Der G20+ Gipfel in Rio entpuppt sich, wie zu erwarten war, wieder zu einer Farce. Das Angebot der Industriestaaten ist eine grüne Wirtschaft, die letztlich aus grünen Mäntelchen über einem…

Der G20+ Gipfel in Rio entpuppt sich, wie zu erwarten war, wieder zu einer Farce. Das Angebot der Industriestaaten ist eine grüne Wirtschaft, die letztlich aus grünen Mäntelchen über einem „weiter so“ besteht. Dieses Angebot sei anlässlich der herrschenden Wirtschaftskrise alternativlos. Diese Haltung ist letztlich ein Affront gegenüber allen Menschen und besonders gegenüber der Mitwelt.

 

Gutes Leben ist ein auskömmliches Zusammenleben

Der Nachhaltigkeitsgipfel in Rio offenbart das Dilemma, in dem die Weltwirtschaft steckt. Weltweit leben die Menschen als Sklaven ihres Wirtschaftssystems und sehen diesen Zustand auch noch als alternativlos an. Bei diesem Gipfel geht es natürlich nach wie vor nicht darum, wirklich eine Lösung des Weltproblems, einen Weg zurück zu einer nachhaltigen Wirtschaft, zu einem nachhaltigen Leben zu finden, sondern nur darum das vorherrschende Wirtschaftssystem zu verteidigen. Alle Umweltorganisationen, ja selbst Ban Ki Moon sind erschüttert (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ban-ki-moon-zu-rio-20-das-konsum-prinzip-ist-tot-a-838701.html).

Einer der wichtigsten Schritte zur Rettung einer Zukunft für den Homo sapiens sapiens ist ein Ende der Konsumgesellschaft. Der irrationale Konsum, natürlich in erster Linie in den Industriestaaten muss um mindestens die Hälfte verringert werden, da mindestens die Hälfte aller gekauften Dinge völlig überflüssig sind. Das würde aber bedeuten, dass die Wirtschaft dort um die Hälfte verkleinert werden muss, was wiederum eine totale Abkehr von der Wachstumsideologie bedeutet.

Das kapitalistische System muss anerkennen, dass es gescheitert ist, dass von Anfang an das andere System richtig war und nur daran gescheitert war, dass es „zu Tode gerüstet“ wurde. Dass Frau Merkel, Herr Obama und all die anderen Politiker dies nicht eingestehen können, war von vorneherein klar. Kapitalismus kann nicht nachhaltig wirtschaften, er schließt Nachhaltigkeit grundsätzlich aus. Es stellt sich nur die Frage, wie lange dieser Planet und seine Bewohner dies noch aushalten (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/163198/index.html).

Ein auskömmliches Zusammenleben aller Menschen mit ihrer Mitwelt ist ausgeschlossen, solange ein Wettbewerb um die höchsten Produktionsmengen und Umsätze alleiniger Garant für ein Überleben eines Systems ist. Die Länder Südamerikas, die das „Buen Vivir“ bereits in ihrer Verfassung verankert haben, haben damit eine Verpflichtung zur Umkehr, zum Ausstieg aus dem grenzenlosen Wachstum zwingend vorgeschrieben.

 

Es geht nicht um die Romantisierung indigener Lebensweisen

Es mag bitter für viele Menschen in den westlichen Ländern sein, dass sie ihr Leben lang mit einer rosaroten Brille ihr Leben und die Zukunft betrachtet haben. Immer mehr Staaten, besonders in Europa erkennen, wie sehr sie sich komplett zu Sklaven der Finanzindustrie gemacht haben. Diese beherrscht ihrerseits die Weltwirtschaft, indem sie ihre Finanzströme nur dorthin lenkt, wo die größten Renditen zu erwarten sind. In Wahrheit arbeiten alle Steuerzahler dort aber nur noch dafür, diesen absolutistischen Fürsten ihre Renditen zu garantieren, egal in welchem Beruf.

Die Zinslasten, selbst in der Bundesrepublik Deutschland übersteigen in Wahrheit schon das normale Staatsbudget, ein Zustand wie zu Zeiten Luthers, der als einer der Letzten erfolgreich gegen diesen Ablasshandel vorging. Professor David Graeber, Ethnologe, verlangt daher völlig zu Recht als Erstes ein totales Zinsverbot, eine Streichung aller Zinsschulden als Einstieg in einen neuen Weg der Weltwirtschaft, hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu gehört dann automatisch ein Aussetzen des Handels mit „irrealen Finanzprodukten“ an den Börsen, also die Schaffung eines neuen Handelsmarktes, der nur noch mit real existierenden Produkten Handel treibt.

