Photocredit: Elisabeth Demeter
Photocredit: Elisabeth Demeter
Die Veganerie vereint viele Aspekte der Nachhaltigkeit.

Von außen eher unscheinbar und fast zu übersehen, ist die Veganerie – der erste vegane Sozialmarkt mit Bistro in Wien – noch ein bisschen ein Geheimtipp. Aber was findet man dort? Und Was macht diesen Ort bzw. deren Angebot so besonders?

Als Projekt des Vereins Start Up bietet die Veganerie veganes essen mit geretteten Lebensmitteln. Es gibt täglich frische Suppen, Smoothies, Wraps, Burger und Salate, wobei die Inhalte je nach Angebot variieren. Außerdem gibt es ein oder zwei Menüs, bzw. durch die aktuelle „Beyond Meat“ Aktion einen köstlichen Spezial-Burger. Und alles ist aus veganen Lebensmitteln zubereitet, die von Supermärkten nicht mehr verkauft werden.

Sinnvolle Nutzung geretteter Lebensmittel

Die Veganerie zeigt auf, dass auch mit Lebensmitteln, die von Supermärkten aussortiert wurden (ob aus Gründen von abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder auch nur Überproduktion) bzw. am Müll landen würden, noch sehr viel möglich ist. Wie auch einige andere Projekte, die in den letzten Jahren entstanden sind, wird durch das Kochen mit diesen aussortierten Lebensmitteln aufgezeigt, dass noch sehr viel Potential in ihnen steckt. Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, bedeutet es noch lange nicht, dass die Nahrung tatsächlich schon schlecht oder ungenießbar ist.

Ein bisschen wie in alten Gasthäusern bekommt man nicht nur frisch gekochtes, sondern auch diverse Waren direkt aus dem Regal oder der Auslage. - Photocredit: Elisabeth Demeter
Ein bisschen wie in alten Gasthäusern bekommt man nicht nur frisch gekochtes, sondern auch diverse Waren direkt aus dem Regal oder der Auslage. – Photocredit: Elisabeth Demeter

Durch die Nutzung dieser Lebensmittel kann sowohl mehr Bewusstsein auf das Problem der Überproduktion gelenkt werden, als auch die Ressourcenverschwendung reduziert werden. Und man muss nicht mal selbst kochen!

Günstige Lebensmittel und Speisen für einkommensschwache Menschen

Die Waren werden von den Supermärkten gratis abgegeben. Dadurch können sowohl die Lebensmittel als auch die in der Veganerie angebotenen Getränke und frisch gekochten Speisen wesentlich günstiger angeboten werden. Es ist lediglich eine Aufwandsentschädigung für die laufenden betrieblichen Kosten wie etwa Miete, Strom, LKWs zur Lieferung etc. notwendig.

Ein Großteil der Menschen, die ihre Zeit und Arbeitskraft in den Verein Start Up stecken, arbeiten ehrenamtlich. Der Verein bietet jedoch als Ausgleich die Möglichkeit, einige Lebensmitteln für den eigenen Bedarf mitzunehmen. Auch auch die guten Seelen in der Veganerie arbeiten vollständig ehrenamtlich.

Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen

Der Verein Start Up hat sich auf die Fahne geschrieben, „hilfsbedürftige Menschen dabei zu unterstützen, (wieder) in ein geregeltes Leben durchzustarten und (wieder) ein produktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden“. Daher werden auch im Betrieb der Veganerie Menschen integriert, die möglicherweise schon länger keine Anstellung hatten, körperlich beeinträchtigt sind, oder aus anderen Gründen am Arbeitsmarkt oft benachteiligt werden.

Wenn von etwas besonders viel da ist, kann es auch sein, dass die Lebensmittel nicht nur günstig sondern gratis vergeben werden. - Photocredit: Elisabeth Demeter
Wenn von etwas besonders viel da ist, kann es auch sein, dass die Lebensmittel nicht nur günstig sondern gratis vergeben werden. – Photocredit: Elisabeth Demeter

Besonderes Angebot für Vegane Lebensweise

Vegane Restaurants oder vegane Speisen in Restaurants gibt es inzwischen einige. Aber die Möglichkeit, gerettete Lebensmittel verkocht zu genießen, war bisher nur möglich wenn man es selbst gekocht hat. Durch die Veganerie ist es nun möglich, das zu vereinen, wodurch ein einzigartiges Angebot geschaffen wurde.

Ein bisschen Hintergrund

Die Veganerie selbst ist erst vor etwa zwei Jahren entstanden. Davor gab es am gleichen Ort schon das Sozialcafé das ebenfalls gerettete Lebensmittel verarbeitet/verkocht und angeboten hat. Die spezielle Ausrichtung auf vegane Speisen kam dann Anfang 2017. Es lief zunächst schleppend, aber seit der neuen kombinierten Filialleitung von Petra Aigner und Patricia Tomala wächst die Begeisterung, die Kundschaft, und auch die Anzahl der Mitglieder, die dieses Angebot nutzen, stetig an.

Wie funktioniert‘s?

Da die Veganerie Teil des Vereins Start Up ist, ist dieses gesamte günstige Angebot nur für Vereinsmitglieder nutzbar. Eine Mitgliedschaft ist jedoch sehr leicht zu bekommen. Für einkommensschwache Menschen ist lediglich ein Nachweis ihrer Situation notwendig und ein Euro für die Erstellung der Karte zu zahlen. Aber auch Menschen mit ausreichend Einkommen können durch eine Fördermitgliedschaft mit einem etwas höheren Betrag ohne Probleme Mitglied werden.

In netter Atmosphäre kann jedes Mitglied köstliches veganes Essen genießen. - Photocredit: Elisabeth Demeter
In netter Atmosphäre kann jedes Mitglied köstliches veganes Essen genießen. – Photocredit: Elisabeth Demeter

So soll es weitergehen

Seit kurzem hat die Veganerie auch Samstag vormittags geöffnet. An diesem Tag ist es auch möglich, Frühstück zu bekommen. Das bedeutet unter anderem, dass die Angebotspalette sich um Bananenbrot, vegane Cupcakes oder ähnliches erweitert.

Patricia Tomala ist als eine der Filialleiterinnen der Veganerie mit ihrem ganzen Herzen dabei, und träumt aber davon, diese und weitere vegane Backwaren aus den geretteten Zutaten auch an weiteren Tagen der Woche anbieten zu können.

In Kontakt treten

Auf facebook ist man derzeit immer aktuell, welche Produkte es gerade – speziell in größeren Mengen – gibt, und welche Gerichte auf der Karte zu finden ist.

Wer bei der Veganerie – oder auch beim Foodpoint nebenan – aushelfen möchte oder durch Spenden unterstützen möchte, kann am Besten direkt im Lokal in Hernals vorbeikommen,

Fazit

Ob man nun darauf schwört, dass vegane Ernährung die nachhaltigste Form des Lebensmittelkonsums ist, oder nicht. Die guten Seelen der Veganerie zeigen in jedem Fall auf, dass Vegan gut schmecken kann. Außerdem ermöglicht es auch einkommensschwachen Menschen, sich bewusst für diesen Lebensstil zu entscheiden, der durch dieses Angebot auch leistbarer wird – vor allem wenn man selbst nicht Haubenkoch oder Haubenköchin ist.

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