit 2023 im regulären Linienbetrieb. Die Stadt sieht darin eine Chance, den öffentlichen Verkehr zu erweitern, ohne neue Straßen oder Brücken bauen zu müssen. Wasserwege werden wieder attraktiv und klimafreundlich.

Die Fähre bietet Platz für 30 Passagiere, ist barrierefrei und kann dank ihrer Software‑Stabilisierung auch bei schwierigen Bedingungen zuverlässig fahren. Candela betont, dass die Betriebskosten deutlich niedriger sind als bei Dieselbooten, weil:

  • Strom günstiger ist als Treibstoff
  • weniger Wartung nötig ist
  • keine Abgasanlagen oder komplexen Motoren verbaut sind

Warum Tragflächenfähren weltweit interessant werden

Die P‑12 ist nicht nur ein schwedisches Experiment. Städte wie Venedig, Amsterdam, San Francisco und Seoul prüfen ähnliche Konzepte. Der Grund ist einfach: Viele Metropolen haben Wasserwege, die bisher kaum genutzt werden oder durch langsame, laute Boote unattraktiv sind.

Tragflächenfähren könnten:

  • neue Pendlerstrecken eröffnen
  • Verkehrsstaus reduzieren
  • Emissionen im öffentlichen Verkehr senken
  • touristische Routen modernisieren

Die Technologie ist skalierbar: Candela arbeitet bereits an größeren Modellen für 60 und 120 Passagiere.

Ein Boot, das zeigt, wie die Zukunft aussehen kann

Die Candela P‑12 Shuttle ist mehr als ein technisches Experiment. Sie zeigt, wie Wasserwege zu schnellen, leisen und klimafreundlichen Verkehrsadern werden können. Stockholm macht vor, wie Städte ihre Infrastruktur neu denken können und wie Elektromobilität auch auf dem Wasser Fahrt aufnimmt.


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Bild: Candela