Die International Energy Agency hat einen neuen Report veröffentlicht, der auf die Entwicklung der beginnenden Klimakatastrophe eingeht und auf die Kosten, um diese im Rahmen des 2°C-Ziels zu halten.

Billig wird es wohl nicht mehr, egal, wie wir uns anstellen werden – so viel steht laut dem jüngsten Report Redrawing the Energy-Climate Map der IEA schon fest.

Die Welt ist schon längst nicht mehr auf dem international vereinbarten Pfad, den langfristigen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 2°C zu begrenzen. Der Anstieg liegt, verglichen mit der vorindustriellen Zeit, zwischen 3,6°C und 5,3°C, wird nach den aktuell implementierten Regelungen und Gesetzen weiter gearbeitet. Die IEA zeichnet ein düsteres Bild für unsere Zukunft.

Die Auswirkungen unseres Tuns bekommen wir schon zu spüren: die Veränderung des Klimas hat längst begonnen. Umweltkatastrophen wie Stürme, Fluten und Hitzewellen werden häufiger und extremer. Die zwei Jahrhundertfluten in Österreich innerhalb von 11 Jahren mit Schäden von jeweils 3 Mrd. € sind ein gutes Beispiel: die Häufigkeit lässt mich am Begriff “Jahrhundertflut” zweifeln.

Während die globalen Anstrengungen jetzt noch nicht ausreichen, um das 2°C-Ziel zu erreichen, ist es, dem Report folgend, noch immer erreichbar. Die Herausforderung dafür wächst aber täglich. Um die bestehenden Chancen zu wahren, sind weitreichende Änderungen noch vor 2020 notwendig. Und bis 2020 wird es wohl noch dauern, prognostiziert die IEA, bis ein neues internationales Klimaabkommen in Kraft treten kann.

Laut IEA ist die Energiewirtschaft das Herzstück dieser Herausforderung. Sie ist verantwortlich für etwa zwei Drittel der Emissionen an Treibhausgasen, da für 80% des Energieverbrauchs weltweit immer noch fossile Brennstoffe verheizt werden. Und die Emissionen werden immer mehr: trotz positiver Entwicklungen in einigen Ländern hat der CO2-Ausstoß 2012 erneut um 1,4% auf 31,5 Gigatonnen zugenommen. Nicht-OECD-Länder sind nun für 60% der Emissionen verantwortlich, während es 2000 nur 45% waren.

Als positive Beispiele werden im Report die USA genannt, deren Emissionen durch den Schiefergas-Boom auf das Niveau der 1990er zurückgegangen sind, und China, dessen Emissionswachstum Jahr für Jahr geringer wird – was vorrangig auf die Entwicklung des Erneuerbaren-Energie-Sektor zurückzuführen ist. Beide Entwicklungen aber, sagt die IEA, sind fragil und können sich jederzeit umkehren.

Die Prognosen für 2020 sehen im Moment ein Emissions-Niveau, das etwa 4 Gigatonnen CO2-Äquivalent höher ist als jenes, um das 2°C-Ziel zu erreichen. Das zeigt nur zu gut, von welcher Größenordnung die Herausforderung noch in dieser Dekade ist.

Die IEA schlägt eine einfach und kompakte Lösung vor: sie konzentriert sich auf 4 Punkte, die es ermöglichen sollen, das 2°C-Ziel noch zu erreichen zu vertretbaren Kosten. In Relation zu den jetzt prognostizierten Emissionen würden diese Richtlinien Treibhausgas-Emissionen um 3,1 Gigatonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2020 senken. Das wären 80% der notwendigen Reduktionen, um das 2°C-Ziel noch zu erreichen. So kann wertvolle Zeit gewonnen werden, die Verhandlungen zur immer wichtiger werdenden Konferenz von Paris 2015 zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Alle Strategien wurden auf Grund folgender Kriterien gewählt:

  • Sie sind in der Lage, signifikante Emissions-Reduktionen am Energie-Sektor bis 2020 zu erzielen (als Überbrückung, bis die Verhandlungen zu einem neuen Klimaabkommen abgeschlossen sind)
  • Sie greifen nur auf vorhandene Technologien zurück.
  • Sie haben sich in einigen Ländern schon als erfolgreich erwiesen.
  • Zusammen genommen, würde ihre Implementierung das Wirtschaftswachstum in keinem Land bremsen.

