Dieses Bild zeigt deutlich: Solarenergie und Natur können Hand in Hand gehen. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner
Dieses Bild zeigt deutlich: Solarenergie und Natur können Hand in Hand gehen. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner
In Liesing steht seit 2013 ein Solarkraftwerk, das wohl als eine Art Musterbeispiel gelten kann, wenn es darum geht, wie nachhaltige Energie und wertvoller Lebensraum einander ergänzen. Wir haben das BürgerInnen Solarkraftwerk beim Fernheizwerk Süd für euch mit der Kamera besucht.

Ok, wir geben es zu: Ein besonders hübscher Weg ist es nicht, den man nehmen muss, um das Areal des Fernheizwerk Süd zu besuchen. Gelegen in der Rosiwalgasse im 23. Bezirk ist das Fernheizwerk nicht gerade zentral zu erreichen. Gefühlt ist es ein Bereich mitten im Niemandsland, eingebettet zwischen rastenden LKW und dem riesigen Logistikzentrum einer großen Handelskette. 

Von der Innenstadt braucht es ein bisschen Zeit, um hier in die Rosiwalgasse im 23. Bezirk zu kommen.
Von der Innenstadt braucht es ein bisschen Zeit, um hier in die Rosiwalgasse im 23. Bezirk zu kommen.

Es ist aber nicht die Einöde, die unsere Redakteurin so magisch nach Liesing gezogen hat und übrigens auch nicht das bis zu 70.000 Haushalte mit Warmwasser und Heizung versorgende Fernheizwerk Inzersdorf. 

Hier an der Adresse Rosiwalgasse 94 befindet sich das Fernheizwerk Inzersdorf, von dem aus Tausende Wiener Haushalte mit Wärme versorgt werden. 
Hier an der Adresse Rosiwalgasse 94 befindet sich das Fernheizwerk Inzersdorf, von dem aus Tausende Wiener Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Wir sind heute hier, weil sich eine besonders große Solaranlage von Wien Energie auf dem Gelände befindet, die unsere Aufmerksamkeit erregt hat. 

Hier erstreckt sich eine Photovoltaikanlage in beeindruckender Größe unmittelbar vor dem Fernheizwerk Süd. 
Hier erstreckt sich eine Photovoltaikanlage in beeindruckender Größe unmittelbar vor dem Fernheizwerk Süd.

Denn diese Solaranlage ist nicht nur für die Erzeugung nachhaltiger Energie zuständig, sondern das BürgerInnen Solarkraftwerk Liesing, das 2013 in Betrieb genommen wurde, ist mittlerweile zu einem wertvollen Lebensraum für schützenswerte Tiere geworden. Aber dazu später mehr. Erst wollen wir uns ein Bild von der Umgebung machen. 

Bewegt man sich nur ein bisschen weiter, könnte man denken, man wäre außerhalb der Stadt. Nur der Hintergrund des Bildes erinnert daran, dass man sich eigentlich in einem auch industriell genutzten Gebiet befindet.
Bewegt man sich nur ein bisschen weiter, könnte man denken, man wäre außerhalb der Stadt. Nur der Hintergrund des Bildes erinnert daran, dass man sich eigentlich in einem auch industriell genutzten Gebiet befindet.

Spannendes Solarprojekt und Natur

Wenn man entlang des Geländes spaziert, merkt man aber gleich: Hier gibt es doch ein bisserl mehr als nur „G’stättn“. Denn wenn man einmal rundherum um das Fernheizwerk geht, befindet man sich auf einer relativ weiträumigen Grünfläche, die als Ausgangspunkt zu einem Spaziergang einlädt. 

Wer Ruhe sucht, wir sie hier finden, denn bei einem Spaziergang in dieser Gegend begegnen einem nicht mehr viele Menschen.
Wer Ruhe sucht, wir sie hier finden, denn bei einem Spaziergang in dieser Gegend begegnen einem nicht mehr viele Menschen.

Ein kleiner Weg führt entlang des Fernheizwerks gesäumt von Büschen und Bäumen, die sich im Herbst von ihrer schönsten Farbenpracht zeigen. Auch wenn Inzersdorf für viele hauptsächlich mit „Industrie“ gleichgesetzt wird, zeigt sich schon hier, dass auch dieser Teil des 23. Bezirks zum Verweilen in der Natur einlädt. 

Naturparadies oder Gewerbegebiet? Ganz sicher ist man sich hier an dieser Stelle eigentlich nicht.
Naturparadies oder Gewerbegebiet? Ganz sicher ist man sich hier an dieser Stelle eigentlich nicht.

