Der chinesische Elektroautohersteller XPeng verhandelt weiterhin über den möglichen Erwerb eines europäischen Volkswagenwerks. Ziel ist es, die Produktion für den europäischen Markt auszubauen und die Kapazitätsgrenzen der bestehenden Auftragsfertigung bei Magna Steyr in Graz zu überwinden. XPengs Europamanager Elvis Cheng bestätigte entsprechende Gespräche am Rande des „Future of the Car“-Gipfels der Financial Times .
Hintergrund: EU‑Zölle und steigende Nachfrage
Seit September 2025 lässt XPeng die Modelle G6 und G9 bei Magna Steyr fertigen, um die hohen EU‑Zölle auf in China produzierte Elektroautos zu umgehen. Auch die neue Limousine P7+ absolvierte dort bereits eine Testproduktion .
Die Exportzahlen zeigen das Wachstum deutlich: Im April 2026 exportierte XPeng 6.006 Fahrzeuge, ein Plus von 62 % gegenüber dem Vorjahr und 28 % gegenüber März. In den ersten vier Monaten 2026 waren es 17.563 Fahrzeuge, ein Anstieg von 55 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum .
XPengs Exportstrategie ist auch eine Reaktion auf gekürzte Subventionen im chinesischen Heimatmarkt, wodurch das Unternehmen stärker auf internationale Verkäufe angewiesen ist .
Warum ein VW‑Werk?
XPeng prüft sowohl den Kauf eines bestehenden Werks als auch den Bau einer eigenen Fabrik. Cheng betonte jedoch, dass nicht alle stillgelegten Volkswagen‑Standorte den technischen Anforderungen moderner Elektrofahrzeugproduktion entsprechen. Einige Werke seien „ein wenig alt“ und müssten umfassend modernisiert werden .
Für Volkswagen käme eine Kooperation oder ein Verkauf zur rechten Zeit: Der Konzern befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau, hat das Werk in Dresden bereits geschlossen und plant, seine Produktionskapazität in Europa bis 2030 um 750.000 Fahrzeuge zu reduzieren – zusätzlich zu weiteren 500.000 Einheiten, die europaweit gestrichen werden sollen .
VW‑Chef Oliver Blume hat signalisiert, dass man ungenutzte Kapazitäten für chinesische Partner öffnen könnte .
Strategische Partnerschaft seit 2023
Volkswagen und XPeng arbeiten bereits seit 2023 zusammen. VW investierte damals 700 Millionen US‑Dollar und hält seither rund fünf Prozent an XPeng. Die Kooperation umfasst Fahrzeugentwicklung und Fahrassistenzsysteme. Jüngst wurde Volkswagen sogar erster kommerzieller Kunde für XPengs KI‑gestützte Fahrassistenzlösung VLA 2.0 .
Nicht nur XPeng: Chinesische Hersteller bauen Europa‑Präsenz aus
XPeng ist nicht allein:
- BYD verhandelt über die Übernahme bestehender Werke und baut parallel Fabriken in Ungarn und der Türkei.
- Stellantis vertieft die Zusammenarbeit mit Leapmotor und stellt Kapazitäten in Spanien zur Verfügung .
Diese Entwicklung zeigt einen strukturellen Wandel: Während europäische Hersteller Überkapazitäten abbauen, suchen chinesische Elektroautohersteller aktiv nach lokalen Produktionsmöglichkeiten. Eine Fertigung innerhalb Europas ermöglicht es, EU‑Zölle zu vermeiden und die Marktpräsenz zu stärken.
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Bild: XPeng