Die Strategien

  1. Übernahme gezielter Energie-Effizienz-Maßnahmen (49% der Emissionsreduktion)
  2. Beschränkungen von Bau und Betrieb von Kohlekraftwerken (21%)
  3. Minimierung von Methan-Emissionen in der Öl- und Gasproduktion (18%)
  4. Das Ausscheiden von Subventionen auf fossile Brennstoffe beschleunigen (12%)

Alle Effizienz-Maßnahmen zusammengenommen würden Emissionen um 1,5 Gigatonnen im Jahr 2020 reduzieren – in etwa so viel, wie Russland im Augenblick ausstößt. Diese Maßnahmen inkludieren:

  • im Wohnbereich Verbrauchsstandards für Beleuchtung, Heizung und Klimageräte sowie alle neuen elektrischen oder elektronischen Geräte
  • für industrielle Motorensysteme
  • für Fahrzeuge

Etwa 60% der Einsparungen stammen aus dem Gebäudesektor. Dort, wo diese Maßnahmen schon existieren, in der EU, Japan, den USA und China, müssen sie ausgeweitet und strenger kontrolliert werden. Alle anderen müssen sie auf hohem Niveau einführen. Die Investitionen dafür würden sich weltweit auf etwa 200 Mrd. $ belaufen, die sich aber durch reduzierte Energieausgaben mehr als rentieren würden.

Ein Baustopp für Kohlekraftwerke bei einer gleichzeitigen Betriebs-Beschränkung bestehender würde die prognostizierten Emissionen für 2020 um 640 Megatonnen reduzieren und zusätzlich helfen, lokale Luftverschmutzungen maßgeblich zu reduzieren. Am bedeutendsten ist dies in China, den USA und Indien, die die größten Kohlekraftwerksflotten betreiben.

Der Methanausstoß in der Öl- und Gasproduktion könnte fast halbiert werden, verglichen mit dem zu erwarteten Niveau für 2020. Etwa 1,1 Gigatonnen CO2-Äquivalent Methan wurde 2010 in diesem Sektor in die Atomspähre geblasen. Das entspricht der doppelten Erdgasproduktion Nigerias. Die dafür notwendige Technologie ist kostengünstig und wäre sofort verfügbar. Entsprechende Richtlinien wurden in den USA schon angenommen. Die größten Einsparungen könnten in Russland, dem Mittleren Osten, den USA und Afrika erzielt werden.

Die Reduktion von Subventionen auf fossile Brennstoffe würde CO2-Emissionen um 360 Megatonnen 2020 reduzieren. 2011 machten diese Förderungen 523 Mrd. $ aus, sechs mal so viel wie die Förderungen auf Erneuerbare Energien. Momentan erhalten 15% der globalen CO2-Emissionen Subventionen von 110$ pro Tonne, während nur 8% in einem bestehenden CO2-Zertifikatehandel erfasst werden. Der international wachsende Druck auf Budgets stärkt die Notwendigkeit, solche Förderungen zu reduzieren. Der politische Wille sowie die Unterstützung, Förderungen einzuschränken und die CO2-Zertifikatehandel auszuweiten, wuchs in den letzten Jahren.

Und die Kosten?

Will man am 2°C-Pfad bleiben, würden die Umsätze von existierenden nuklearen sowie erneuerbaren Kraftwerken um 1,8 Billionen $ bis 2035 wachsen, während jene von Kohlekraftwerken entsprechend fielen. Von neuen Kohle- oder Gaskraftwerken würden 8% stillgelegt, noch bevor sich ihre Investition gerechnet hätte. Etwa 30% der neu errichteten Kraftwerke müssten mit CCS (Carbon Capture and Storage) ausgestattet werden. Eine Verzögerung in der Implementierung von CCS würde die Kosten der Umstellung auf Erneuerbare um 1 Billion $ erhöhen, den fossilen Stromproduzenten würden die entsprechenden Umsätze fehlen.

Eine weitere Verzögerung im Kampf gegen den Klimawandel würde teuer zu stehen kommen: 1,5 Billionen $ an Investitionen am Erneuerbaren Energien-Sektor, die vor 2020 vermieden werden, würden im Anschluss 5 Billionen $ an zusätzlichen Investitionen notwendig machen, um wieder auf den richtigen Pfad zu kommen. Jede weitere Verzögerung hätte daher substantiell höhere Kosten am Energiesektor zur Folge und ein höheres Risiko, dass Investitionen abgeschrieben werden müssen.
Am meisten profitieren können davon Entwicklungsländer, deren Hunger nach Energie im Moment nur schwer gestillt werden kann. Investieren sie früh in Erneuerbare Energien und effiziente Infrastrukturen, reduzieren sie ihr Risiko, Anlagen frühzeitig abschalten oder anpassen zu müssen.

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