Ernährung  

Gute Gewohnheiten statt böse Lebensmittel

Gewohnheiten beim Essen zu ändern ist gar nicht so einfach – Verbote sind dabei kontraproduktiv

Pünktlich zu Jahresbeginn ernähren sich plötzlich alle „gesund“ und jeder will seine Gewohnheiten ändern. Für jeden bedeutet das ein bisschen etwas anderes: die einen essen weniger Zucker, die anderen gar keinen mehr. Die einen streichen Fleisch von ihrem Ernährungsplan, die anderen kaufen nur noch Bio-Fleisch und essen weniger davon. Manche machen eine Saftkur und wieder andere möchten langfristig ihre Ernährung umstellen.

Böse Lebensmittel

Alle Vorsätze haben jedoch eines gemeinsam: sie dämonisieren bestimmte Lebensmittel! Das führt allerdings nachgewiesenermaßen nicht zum Erfolg sondern fördert eine ungesunde Einstellung zum Essen. 

Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) fordert laufend strengere Regeln und Gesetze. Zum Beispiel höhere Steuern auf fett-, zucker- und salzreiche Lebensmittel oder Werbeverbote. Das soll die Gesellschaft schlanker machen und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes vorbeugen. Effektiv ist so etwas allerdings erwiesenermaßen nicht: eine 2012 in Dänemark eingeführte Fettsteuer wurde mangels Effektivität nach einem Jahr wieder aufgelassen. Die Preissteigerung war wohl noch zu gering – Studien zufolge müsste sich er Preis nämlich um 20% erhöhen, um einen merklichen Konsumrückgang zu bringen. Und eine solche Preissteigerung ist politisch nicht durchsetzbar.

Psychologisch betrachtet bewirkt eine Dämonisierung ohnehin nie den gewünschten Verzicht, sondern macht das Verbotene besonders attraktiv. Die Überschreitung des Verbots wird zum Genuss. (Ihr kennt das vielleicht aus eigener Erfahrung, so wie ich.)

Vergleicht man den österreichischen Ernährungsbericht 1994 mit jenem von 2012, sieht man außerdem keine markante Erhöhung der zugeführten Kalorien in unserer Ernährung in den letzten zwei Jahrzehnten. Wieso steigt dann laufend das Durchschnittsgewicht und sind Zivilisationskrankheiten am Vormarsch? Ganz einfach, eine Komponente in der Gleichung hat sich verändert: die Menschen verbringen immer mehr Zeit inaktiv. Dadurch ist der Energieverbrauch geringer, und es müssten eigentlich weniger Kalorien über die Nahrung zugeführt werden als früher. 

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Was also tun?

Auf Staatsebene sind finanzielle Anreize besser als finanzielle Strafen durch Steuern: eine 50%ige Preisreduktion bei Obst und Gemüse in einer kanadischen High School führte zu einer Verkaufssteigerung von +400% bei Obst und +200% bei Karotten. Solche Beispiele gibt es einige. Ist gesundes Essen also zu teuer? Im Gegensatz zu ungesundem leider häufig (vergleicht man zum Beispiel den Preis einer Extrawurstsemmel mit jenem von einem Kornspitz mit Bio-Schinken – um es ganz einfach zu machen. Aber auch der Preis einer ganzen Packung Gummibonbons ist gegen den eines Apfels oft geradezu lächerlich niedrig. Vor allem, wenn man bedenkt, wie einfach ein Apfel „hergestellt“ ist, im Gegensatz zu einem künstlichen Produkt wie Bonbons.). 

Und was macht man nun als Einzelner, voller Motivation im neuen Jahr? In einer ausgewogenen Ernährung hat jedes Lebensmittel seinen Platz – wie so oft in meinen Artikeln heißt es einfach: alles in Maßen! Grundsätzlich wissen die meisten Menschen instinktiv, was gesunde Ernährung bedeutet. Viel Gemüse und Obst, viel Wasser, wenig verarbeitete Nahrungsmittel, allen voran Weißmehl und Zucker. Hält man diese Regeln ein und hört auf seinen Körper, ist das auf jeden Fall eine gesunde Lösung, die man auch längerfristig einhalten kann. Ungesunde Lebensmittel sollten die Ausnahme bleiben – aber von ein paar Keksen wird man weder dick, noch Diabetiker. Wie immer macht die Dosis das Gift.

Quellen:
Bio Magazin, Sommer 2014, Printausgabe (Seite 24)
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1311846/Daenemark-schafft-Fettsteuer-wieder-ab
https://ernaehrungsbericht.univie.ac.at/ernaehrungsberichte-1998-2012/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2879182/

Bilder/Fotograf: 
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ulli goeblUlrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform und hat 2015 auch ein Kochbuch  zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

Ulli, 06.01.2017
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