Wir finden ja, dass genau das beim Streben nach Erholung in der Natur durchaus Sinn ergibt: Nämlich Spazierwege abseits der klassischen Wiener Pfade, wie z. B. der Prater Hauptallee, zu suchen. Und die Erfahrung zeigt: Oft findet man die genau da, wo man sie am wenigsten erwartet. Wie eben zum Beispiel hier entlang des Weges, der uns langsam wieder näher zum Fernheizwerk bringt.

Und schon führt uns unser ruhiger Spaziergang wieder zurück vor die Tore des Fernheizwerks Süd.
Und schon führt uns unser ruhiger Spaziergang wieder zurück vor die Tore des Fernheizwerks Süd.

Auf unserem Weg zurück zur Straße, kann man schon einen neugierigen Blick auf das Gelände des Inzersdorfer Fernheizwerks werfen, das hier seit 1996 von Wien Energie betrieben wird und schon im Hintergrund den Blick auf die eingangs erwähnte Solaranlage preis gibt. 

Im Hintergrund kann man schon erahnen, was sich noch auf dem Areal befindet: eine ganz besondere Photovoltaikanlage.
Im Hintergrund kann man schon erahnen, was sich noch auf dem Areal befindet: eine ganz besondere Photovoltaikanlage.

Steht man dann unmittelbar vor dem BürgerInnen Solarkraftwerk, wird die Dimension dieser Sonnenstromanlage deutlich: Sie besteht aus 1920 Paneelen, die hier auf einer Fläche von ca. 7.400 m² errichtet wurden. 

Hier wird für einen Teil der Wiener Haushalte nachhaltige Energie erzeugt. 
Hier wird für einen Teil der Wiener Haushalte nachhaltige Energie erzeugt.

Insgesamt wird hier so viel sauberer Strom produziert, dass damit knapp 200 Haushalte in Wien versorgt werden können. Aber das ist nicht die einzige gute Umweltnachricht hier aus dem 23. Bezirk, denn genau so lang, wie das Solarkraftwerk hier steht, wird an dieser Stelle auch ein Artenschutzprojekt betrieben. Denn die Bauweise, bei der die Solarpanele weit auseinander errichtet werden, lässt ausreichend Platz, dass sich Pflanzen und Tiere dazwischen ansiedeln können.

Hier ist genug Platz zwischen den Modulen, dass sich auch der Feldhamster hier ansiedeln konnte. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner
Es ist genug Platz zwischen den Modulen, dass sich auch der Feldhamster hier ansiedeln konnte. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner

Ein Prinzip, das auch bei der aktuell in Wien geplanten, größten Photovoltaikanlage der Stadt verfolgt wird: Denn sie ist so konzipiert, dass die Flächen darunter parallel für 150 Schafe als geschützte Weidefläche dienen kann. 

Schützenswerte Insekten wie bestimmte Heuschreckenarten fühlen sich rund um die Solarmodule ebenfalls wohl. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner 
Schützenswerte Insekten wie bestimmte Heuschreckenarten fühlen sich rund um die Solarmodule ebenfalls wohl. Fotocredit: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner

Lebensraum Photovoltaik – mit der Natur im Einklang

Dass sich Technik und Natur somit nicht ausschließen, sondern sogar ergänzen können, zeigt die Solaranlage in Liesing auf mehreren Ebenen. Denn die ökologischen Untersuchungen haben gezeigt, dass dort mittlerweile 13 Heuschreckenarten, darunter die schützenswerte Gottesanbeterin und die Fangschrecke, nachgewiesen werden konnten. Aber auch die Schnirkelschnecke, das Nachtpfauenauge und Eidechsen haben sich hier ausgebreitet. 

Ein besonders spannendes Naturprojekt wird hier am Gelände der Solaranlage vor allem im Sommer wieder relevant werden. Wien Energie hat einen Teil des Geländes nämlich bereits vor einigen Jahren dem Verein „Stadtimker“ zur Verfügung gestellt, der hier wiederum Platz für zehn Honigbienenvölker findet. Die Bienen haben hier einen natürlichen Lebensraum mitten im städtischen Gebiet.

Im Sommer ist trägt das BürgerInnen Solarkraftwerk Liesing dazu bei, den städtischen Bienenbestand zu sichern und zu erweitern. Fotocredit: © Wien Energie/FOTObyHOFER/Markus Wache
Im Sommer trägt das BürgerInnen Solarkraftwerk Liesing dazu bei, den städtischen Bienenbestand zu sichern und zu erweitern. Fotocredit: © Wien Energie/FOTObyHOFER/Markus Wache

Quellen: buergerkraftwerke.at, wienenergie.at, positionen.wienenergie.at, Fotocredits: © Wien Energie/Wiener Wildnis – Popp-Hackner (3), Wien Energie/FOTObyHOFER/Markus Wache (1), Energieleben Redaktion


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