Artenvielfalt, Fotocredit: Verein Arche Noah
Artenvielfalt, Fotocredit: Verein Arche Noah
Verfahren in der Gentechnik werden schneller weiter entwickelt, als sie reguliert werden können. Möglichkeiten, auch als Konsument etwas dagegen zu tun.

Im April hab ich euch schon vom Genome Editing erzählt, bei dem DNA Bausteine gezielt entnommen, hinzugefügt oder ausgetauscht werden können. Dabei bin ich auch auf die Probleme, die damit entstehen eingegangen. Nun hat die Regierung reagiert: der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass neue gentechnische Verfahren mit Zulassungsverfahren, Risikobewertung und Kennzeichnung in der EU reguliert werden müssen.

Neuartige Gentechnik

Gentechnik ist an sich ja nichts neues, es gibt unterschiedliche Verfahren und Methoden. Manche davon sind bereits reguliert, manches verboten. Genome Editing ist relativ neu und war bisher nicht reguliert. Dennoch war es umstritten, da es, wie alle Arten der Gentechnik, Veränderungen des Erbgutes von Lebewesen erzielen kann, deren Folgen nicht vorhersehbar sind. Das ist bei allen Arten von Lebewesen so: Menschen, Tieren und auch Pflanzen. 

Nun sind endlich auch diese sogenannten „Mutagenese-Verfahren“, zu denen auch Genome Editing gehört, reguliert. Ausnahmen vom Gesetz gelten für lange verwendete und als sicher geltende Methoden, denn auch die gibt es. Dazu zählen zum Beispiel die Züchtung durch Bestrahlung und Chemikalien.

Es ist noch nicht vorbei

Seitens des Gerichtshofes wurde also ein klares Zeichen gesetzt. Nun muss eine Umsetzung des Urteils auf nationaler und europäischer Ebene erfolgen – am besten rasch und vollständig. Die starke Lobby der Saatgutkonzerne wird nämlich Anstrengungen unternehmen, das Gesetz zu umgehen. Auch der Handel muss Importe lückenlos den europäischen Anforderungen anpassen, was Produzenten in Länden wie den USA, in welchen keine Kontrollen und Kennzeichnungen notwendig sind, vor Herausforderungen stellt.

Die Saatgutindustrie verspricht inzwischen eine Sicherung der Welternährung durch die neue Gentechnik. Betrachtet man allerdings den bisherigen Pfad der Gentechnik, so hat diese bisher vor allem die Schattenseiten industrieller Landwirtschaft gefördert. Der Spritzmitteleinsatz ist gestiegen und hat zur Entstehung von resistenten Superunkräutern und -insekten geführt. Diese werden mit immer mehr Chemie bekämpft, was die Gesundheit von Mensch und Umwelt nur weiter belastet. 

Saatgutkonzerne wie Bayer-Monsanto wollen mit der neuen Gentechnik einige wenige profitabel „Supersorten“ entwickeln. Dadurch wäre unsere Ernährung jedoch abhängig von einigen wenigen multinationalen Konzernen und die Pflanzenvielfalt ginge verloren. Sollte sich unter diesen wenigen Sorten dann einmal ein Krankheitserreger ausbreiten, hätte das katastrophale Folgen.

Die biologische Vielfalt sichert, dass sich unsere Umwelt an die sich stetig veränderten Bedingungen anpassen kann. Sie unterstützt die Anpassung an extreme Wetterbedingungen, neue Krankheiten oder Schädlinge. 

Fotocredit: Verein Arche Noah
Fotocredit: Verein Arche Noah

Was können wir als Konsumenten tun?

Das ist für mich immer die große Frage. Was kann ich denn als Einzelner gegen all diese großen Konzerne ausrichten? Als Erstes gleich einmal: so alleine bin ich gar nicht! Es gibt so viele, die ähnlich denken wie ich. Viele haben sich schon in Vereinen zusammen geschlossen oder unterstützen große Organisationen wie Greenpeace oder die Arche Noah. Man muss sich aber nicht gleich einem Verein anschließen, auch im normalen Alltag kann man viel tun:

  • Gentechnikfrei einkaufen
    Produziert wird auf Dauer nur was auch gekauft wird. Ein erster Schritt ist also alles gentechnikfrei zu kaufen. Am besten dabei auf die Gütesiegel achten, doch die sind leider nicht lückenlos. Bio ist hier wie immer eine gute und sichere Möglichkeit.
  • Aktiv nachfragen
    Ist die Sachlage nicht eindeutig ersichtlich kann man auch nachfragen. Im Lebensmittelgeschäft oder auch im Restaurant. Vor allem bei tierischen Produkten wie Fleisch, Eier und Milchprodukten macht es Sinn nachzufragen, ob die Futtermittel gentechnikfrei sind. Häufen sich die Anfragen denken auch mehr Unternehmen nach.
  • Freunde informieren
    In der heutigen Informationsflut geht vieles unter. Verbreiten wir also gemeinsam die Informationen die wir haben. 
  • Seltene Arten erhalten
    In einem eigenen Garten (oder auch auf einem Balkon oder einem Fensterbrett) kann man aktiv seltene Obst- und Gemüsepflanzen setzen, um diese für die Nachwelt zu bewahren. Verschenkt man Saatgut und Pflanzen dann noch an Freunde und Familie fördert man weiterhin die Verbreitung des alten Saatguts. 
  • Kinder einbeziehen
    Für mich sind die Kinder immer ein wichtiges Thema – sind doch sie die Zukunft unserer Erde. Ich beziehe sie daher auch beim Gärtnern mit ein damit sie wissen, woher das Essen kommt und worauf man dabei achten sollte. Noch sind sie sehr klein, aber um es im Gärtnerjargon zu sagen: Der Same ist gesät und trägt hoffentlich irgendwann Früchte. 

Du siehst also, auch wir können viel tun! Arbeiten wir also im Kleinen und hoffen, dass die „Großen“ auch ihre Arbeit machen.

Quellen:
Arche Noah, Marlene Bacher, „Neue Gentechnik wird reguliert! Ein Etappensieg für die Vielfalt
IG Saatgut
Gentechnikfreie Bodenseeregion, „Was kann ich als Konsument tun?

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