Wie bekommt man CO2 wieder aus der Atmosphäre? Pflanzen binden das Klimagas langfristig, Platz für diese gäbe es in der Sahara genug. Ein deutsches Forscherteam hat ein neues Modell präsentiert, wie das erfolgreich geleistet werden könnte.

Grün in die Wüste zurückzubringen ist ein Traum, den inzwischen viele Leute verfolgen. Und das mit einer Anzahl unterschiedlicher Strategien: der afrikanische Einzelkämpfer Yacouba Sawadogo, der jeden Baum einzeln in Handarbeit pflanzt, oder der afrikanische Weiße Allan Savory, der nach eingehender Beobachtung entdeckt hat, wie die Natur der Steppe sich an grasende Herden wandernder Tiere angepasst hat und in der von ihm propagierten Tierhaltung dazu übergegangen ist, natürliche Prozesse nachzuahmen. Beide mit erstaunlichem und nachhaltigem Erfolg. Seine TED-Talk ist sehenswert.

Das nun vorgestellte Konzept zielt vorrangig darauf ab, nicht die Verwüstung aufzuhalten, sondern CO2 in Form von Pflanzen, in diesem Fall Jatropha curcas zu binden. Um die erforderlichen Anbauflächen für ein solches Unterfangen zu gewinnen, greift man nicht auf die begrenzt zur Verfügung stehenden Ackerflächen zurück und tritt damit nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie, sondern möchte agrarisches Neuland gewinnen. Ziel ist es daher, die an Trockenheit gewöhnte Pflanze in Küstengebieten gedeihen zu lassen, die vermehrt an Wüsten grenzen, wie die Küsten rund um die Sahara. Eine Jatropha-Plantage so groß wie Irland, ca. 70.000 km2, könnte jährlich so viel CO2 absorbieren, wie alle Autos Deutschlands erzeugen.

Die Kosten dafür schätzt die Studie auf € 42–63 pro Tonne CO2. Damit bewegt sich das Carbon Farming in einer vergleichbaren Kostenregion wie aktuelle Carbon Capture and Storage-Technologien, ohne aber die genannten Umweltrisiken zu bergen. Dass mit einer solchen Plantage das regionale Klima verändert werden würde, steht für die Macher der Studie außer Zweifel. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur wie auch die Regenmenge würde schon ab einer Plantagengröße von 10.000 km2, vergleichbar mit der Größe des Libanon oder des Kosovo, auf regionaler Ebene beeinflusst werden.

Für die Bewässerung einer solchen Plantage sind Entsalzungsanlagen vorgesehen, was die Notwendigkeit der Küstennähe noch weiter verstärkt. Warum man sich hier nicht alternative Bewässerungsstrategien zu Nutze macht, um Kosten zu senken, ist mir ein Rätsel. Jene, die Peter Westerveld von der Naga Foundation auf einer TEDxAmsterdam präsentiert, klingt fast zu einfach und interessant, um wahr zu sein. Westerveld erwähnt darüber hinaus noch die Jatropha curcas als eine geeignete alternative Möglichkeit, Biosprit zu produzieren. Dieses Ziel wird in der eben erschienenen Studie ebenfalls genannt.

Im Moment gibt es eine Versuchsplantage mit Jatropha curcas in Ägypten, an denen die Autoren der Studie beteiligt sind, alles andere bleibt aber ein theoretisches Ausloten der Machbarkeit. Andere Strategien zur Eindämmung der Verwüstung sind erprobt und binden, wenn auch in geringerem Umfang, ebenfalls CO2. (Wieder-)Aufforstungsprogramme, wie Plant a Billion Trees haben zwar ein anderes Primärziel, wirken aber in die gleiche Richtung. Die Jatropha curcas ist auch nicht die einzige Pflanze, die mit dem Ziel der Aufforstung von Wüstengebieten genannt wurde: der Eukalyptus-Baum soll dies ebenfalls leisten. Mit einem solchen Programm könnte theoretisch die gesamte Erde abgekühlt werden. Das Sahara-Forest-Projekt möchte das ebenfalls leisten, fügt aber noch die Stromgewinnung auf Basis von Concentrated Solar Power-Anlagen für die Entsalzungsanlagen zum Konzept hinzu. Eine erste Pilotanlage dieses Projekts wurde vor kurzem in Katar eröffnet, wie Technology Review in der aktuellen Ausgabe berichtet.

“Klassische” Wege des Ackerbaus in der Wüste mit Hilfe künstlicher Bewässerung scheinen aber schön langsam ihrem Ende entgegen zu gehen. Sinkende Grundwasserspiegel und Versalzung von Böden sind hier die Hauptprobleme, mit denen Bauern zu kämpfen haben und die immer mehr Ackerland unbenutzbar machen.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Skopal,

    es freut mich zu sehen, wie viele Initiativen sich mit der Begrünung der Wüste
    abgeben. Leider ist die Anpflanzung von einer Billion Bäumen noch lange nicht
    genug, um den Klimawandel aufzuhalten oder gar zurück zu drehen. Solange weiter
    fleissig CO2 emittiert wird und in einigen Jahren vielleicht statt Erdöl Kohle
    zu Benzin gemacht wird, was den Anstieg des CO2-Pegels noch beschleunigen wird,
    solange sind alle die genannten Aktionen hilflose Versuche und
    Alibi-Veranstaltungen.

