Der Klimawandel hat nicht nur die unübersehbaren Auswirkungen der großen Dimensionen wie schmelzendes Polareis, steigender Meeresspiegel und zunehmende Dürre. Auch in der Welt des mikroskopisch Kleinen tut sich einiges und…

Der Klimawandel hat nicht nur die unübersehbaren Auswirkungen der großen Dimensionen wie schmelzendes Polareis, steigender Meeresspiegel und zunehmende Dürre. Auch in der Welt des mikroskopisch Kleinen tut sich einiges und dies oftmals mit großer und viel unmittelbarerer Auswirkung auf den Menschen.

Ein kleiner Tropenbewohner hat sich auf den Weg gemacht, die Welt zu erobern. Und weil er durch die globale Erwärmung auch in Europa günstige Lebensbedingungen vorfindet, möchte er gleich dauerhaft bleiben. Die Rede ist von der Asiatischen Tigermücke. Nun sollte man aus einer Mücke keinen Elefanten machen, nur leider trägt der kleine Blutsauger eine Fracht mit sich, die jeden Elefanten umhauen könnte: Die Viren von Gelbfieber, Chikungunyafieber, Denguefieber und was die Tropen noch so an Unannehmlichkeiten hergeben.

Tropische Tigermücke wird nach Europa eingeschleppt

Die Ansiedlung der Tigermücke allein ist noch kein Grund zur Panik. Denn laut der Universität Bayreuth ist nicht vorauszusehen, ob auch die von der Tigermücke übertragenen Viren die neuen Umweltbedingungen dauerhaft verkraften werden. Dies muss nicht zwingend der Fall sein. So kann es sein, dass sich die Mücken ansiedeln, vermehren und nachkommende Generationen die Viren nicht in sich tragen werden.

Doch neu eingeschleppte Stechmücken, die durch Handelsfracht oder im Gepäck von Fernreisenden als blinder Passagier ankommen, tragen diese Krankheitserreger eventuelle noch in sich. Und da sich das wärmere Klima positiv auf das Überleben der Mücke auswirkt, sind auch die Viren länger „im Umlauf“.

1979 ist die Tigermücke zum ersten Mal in Albanien gesichtet worden. Anfang der 90er sah man sie in Italien und seit etwa elf Jahren ist sie in Frankreich und Belgien nachgewiesen. Seit 2003 gibt es sie in der Schweiz und in Griechenland, seit 2004 in Spanien und Kroatien. Ende 2007 fand man ihre Eier an einer Autobahnraststätte in Baden-Württemberg.

Erste kleine Ausbrüche tropischer Krankheiten in Europa

2007 gab es einen Ausbruch von Chikungunyafieber in Norditalien. Etwa 200 Personen erkrankten damals an Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen. Bleibende Schäden und Todesfälle sind bei dieser Erkrankung Gott sein Dank selten.

Anders sieht es beim Denguefieber aus, das tödlich verlaufen kann. Bislang gibt es weder eine Impfung noch eine wirkende Behandlung gegen diese tückische Infektionskrankheit. Man muss sie regelrecht aussitzen. 2010 wurden Fälle von Dengue in Frankreich und Kroatien bekannt.

Klimawandel begünstigt dauerhafte Ansiedlung tropischer Stechmücken

Der Klimawandel begünstigt die dauerhafte Ansiedlung der Tigermücke und anderer krankheitsübertragender Stechmücken in Europa. Forscher der Universität Bayreuth rechnen damit, dass zunächst der Nordwesten der Iberischen Halbinsel, der Südwesten Frankreichs und Bereiche in Norditalien von der dauerhaften Besiedlung des kleinen Tropenbewohners betroffen sein werden. Doch auch in Regionen weit ab von den Küsten in West- und Mitteleuropa könnten sich die tropischen Mücken aller Wahrscheinlichkeit nach niederlassen.

Ausbreitung der Tigermücke auch in Österreich und Deutschland wahrscheinlich

Bis Mitte des Jahrhunderts entwickeln sich wohl auch größere Bereiche Deutschlands und Österreichs zu potentiellen Lebensräumen für die Tigermücke. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts dann könnte sie schon von Westeuropa bis hin zur Ukraine günstige Wohnbedingungen vorfinden.

Es lässt sich allerdings nicht mit Sicherheit voraussagen, in welchen für sie günstigen Lebensräumen die Tigermücke sich letztendlich ansiedeln wird. Bisherige Ausweisungen solcher Lebensräume liegen bisher noch im Bereich des Wahrscheinlichen. Doch auch das deutsche Umweltbundesamt sagt, dass eine Ausbreitung der Stechmücke nach Deutschland bei weiterhin steigenden Temperaturen und verstärkten Niederschlägen nur eine Frage der Zeit sein wird.

Quellen:

Christian Wißler: Klimawandel begünstigt weiteres Vordringen der Asiatischen Tigermücke in Europa; in: Forschungsmarketing Universität Bayreuth (Hg.): Blick in die Forschung, Mitteilungen der Universität Bayreuth, 23. Mai 2011.

 

Bundesumweltministerium (Hg.): Tiere als Krankheitsüberträger, Juni 2009.

Bildnachweis: © Frank Hollenbach/Pixelio.de

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