Die Energiewende ist auch eine Wärmewende und gerade große Gebäude stehen vor der Frage, wie sie effizient heizen und kühlen können, ohne fossile Energie zu verbrauchen. Der „Luft‑Eisspeicher Bögl“ bietet dafür einen ungewöhnlichen, aber technisch ausgereiften Ansatz: Er nutzt Umgebungsluft, Wasser und die beim Gefrieren freiwerdende Kristallisationsenergie, um Gebäude klimafreundlich mit Wärme und Kälte zu versorgen. Für dieses Konzept erhielt die Firmengruppe Max Bögl im Juli 2026 den Bayerischen Energiepreis in der Kategorie „Gebäude als Energiesystem, Liegenschaftskonzept“.
Wie der Luft‑Eisspeicher funktioniert
Im Zentrum des Systems steht ein drei Meter tiefes Betonbecken, das bewusst nicht isoliert ist. Dadurch kann es thermisch mit dem Erdreich interagieren. Im Inneren verlaufen Rohrleitungen, in denen eine frostsichere Sole zirkuliert. Wird Wasser im Speicher zu Eis, entsteht Kristallisationswärme – ein physikalischer Effekt, der sich für die Heizung nutzen lässt.
Im oberen Bereich des Beckens sitzt ein Luftmodul mit Wärmetauschern und einem Flüsterlüfter. Dieser führt Umgebungsluft über die Wärmetauscher und ermöglicht so die Kälteerzeugung. Im Sommer kann der Speicher nachts abkühlen und tagsüber Lastspitzen abfedern. Das System arbeitet sowohl aktiv mit Wärmepumpe als auch passiv ohne sie.

Ein modulares System für schnelle Umsetzung
Ein wesentlicher Vorteil des Luft‑Eisspeichers ist seine serielle Vorfertigung. Die Module werden industriell produziert, was kurze Bauzeiten und eine gleichbleibend hohe Qualität ermöglicht. Die Bauweise ist skalierbar, vom einzelnen Gebäude bis zum ganzen Quartier.
Max Bögl liefert Planung, Produktion und Montage aus einer Hand. Das erleichtert Genehmigungen, senkt Kosten und macht das System auch für Kommunen und Energieversorger attraktiv.
Wärme, Kälte und Abwärme – ein flexibles Trio
Der Luft‑Eisspeicher ist nicht nur ein Speicher, sondern Teil eines Gesamtsystems aus Wärmepumpe, Regelungstechnik und optionaler Abwärmeeinbindung. Industrielle Abwärme kann direkt in den Speicher eingespeist werden, was die Effizienz weiter erhöht.
Das System reagiert flexibel auf unterschiedliche Anforderungen: Es kann Wärme bereitstellen, Kälte erzeugen, Lasten verschieben und Überschussstrom aus PV‑Anlagen nutzen. Damit eignet es sich besonders für Gebäude mit stark schwankenden Temperaturbedarf.
Bereits im Einsatz – und nicht nur als Demonstrator
Der Luft‑Eisspeicher ist keine Laborlösung. Er läuft bereits an mehreren Standorten:
- am Hauptsitz von Max Bögl in Sengenthal,
- in einem gemischt genutzten Gebäudeensemble in Tauernfeld,
- in einem Büro‑ und Logistikkomplex in Neumarkt (500 kW Heiz‑ und Kühlleistung),
- sowie in einem Büro‑, Fertigungs‑ und Lagergebäude in Pleinfeld.
Diese Projekte zeigen, dass das System praxistauglich ist und sich in unterschiedlichen Gebäudetypen bewährt.
Ein Baustein für klimafreundliche Gebäude
Der Luft‑Eisspeicher zeigt, wie sich Wärme und Kälte intelligent verschieben lassen: ohne fossile Energie, ohne große Eingriffe ins Gebäude und mit hoher Flexibilität. Die modulare Bauweise, die industrielle Vorfertigung und die Kombination aus Luft, Wasser und Eis machen das System zu einem spannenden Baustein für die Wärmewende.
Für große Gebäude, Quartiere und kommunale Liegenschaften könnte der Luft‑Eisspeicher künftig eine wichtige Rolle spielen. Sowohl als effiziente Ergänzung zu Wärmepumpen und als klimafreundliche Alternative zu klassischen Kühlsystemen.
Mehr zu Architektur
Wir berichten über architektonische Fortschritte, unterschiedliche Baumaterialien und Entwicklungen in Richtung umweltfreundlicher Bauweisen. Mit folgenden Links gelangst du der Reihe nach zu mehr Artikel in diesem Themenbereich für Einsteiger bis zu Profis.
- 20 Jahre Fernkälte in Wien: Vom Pilotprojekt zur städtischen Infrastruktur
- Good News: Mit Eis heizen? So funktionierts
- Wärmepumpen: Nachhaltiger Trend auch für Mehrparteienhäuser
Bild: Max Bögl