Ein interessantes Interview mit dem Kabarettisten Roland Düringer in den ERDnachrichten passend zu seinem legendären TV-Auftritt als „Wutbürger“.

Roland Düringer ist ein Paradebeispiel eines Menschen der sich um 180 Grad gewandelt hat. Sein Auftritt bei Dorfers Donnerstalk ist ja bereits legendär. Für alle, die seinen „Wutbürger-Anfall“ noch nicht gesehen haben hier der Youtube-Link.

Lesen Sie was der Kabarettist über Stammtischdenken und Nachhaltigkeit denkt. Auszug aus dem

Gespräch von Roland Düringer mit Angie Rattay (Gründerin Neongreen Network)

ERDnachrichten: Braucht die Welt mehr Wutbürger?

Roland Düringer: Nein, es reichen die, die es schon gibt. Wichtig ist jetzt, was wir aus dieser Wut machen. Am Stammtisch wissen die Wutbürger ja immer ganz genau, wie die Welt verbessert werden könnte. Aber wir müssen auch begreifen, dass wir durch unser Handeln und durch unseren Konsum täglich ganz wichtige Entscheidungen treffen. Wir gehen quasi jeden Tag wählen. Aus den Wutbürgern sollten also mehr Tu-Bürger werden.

ERDnachrichten: Wie können wir die Politik dazu bewegen, mehr für die Umwelt zu tun?

Roland Düringer: Gar nicht. Wir können nicht von anderen erwarten, unsere Situation zu verbessern. Das haben wir lange probiert, und es hat nicht funktioniert. Die einzigen, die etwas tun können, sind wir selbst.

ERDnachrichten: Was für einen Beitrag kann die Zivilgesellschaft leisten?

Roland Düringer: Initiativen, die Aufmerksamkeit erregen, sind heutzutage sicherlich notwendig. Wenn sich die Menschen keine Gedanken machen, wo ihre Nahrung herkommt, weil sie ohnehin genug haben, ist es umso wichtiger, dass sie von verschiedenen Seiten – von euch, von mir, von anderen – immer wieder die gleiche Botschaft hören. So lange, bis sie sich denken, „jetzt scheiß ich drauf, jetz mache ich das auch.“

ERDgespräche: Hast Du als Kabarettist das Gefühl auch eine Art Bildungsauftrag zu haben?

Roland Düringer: Den sollte jeder haben, denn jeder kann die öffentliche Meinung mitbilden. Als Kabarettist hören mir vielleicht mehr Menschen zu, man sollt seine Wirkung aber auch im kleinen Kreis nicht unterschätzen. Viele Menschen wollen Veränderung, gleichzeitig wird aber so viel ideologisiert und politisiert, dass letztlich niemand etwas unternimmt. Bevor wir also allen erzählen, wie die Welt sein sollte, wäre es doch besser, wir leben es ihnen vor.

ERDgespräche: Was bedeutet für Dich eine „nachhaltige Lebensweise“?

Roland Düringer: „Nachhaltig“ ist ein modernes Wort und wir setzen es mit „gut“ gleich. Muss es aber nicht sein. Die Pharmaindustrie zum Beispiel arbeitet auch höchst nachhaltig. Die spritzen Neugeborene achtfach nieder, weil sie wissen, dass sie dadurch später gute Kunden werden.

Was uns fehlt ist der Bezug zur Natur. Mein Weg ist, dass ich in meinem eigenen Garten Gemüse anbaue, und im Wald spazieren gehe. Alle wird man nicht bekehren können. Wenn einer Scheißdreck fressen will, soll er Scheißdreck fressen.

ERDgespräche: Welche Themen regen Dich am meisten auf?

Roland Düringer: Ich habe vor einigen Jahren die Entscheidung getroffen, den Fernseher rauszuschmeißen, keine Zeitungen mehr zu lesen, und nicht mehr Radio zu hören.

Dass sich jetzt viele mit Nachhaltigkeit, Öko und Bio schmücken ist eh klar. Ein normales, armes Hendl muss mit einem Platz in der Größe von einem A4-Blatt auskommen und ein überglückliches Huhn hat dann eben den Platz von einem A4-Blatt UND einem Klopapierblatt. Das ist doch alles krank.

ERDgespräche: Warum hören wir nicht auf zu konsumieren und werden wieder glücklich?

Roland Düringer: Ganz auf Konsum zu verzichten geht nicht. Es geht um das rechte Maß. Viele sagen momentan, Geld ist schlecht, die Banken sind schlecht, Unternehmer sind Arschlöcher. Geld ist aber nicht grundsätzlich schelcht, es ist ein Werkzeug, mit dem ich Gutes und Schlechtes machen kann.

Wir müssen uns einfach überlegen, was wir wirklich brauchen. Dinge die nicht nachgefragt werden, werden langfristig auch nicht mehr produziert. Spätestens wenn’s kracht, werden wir sehen, was wir wirklich brauchen!

ERDgespräche: Wie können wir die Umwelt und das Klima schützen?

Roland Düringer: Das Klima braucht keiner schützen, die Umwelt braucht keiner schützen, wir müssen uns selber schützen! Erst wenn wir erkennen, dass wir ein Teil des großen Ganzen sind. Neue politische oder wirtschaftliche Systeme werden jedenfalls nichts ändern. Wir sollten die Lösungen daher nicht im Außen suchen, sondern bei uns selbst.

Quelle Text und Bildrechte: ERDnachrichten 2012 – Neongreen Network (Organisator der ERDgespräche)

Laut Meldung im Online-Standard hat Düringer einen ungewöhnlichen Selbstversuch angekündigt. Er will künftig auf Konto, Handy und Fernseher verzichten.

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2 Kommentare

  1. Super Roland,
    genau das was Du (in Deiner sehr klaren und unprätenzösen Art und Weise) thematisierst sind die großen Probleme der heutigen Zeit!
    Und das „System“ das wir haben, ist genau das was wir als Bürger „im Durchschnitt“ verdienen.
    Es liegt also nur an uns.
    Bitte nur weiter so!!!

  2. trotzdem habe ich nichts dagegen, dass er mit dem sch… viel geld macht. aber früher war er dafür wenigstens lustig.

    ps: er fällt im prinzip unter die kategorie „schrott, den er selbst bekrittelt“.

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