Die sofortige und vollständige Abkehr von dem kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ist die einzige Therapie, die ein Überleben des Patienten ermöglichen kann. David Graeber weist dies in seinem Werk „Schulden“ ausführlich an der Geschichte der letzten 5000 Jahre nach. Diese Operation – ohne Betäubung – ist absolut möglich, auch wenn sie für einen bestimmten Kreis der Bevölkerung mit Einschnitten verbunden ist. Dieser Kreis, nach der Charta der Menschenrechte ohnehin krimineller Olligarchen, ist allerdings überschaubar klein. Die in der Industrie freizusetzenden Arbeitskräfte werden, wie in der in vielen Staaten Lateinamerikas längst wachsenden alternativen Wirtschaft sofort eine neue Beschäftigung finden. Diese „neue Arbeit“ ist nachweislich ohnehin stressfrei, ja sogar oft „beglückend“.

 

Die Angst vor dem richtigen Schritt

Die verantwortlichen Politiker fürchten um ihre Macht, ihre Pfründe. Dass sie, wie in früheren Zeiten oder heute noch in arabischen Ländern zum Tode verurteilt werden, ist unwahrscheinlich. In der neuen Gesellschaft werden sich ausreichend Stellen finden, wo sie mit leichteren Tätigkeiten beschäftigt keinen weiteren Schaden anrichten können. Die übrigen Menschen fürchten sich in der Regel nur davor ihr bisheriges Leben umzustellen, weil die Alternativen ihnen als Wege in die Hölle beschrieben wurden. Diese Verantwortung müssen die vorgenannten Mächtigen schon übernehmen. Es braucht daher einen langen Weg der Information der Menschen, um sie zu dem Schritt in ihr Glück zu überzeugen.

Es ist sicher nicht Dummheit oder Ignoranz, die die Menschen bisher gehindert hat; die meisten sind durchaus intelligent. Ein Gehirn kann aber nur Begriffe denken und kombinieren, die es kennt. Falsche Information zieht unweigerlich auch falsches Denken nach sich. Wähler, die nach wie vor glauben, dass Atomstrom oder Strom aus Braunkohle billiger ist, als solcher aus Windkraft oder Biomasse, sind eben völlig falsch informiert. Man verschweigt ihnen vorsätzlich, dass sie über ihre Steuern die gewaltigen Kosten übernehmen, die die Steinzeittechnologien verursachen und dass der Strompreis der fossilen Energien hoch subventioniert ist. Das Gleiche gilt aber auch für alle anderen Industrieprodukte, einschließlich des gesamten Gesundheitssystems. Die Menschen werden systematisch betrogen und belogen.

Würden sämtliche Subventionen sofort und vollständig aufgehoben und eingestellt, wäre die Entscheidung für jeden Bürger einfach. Alle nachhaltig erzeugten Produkte sind grundsätzlich um ein Vielfaches preiswerter, als jedes Industrieprodukt. Der entscheidende Erfolg der Streichung aller Subventionen wäre aber, dass plötzlich ein Zwang zu einer Umstellung auf nachhaltige Produktionsweisen entsteht. Der deutsche Finanzminister hätte im Übrigen sofort jährlich über 40 Milliarden Euro mehr zur Verfügung, die Übergabe des ersten Schecks durch das „nano-Team“ des Senders 3Sat am 20. Juni ist allerdings gescheitert.

 

Die Verfassung Ecuadors als Modell für den Rest der Welt

2008 hat Ecuador das Prinzip des guten Lebens in die Verfassung aufgenommen. Dieses „gute Leben“ bedeutet kein „Besser Leben“, sondern ein erfülltes Leben in einer harmonischen Gemeinschaft mit den Mitmenschen und der Mitwelt. In dieser neuen Verfassung wurden die Grundsätze der indigenen Weltanschauungen mit einer nachhaltigen Entwicklung der industriellen Kultur verbunden. Dieses eigentlich jahrtausendealte System kann von vielen Menschen der Industrieländer „nicht gedacht“, nicht nachvollzogen werden, weil viele Begriffe dazu fehlen. Allein ein „nachfühlen“ sollte aufgrund ganz alter Erfahrungen möglich sein. Eine Einordnung in die Schubladen, in denen viele Menschen denken müssen, um sich in der Welt der chaotischen Details zurechtzufinden, ist nicht möglich.

Buen Vivir, oder indianisch „Sumak kawsay“ beruht auf Erfahrung, auch spiritueller Art, ist weder kapitalistisch, noch sozialistisch, eher ein gelebter Kommunismus oder eben „Anarchie“.

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