Noch immer glauben viele Autofahrer:innen nicht, dass Elektroautos sie dorthin bringen können, wo sie hinmüssen – auch wenn sie es objektiv gesehen könnten. Der Grund? Sie unterliegen einer kognitiven Verzerrung.

Elektrofahrzeuge sinken im Preis und ihre Reichweite nimmt zu – dennoch liegt der Anteil der E-Autos am gesamten Pkw-Bestand in Österreich bei nur 1,8 Prozent. Laut einer Studie liegt dies nicht nur an den höheren Preisen für Elektroautos, sondern auch an einem psychologischen Faktor, der bei den Debatten um die E-Mobilität bisher kaum berücksichtigt wurde: Die Ergebnisse zeigen, dass die Reichweite von E-Autos deutlich unterschätzt wird.

Mit der Studie versuchten die Forscher:innen herauszufinden, wie Menschen über die Reichweite von Elektroautos denken. Im ersten Teil der Studie rekrutierten sie 438 Autobesitzer:innen aus Deutschland und 421 aus den Vereinigten Staaten und baten sie, abzuschätzen, welchen Anteil ihrer jährlichen Autofahrten sie mit Elektrofahrzeugen unterschiedlicher Batteriereichweite von 80 bis 400 Kilometer absolvieren könnten.

Die Fahrer:innen berichteten auch, wie oft sie im vergangenen Jahr Fahrten unterschiedlicher Entfernungen unternommen hatten, die von weniger als einem Kilometer bis zu mehr als 400 Kilometer reichten. Basierend auf diesen Informationen verglichen die Forscher:innen die Kompatibilität von Elektrofahrzeugen mit den Fahrgewohnheiten der Menschen.

Das Fazit: Autofahrer:innen glauben nicht, dass E-Fahrzeuge sie dorthin bringen können, wo sie hinmüssen – auch wenn sie es objektiv gesehen könnten.

Die an der Studie beteiligten Forscher:innen erklärten, dass es sich dabei um verschobene Wahrnehmung – oder kognitive Verzerrung – handle. Eine mögliche Lösung für diese kognitive Verzerrung zeigt der zweite Teil der Studie. Anscheinend reicht es, Menschen individualisierte Informationen darüber zu geben, wie die Reichweite eines Elektroautos mit ihren Fahrgewohnheiten übereinstimmt. Mit diesem kleinen Stück zusätzlicher Information sind Menschen laut der Studie eher bereit, ein Elektrofahrzeug zu kaufen.

Den Studienteilnehmer:innen wurden Berechnungen vorgelegt, wie viele ihrer Fahrten mit Elektrofahrzeugen unterschiedlicher Batteriereichweiten durchgeführt werden könnten. Mit diesen individualisierten Informationen machten sich die Teilnehmer:innen weniger Sorgen um die Reichweite der Akkus.Diese individuell zugeschnittenen Informationen über die Reichweite erhöhten auch die Bereitschaft der Fahrer:innen, für E-Autos mit Reichweiten zwischen 80 und 400 Kilometer mehr zu bezahlen als im Vergleich zu einem Basismodell.

Die Autor:innen der Studie sind deshalb der Ansicht, dass der Bau von immer größeren Akkus für E-Autos nicht unbedingt das beste Verkaufsargument ist. Vielmehr sollten die psychologischen Aspekte beim Autokauf in Zukunft viel stärker berücksichtigt werden.

Autohersteller:innen, Händler:innen, und Carsharing-Anbieter könnten einen ähnlichen Ansatz wie in der Studie verwenden, um potenziellen Käufer:innen und Nutzer:innen von E-Autos individuell zugeschnittene Informationen über die Akku-Kompatibilität zur Verfügung zu stellen.


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Bild: Noya Fields, Flickr