Stadtluft macht nicht mehr frei, sondern eher krank.

Die Zeiten des „Londoner Smogs“, der noch im Jahr 1952 tausenden Menschen das Leben kostete und Zehntausende krank machte, sind – angeblich – vorbei, doch taucht das Smogmonster weltweit sichtbar in Peking und Neu Delhi inzwischen wieder auf. Auch in allen anderen Städten der Welt ist die Luft nicht sauberer geworden, sondern sogar noch schmutziger. Man sieht dieses nicht so, wie damals in England oder eben in Peking 2015. Der neue Schmutz ist unsichtbar, subtiler geworden, aber allgegenwärtig. Nun haben clevere Erfinder daraus eine Geschäftsidee gemacht, Schmutz fressendes Moos.

High-Tech-Moos statt Bäumen

Die Dresdener Firma Green-City-Solutions hat eine Anlage entwickelt, die mit einem Computerüberwachten Spezialmoos die Stadtluft so gut reinigen soll, wie etwa 257 ausgewachsene Bäume. Die Anlage besteht aus senkrecht befestigtem Moos, einem 1000 Liter Wassertank und einer computergesteuerten Steuereinheit, die solarbetrieben autark sein soll. Der Tank soll sich durch aufgefangenes Regenwasser dauerhaft gefüllt halten. Die ganze Anlage benötigt eine Stellfläche von 3 Quadratmetern und ist 4 Meter hoch. Kosten: 25.000,00 Euro. 257 Bäume sollen dagegen das Zehnfache kosten. Soweit eine clevere Idee, auf die inzwischen Stadtverwaltungen von Peking und Hongkong aufmerksam geworden sind. Über Wartungskosten und die üblichen „black-outs“ derartiger computergesteuerter Systeme können die Hersteller – noch – nichts sagen, dazu fehlen die Erfahrungen.
Zu welchen Problemen diese „autarken“ Steuereinheiten führen, kann man gerade – seit dem 03.02.2016 – in der Unterelbe betrachten, wo einer der größten Containerfrachter der Welt im Schlick festsitzt und sich nicht befreien lassen will. Die computergesteuerte Ruderanlage hatte so einen „black-out“ und ließ sich nicht auf totalen Handbetrieb umstellen.

Warum also immer auf Probleme reagieren, statt die Wurzeln anzugreifen

Intelligenz ist nicht, auf ein Problem irgendwie zu reagieren, sondern herauszufinden, wo die Wurzel des Übels ist und diese zu beseitigen. Dabei sollte man viele Randbedingungen – dass ist in der Regel die Vorgabe, die Situation der Mitwelt – in die Untersuchung mit einbeziehen. So haben es Menschen eigentlich über Millionen Jahre gelernt. Im Fall der Städte und der sie so „ungesund“ machenden Luftverschmutzung ist die Ursache des Übels seit langem bekannt. In London hat man in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die Millionen Kohleöfen abgeschafft. Das war damals eine sinnvolle Aktion. Heute sind es in erster Linie die Fahrzeuge, die die Luft verpesten, die Schwerindustrie hat sich aus den meisten Städten Europas verabschiedet. Die erste Überlegung zum Problem der Luftverschmutzung muss also dort ansetzen. Eine Stadt ohne Autos ist keine Utopie, sondern lediglich der alte Kampf gegen die übermächtige Lobby der Automobilkonzerne. Politiker haben sich speziell dieser Lobby und dieses in Deutschland besonders willfährig unterworfen. Weder die Interessen der Menschen – hier der Stadtbewohner – noch deren Gesundheit sind im Fokus des Interesses.

Immer weiter so ist keine Option

Jeder siebte Todesfall – weltweit – hat seine Ursache in der Luftverschmutzung. Berücksichtigt man, dass es immer noch „saubere“ Bereiche auf diesem Planeten gibt, erhöht sich diese Zahl auf etwa jeden vierten Großstädter. Hinzu kommen alle chronischen Leiden und Allergien, die durch schlechte Luftqualität hervorgerufen sind. Künftig sollen Städte, laut einer Forderung der EU-Kommission, für jede Überschreitung der – bisherigen – Grenzwerte eine Strafe von 100.000,00 Euro zahlen. Allerdings wird nicht in allen Städten und wenn, dann nicht überall, wo es nötig wäre und nicht kontinuierlich gemessen. Messdaten werden auch nicht transparent gemacht und „kurzfristige Ausreißer“ gerne übergangen.
Trotz allem ordnet sich jede Stadtplanung dem „Verkehrsaufkommen“ unter und versucht in der Regel chancenlos dem täglichen Verkehrsinfarkt Herr zu werden. Jeder außenstehende Betrachter dieses Irrsinns muss an der Intelligenz der Akteure zweifeln. Hinzu kommen die betrügerischen Machenschaften der Automobilkonzerne – wie der aktuelle VW-Betrugsskandal – die ein Beweis dafür sind, wie die „Verantwortlichen“ mit dem Thema umgehen. Ausschließlich die Gewinne, die Renditen zählen und das Heer der Mitarbeiter, deren potenzielle Arbeitslosigkeit wird stets als Waffe eingesetzt. Politiker bezeichnen ihr Nicht-Handeln dann als alternativlos.
Und dann wird eine neue Technologie – High-Tech-Moos – eingesetzt, um die Schadstoffe aus der Luft zu saugen – und Verkehrschaos und Schadstoffausstoß können weiter wachsen. Ob nun tatsächlich und in welchem Zeitraum mit dieser neuen Geschäftsidee die Stadtluft sauberer wird, ist nur theoretisch ermittelt worden. Inzwischen haben die Kinder der „plant-for-the-plante“ Aktion weltweit über 14 Milliarden Bäume gepflanzt, mit Spenden von einem Euro je Baum. Bäume wachsen in der Regel ganz allein und halten weit über 50, ja oft 100 Jahre. Bäume machen nicht nur die Luft sauber, sondern sorgen grundsätzlich für ein gutes „Stadtklima“ und sind grundsätzlich seit Millionen Jahren für Menschen „gute Kameraden“. Für die Kosten der Moosanlagen von 25.000,00 Euro würden mithin genau 25.000 Bäume gepflanzt werden können, mit einem wesentlich hören und länger wirkenden Nutzen für die gesamte Mitwelt. Wenn also alle Straßen in jeder Stadt zu Alleen werden, auf denen höchst selten ein ohnehin „schadstofffreies“ Mobil fährt, kann man auch wieder den alten Spruch gelten lassen: „Stadtluft macht frei“.
http://ze.tt/ein-moos-soll-die-luftverschmutzung-in-grossstaedten-auffressen/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon
http://www.plant-for-the-planet.org/de/startseite#intro
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-kohlekraftwerke-stossen-tonnenweise-quecksilber-aus-a-1069875.html
http://www.welt.de/gesundheit/article126163590/Jeder-achte-Todesfall-durch-verschmutzte-Luft.html
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/gr_ne_st_dte_1997.htm
http://www.autofreie-stadt.de/
http://www.spektrum.de/news/die-autofreie-stadt-ist-keine-utopie/1117935

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