Rotraut Schöberl ist leidenschaftliche Buchhändlerin, in der Wiener Buchhandlung Leporello, und hat zuhause einen Garten vor der Wohnung. Sie präsentiert nicht nur Praxistipps, sondern auch Literaturempfehlungen, die vielversprechene Inspirationsquellen sind.

Wir sitzen im Leporello, hinter uns ein ganzes Regal voller Gartenbücher, die Begeisterung für das Thema merkt man Schöberl sofort an, deshalb ist es auch eine Freude mit ihr über ihren Garten zu sprechen.

Was machst du in deinem Garten im März?

Ich habe schon den ganzen Winter auf diesen Zeitpunkt gelauert, wo die Sonne rauskommt und wo man endlich anfangen kann. Das ist eben erst im März, wo du beginnen kannst das letzte Laub wegzuräumen, zu schauen wo die Spitzen von den Pflanzen herauskommen. Die Tulpen sind schon sechs bis acht Zentimeter hoch, die Schneerosen blühen schon lange und du schaust einfach einmal, dass du die letzten Spuren des Winters beseitigst.

Der März ist auch der richtige Monat dafür, um sich zu überlegen, was man verändern möchte. Ein Garten ist nie fertig, er ist immer im Wandel und im Wachsen sowieso. Im Winter ist man mit wunderbaren Büchern gesessen und hat sich überlegt, was man wie gestalten will und was man gerne eingesetzt hätte.

Mein Garten ist klein, aber ich stehe dann wirklich draußen und liebe jeden einzelnen Zentimeter. Ich freue mich, wenn ich mir überlegen kann, dort kommt das und da das hin. Oder auch, wenn mir auffällt was nicht so gut ausschaut oder, dass es hier eine Lücke gibt, wo man noch etwas einsetzen könnte. Ich stelle mich aber auch auf die Terrasse und überlege mir, ob ich dem eine neue Form geben könnte oder, ob ich etwas Grundsätzliches verändern will.

Während ich im Winter nur die Bücher wälzen kann und mir überlege, wie ich etwas machen will, ist es jetzt soweit das auch umzusetzen.

Im März gehe ich zum ersten Mal zu den Gartenhändlern, um zu schauen was sich tut und was es Neues gibt.

Man kann sich darauf freuen, was kommen wird, man sieht aber auch was nicht wird, aus welchem Grund auch immer. Entweder haben es die Mäuse gefressen, ist es erfroren oder es ist vertrocknet, weil man im Winter nicht gegossen hat. Da gibt es viele Gründe.

Hast du ein Gesamtkonzept für deinen Garten?

Ich habe immer wieder Gesamtkonzepte, die ich im Winter entwickle, die im Frühjahr dann aber ganz schnell wieder verschwinden. Es gibt eine Grundlinie: Ich will es nicht ordentlich, ich will es nicht gerade, ich will es vielfältig und es soll mir einen Hauch von Mittelmeer vermittlen. Nicht nur mit den richtigen Kübelpflanzen, die ich zum Teil auch wirklich in die Erde hineinstelle, sondern auch mit zwei großen Tontöpfen. Ich hab schon sehr viel dafür getan, dass man sich denken könnte, dass man gerade in der Toskana ist.

Das Schöne am Garten ist, dass man jeden Tag 20 Stunden drinnen verbringen kann oder man lässt ihn einfach wachsen. Es gibt Schmetterlinge, Bienen, Wespen und sehr viele andere Tiere, die mir zeigen, wenn sie sich wohlfühlen, dass da etwas in Ordung sein muss.

Verbringst du viel Zeit im Garten?

Für mich gehört es so ab März zum Aufstehritual, dass ich in der Früh mal nach draußen gehe und mal ein Blatt abzupfe und da und dort schaue. Das geht dann so bis zum November durch. Dass ich da 20 Minuten draußen bin, freut nebenbei auch die Katzen, die dann ebenso nach draußen dürfen. Ich gieße auch gerne in der Früh. Für mich ist das Meditation, Pflanzen reden auch nicht zurück. Sie zeigen vielmehr auf sehr einfache Art ihre Bedürfnisse. Für mich ist dieser Monolog, den ich da halten kann sehr wichtig und es kommt nichts als viel Liebe, Pracht und Wachsen zurück.

Literaturtipps:

Die große Pflanzen-Enzyklopädie

Der Garten der Virginia Woolf

Grüne Stadtoasen

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