    Ich will den guten Willen der Akteure gar nicht in Abrede stellen, aber der
    Umfang der Wiederbegrünung der Wüste muss wesentlich größer sein und
    gleichzeitig darf kein weiteres CO2 emittiert werden. Das lässt sich mit
    solarthermischen Kraftwerken, deren Abwärme zur Meerwasserentsalzung genutzt
    wird erreichen. Baut man 200.000 Anlagen der Größe Andasol 1, d.h. 200.000* 50
    MW, so erzeugt man 10.000 GW Kraftwerksleistung. Für einen 24 stündigen Betrieb
    am Tag sollte die Fläche aber um 55% vergrössert werden. Jedes dieser Kraftwerke
    hat 93 MW Abwärme bei ca 80°C. Damit kann jeweils 50.000 m^3 Trinkwaser aus
    Meerwasser hergestellt werden. Mit dem Wasser kann zusammen mehr als 9 Millionen
    km^2 bewässert werden. Auf jedem km^2 wachsen 250.000 Bäume, z.B. Jatropha
    curcas, die schon nach 5 Jahren einen Vollertrag an Öl erzeugen und so die
    Anlage und Pflege der neuen Wälder auch finanzieren helfen. Wer würde denn 1000
    Billionen Bäume pflanzen und 100 Jahre auf die Ernte warten? Das kann niemand
    bezahlen.

    Die Kraftwerke würden die alten Kohle- und Atomkraftwerke und das Pflanzenöl
    würde die heutige fossile Ölproduktion komplett ersetzen. Damit würde fast kein
    CO2 mehr emittiert, stattdessen sammeln die Pflanzen soviel CO2 ein, dass man
    nach 50-80 Jahren wieder das 300 ppm Niveau erreichen kann. Dazu muss die
    Biomasse, die jedes Jahr als Baumschnitt anfällt, in Humus oder noch besser
    durch Pyrolyse zu Holzkohle umgewandelt werden. Mit der Holzkohle verbessert man
    den Boden zu Terra Preta und steigert die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit
    des Bodens. Die Erträge auf Terra Preta sind wesentlich höher als auf normalem
    fruchtbaren Gartenboden, und um Größenordnungen höher als auf unfruchtbarem
    Wüstenboden. Die Holzkohle wird auch in 2000 Jahren nicht abgebaut, wie die Terra
    Preta in Brasilien zeigt. So ist der Kohlenstoff nicht nur sicher abgelegt, sondern er
    bringt zusätzlichen Nutzen.

    Die Idee, die Sie hier präsentieren, ist aber schon einige Jahre alt. Im
    Januarheft der Zeitschrift Humane Wirtschaft und im August 2010 in Telepolis
    habe ich die Konsequenzen dieses Konzepts ausführlich besprochen.
    http://www.humane-wirtschaft.de/wp-content/plugins/google-document-embedder/pdf.
    php?file=www.humane-wirtschaft.de/wp-content/uploads/2010/01/Herres_Rettung-des-
    Weltklimas.pdf&fn=Herres_Rettung-des-Weltklimas.pdf

    http://www.heise.de/tp/artikel/33/33032/1.html

    Das Allerbeste wird aber meistens vergessen. Die Anlage und Pflege der 200.000
    Plantagen mit jeweils 45 km^2 Fläche erfordert ca 500 Millionen Arbeiter.
    Zusammen mit den Familien erhalten also etwa eine Milliarde Menschen einen neuen
    Lebensraum, dazu ausreichend Wasser, Nahrung, Arbeit, Einkommen und
    Bildungsmöglichkeiten. Der Aufbau von 200.000 Plantagen zusammen mit den
    Solarthermischen Kraftwerken und Meerwasserentsalzungsanlagen dauert 40-50
    Jahre, während zur selben Zeit die alten Kohle- und Atomkraftwerke ausser
    Betrieb genommen werden. Es sind also auch gar nicht so viele zusätzliche
    Geldmittel dafür nötig. Es ist nur eine Neuorientierung der Energieversorgung.

    Auf den Plantagen wachsen auch nicht nur Jatropha curcas Bäume, sondern alles
    was das Klima verträgt, so wie Yacouba Sawadogo über 60 verschiedene Baumarten
    in der Sahel Zone gepflanzt hat. Jeder Baum hat seine eigene Besonderheit und
    dient speziellen Zwecken, bis hin zu Medizin. Allerdings sind gerade
    Eukalyptusbäume sehr durstig und werden zur Trockenlegung von Sümpfen
    eingesetzt. In der Wüste haben Sie einen um so höheren Wasserbedarf.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Gerhard Herres

  2. Meiner Erfahrung nach gibt es Wasser aus Luftfeuchtigkeit, welche durch Stoßkondensation in Form von Tröpfchen von den Oberflächen der Pflanzen gebildet, auf den Boden um die Pflanze fällt.
    Trockenarten vertragen diese magere Befeuchtung und wird durch aufkeimende Vegetation zu einem Ökotop.
    Die Rhizinusstaude ist zB. eine solche Art. Auch andere Ölfrüchtpflanzen haben diese EIgenschaft.
    Eine Wasserbewirtschaftung des geringen Niederschlages mittels Rückhaltebecken, kann diesen Effekt fördern, denn bei wolkenbruchartigen Gewittern fallen große Wassermengen, welche aber in den Wadis sofort weg geleitet werden.

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