Kühe auf dem Wasser? So soll die schwimmende Molkerei aussehen – © beladon.com
Kühe auf dem Wasser? So soll die schwimmende Molkerei aussehen – © beladon.com
Wie kann man den Nahrungsmittelweg vom Erzeuger zum Verbraucher möglichst nachhaltig verkürzen? Und können Kühe eigentlich seekrank werden? Und was haben diese beiden Fragen miteinander zu tun? In Rotterdam soll es mit einer schwimmenden Molkerei darauf bald eine Antwort geben.

Ausschlaggebend für seine Idee war der Hurrikan Sandy, während dem Ingenieur Peter van Wingerden vor ein paar Jahren in New York weilte. Er sah vor Ort, wie die Naturgewalt dazu führte, dass es für die Einwohner plötzlich schwierig war, an Lebensmittel zu gelangen. In dieser Zeit dachte er über die Entfernung nach, die Lebensmittel heute vom Erzeuger bis zum Verbraucher zurücklegen – und dass es demnach günstig wäre, wenn Farmen direkt in den Städten angesiedelt sind: So würde man nicht nur zu mehr Ernährungssicherheit beitragen, sondern gleichzeitig die negativen Umwelteinflüsse reduzieren, die lange Transportwege mit sich bringen.

40 Kühe sollen in der Molkerei 1.000 Liter Milch liefern

Heute arbeitet der Ingenieur Peter van Wingerden in dem Unternehmen Beladon an seiner Vision. Das niederländische Unternehmen beschreibt sich selbst als Immobilienentwicklungsunternehmen, das schwimmende Gebäude bauen möchte und dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit an oberste Stelle setzt. Und so soll Rotterdam bald die erste schwimmende Molkerei der Welt beherbergen. Im Hafen entsteht eine Anlage, in der 40 Kühe untergebracht werden, die täglich bis zu 1.000 Liter Milch liefern können. Mit diesem schwimmenden Farm-Konzept sollen bisher ungenutzte Wasserflächen einen Beitrag zur nachhaltigeren Lebensmittelwirtschaft leisten. 

Nachhaltige Düngevariante

Die direkt in der Stadt liegende Farm verkürzt damit nicht nur Transportwege, sondern soll auch auf anderen Ebenen nachhaltig wirtschaften. So sollen etwa achtzig Prozent der Futtermittel für die Kühe aus Essensresten aus nahegelegenen Restaurants und Produzenten in Rotterdam stammen. Das können sowohl Körner aus lokalen Brauereien, Nebenprodukte aus ansässigen Weizenmühlen oder gesammelter Grasschnitt sein. Ergänzt wird die Ernährung der Kühe durch Pflanzen, die direkt auf der schwimmenden Farm unter LED-Lampen – die teilweise dank Sonnenkollektoren mit eigenem Strom betrieben werden – gezüchtet und mit dem Urin der Kühe gedüngt werden. Der Urin der Kühe wird von Robotern gesammelt: Was nicht vor Ort für die Düngung oder Energiegewinnung genutzt wird, soll in nahe gelegenen Farmen weiterverwertet werden. Übrigens: Die Kühe müssen keineswegs ihr Leben lang auf dem Wasser verbringen: Dank einer Laufplanke können die Kühe an Land und somit auf Weiden gebracht werden.

Quelle: treehugger.com, Bild: beladon.com


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